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Bilanz nach Freiwilligenjahr in Bibliothek

Wittstock Bilanz nach Freiwilligenjahr in Bibliothek

Basteln, Lesen, Spielen, Verantwortung übernehmen – seitdem der 19-jährige Stuart Hubert sein Freiwilliges Soziales Jahr in der Wittstocker Bibliothek absolviert, weiß er, dass diese Einrichtung mehr als nur verstaubte Bücher zu bieten hat. Und so nimmt Stuart reichlich Erfahrungen aus der Zeit mit auf seinen Lebensweg. Ende des Monats endet das Jahr für den 19-Jährigen.

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Sein Basteltalent musste Stuart (r.) erst während des FSJ entdecken – wie hier beim Osterbasteln im März.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Es sind keine zwei Wochen mehr, dann endet Stuart Huberts Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Wittstocker Bibliothek. „Irgendwie schade“, findet der 19-Jährige. Denn die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen habe ihm großen Spaß gemacht. Seine kleinen Schützlinge seien ihm im Laufe der Tätigkeit richtig ans Herz gewachsen. Und auch Stuart wird in der Einrichtung sicher schmerzlich vermisst werden – nicht nur von den jüngsten Bibliotheksbesuchern.

„Er hat ein super Programm für die Kinder auf die Beine gestellt“, lobt Bibliotheksleiterin Georgia Arndt. Vor einem Jahr habe sie sich bewusst dafür entschieden, den jungen Mann als FSJler einzustellen. „Wir hatten bislang immer nur weibliche Bewerber, da wollten wir mal gucken, ob es auch mit einem männlichen klappt“, erinnert sich Arndt. Sie habe die Entscheidung nicht bereut. Auf eine Zeitungsannonce, die ihm seine in Wittstock lebende Großmutter vorgelegt hatte, habe er sich an die Bibliothek gewendet, so Stuart.

Jeden Montag dachte sich Stuart kreative Ideen für sein Programm aus

Jeden Montag dachte sich Stuart kreative Ideen für sein Programm aus.

Quelle: Christian Bark

Damals hatte der 19-Jährige gerade sein Fachabitur für Sozialwesen am Oberstufenzentrum (OSZ) in Neuruppin in der Tasche. „Ich habe schon nach der zehnten Klasse gewusst, dass ich später mal im Sozialbereich arbeiten möchte“, sagt Stuart. Während seiner Abi-Zeit habe er ein Jahr in einem Neuruppiner Jugendclub gearbeitet. „Es war anfangs nicht leicht, sich bei den fast gleichaltrigen Jugendlichen durchzusetzen“, blickt er zurück. Doch dann habe er sich in Gespräche eingeklinkt, sei mit den jungen Leuten freundschaftlich, nie bestimmend umgegangen. Sein persönliches Highlight sei die Organisation eines Fußballturniers gewesen. „Das habe ich ganz allein geplant und es kam richtig gut an“, berichtet Stuart.

Allein planen, Verantwortung übernehmen und trotzdem täglich etwas dazulernen – das war Stuarts Alltag in der Wittstocker Bibliothek. „Montags war immer der Tag meiner Recherchen und Planungen“, beschreibt er die Tätigkeit. Im Wochentakt seien Programme entstanden. „Die habe ich mit den Bibliotheksmitarbeitern und mit den Kindern abgestimmt“, so der 19-Jährige. Denn die Kinder mit einzubeziehen, sei besonders wichtig. „Das Wichtigste ist aber Kreativität“, fügt er hinzu.

Freiwillig aktiv werden

Zwölf Monate dauert ein FSJ in der Regel. Man kann den Dienst aber auch auf sechs Monate verkürzen oder auf 18 Monate verlängern, maximal möglich sind 24 Monate Dienstdauer. Menschen, die älter als 27 Jahre sind, können auch in Teilzeit tätig werden.

Neben dem Freiwilligen Jahr im sozialen können Teilnehmer auch im ökologischen, kulturellen, sportlichen oder in der Integrationsarbeit tätig werden. Zudem ist ein Freiwilliger Wehrdienst bei der Bundeswehr möglich.

320 Euro Taschengeld erhielt Stuart im Monat sowie 26 Tage Urlaub auf des gesamte Jahr verteilt. Vom Bundesfreiwilligedienst heißt es hierzu: „Die Einsatzstellen entscheiden, wie hoch das Taschengeld ausfällt. Die Höchstgrenze liegt bei 372 Euro.“

Mit seinem Freiwilligen-Ausweis konnte Stuart Vergünstigungen wie ermäßigten Eintritt in Museen oder ermäßigte Fahrkartenpreise in Anspruch nehmen. Am Ende des Dienstes haben Teilnehmer Anspruch auf ein Zeugnis.

Weitere Informationen hier.

Die wussten den jungen FSJler gleich am ersten Tag zu schätzen. „Sie haben mir frische Blumen vom Markt geschenkt“, erinnert sich Stuart strahlend. Von Anfang an habe er sich gut mit seinen Schützlingen verstanden. Im Schnitt hätten bis zu sechs Kinder, meist im Alter von zehn bis zwölf Jahre, sein tägliches „FSJ-Angebot mit Stuart“ besucht. Manchmal, das gibt der 19-Jährige zu, habe es aber auch Tage zum Verzweifeln gegeben, wenn die Kinder zu laut oder „zickig“ waren. „Dann hieß es für mich erstmal: Ruhe bewahren“, sagt Stuart. Allerdings hebe er nur einmal ein Kind von der Veranstaltung ausschließen müssen, weil es entsprechend massiv die anderen Kinder gestört hatte. Auch während der Ferienprogramme musste der FSJler mit Enttäuschungen umgehen können. „Es gab Tage, da kam absolut niemand“, berichtet er. Obwohl er sich große Mühe mit der Ausarbeitung des Ferienprogramms gegeben hat – so auch in diesen Sommerferien.

Schulische Ausbildung in Neuruppin geplant

Zu seinem Freiwilligen Sozialen Jahr gehörten auch vier Seminare, die er zwischendurch besuchte. „Da haben sich dann alle FSJler aus Berlin-Brandenburg getroffen“, erklärt er. Meist seien es Kreativseminare gewesen, die womöglich eher der Entspannung als der Fortbildung gedient haben mögen, wie Stuart vermutet. Dafür habe er sich intensiv mit anderen FSJlern austauschen können. „Ich war so ziemlich der Einzige, der in einer Bibliothek gearbeitet hat“, sagt Stuart. In Gesprächen habe er rausgehört, dass andere FSJler mit sehr viel schwierigeren Arbeitsbedingungen zurechtkommen mussten.

Zum Abschied gibt es ein Piraten-Fest mit Geschichten aus dem Störtebeker-Buch

Zum Abschied gibt es ein Piraten-Fest mit Geschichten aus dem Störtebeker-Buch.

Quelle: Christian Bark

Nun, wo sich sein Jahr langsam dem Ende entgegen neigt, hat Stuart Hubert schon eine konkrete Vorstellung von seiner Zukunft: Er will am OSZ eine Erzieherausbildung starten. Im September soll es losgehen. „Die Arbeit in der Bibliothek hat mir bestätigt, dass das meine Laufbahn sein wird“, sagt er. Das Jahr habe ihn auch gelehrt, wie es sich anfühlt, jeden Tag einer geregelten Arbeit nachzugehen – allerdings brachten ihn seine FSJ-Erfahrungen weniger Glück bei Neuruppiner Erziehungseinrichtungen. „Es war schwer, einen Praxisbetrieb zu finden“, berichtet Stuart. Deshalb laufe nun alles auf eine schulische Ausbildung hinaus. Und noch etwas hat der 19-Jährige gelernt, dem er zuvor eher reserviert gegenüberstand. „Früher habe ich bei Bibliotheken immer an verstaubte Bücherregale gedacht“, lacht er. Doch während des FSJ sei ihm klar geworden, dass die Einrichtung so viel mehr zu bieten habe.

Bieten will Stuart seinen Schützlingen auch weiterhin etwas während des Ferienprogramms und am 31. August, seinem letzten Tag in der Bibliothek, eine große „Piraten-Party“ feiern. „Ab 14 Uhr geht’s los“, kündigt er an. Dann soll es eine Schatzsuche, Piratenpantomime, ein Störtebekergewinnspiel sowie eine kinderfreundliche Rum-Runde geben. Und vielleicht ist dann auch schon Stuarts Nachfolgerin dabei. „Wir haben endlich eine Bewerberin für das FSJ gefunden“, informiert Bibliotheksmitarbeiterin Eveline Grunert. Es sei eine junge Frau. Mehr wolle sie jedoch nicht verraten.

Von Christian Bark

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