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Bilder aus Babe

Künstler Bernd Demmig Bilder aus Babe

Im Atelier von Bernd Demmig in Babe (Amt Neustadt) bekommen die Augen viel zu tun. Dort türmen sich förmlich die Bilder des Grafik-Designers, der schon als Kind gerne gezeichnet hat. Demmig malt fast jeden Tag. Selbst in den Urlaub nimmt er seinen Skizzenblock mit.

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Bernd Demmig in seinem Atelier. Er arbeitet an seinem aktuellen Werk „Der erste Flüchtling“.

Quelle: Sandra Bels

Babe. Das Abstrakte ist nicht seins. „Ich möchte, dass man in meinen Bildern etwas erkennen kann“, sagt Bernd Demmig. Der Grafik-Designer arbeitet in seinem Atelier zu Hause in Babe gerade an mehreren Werken. Eins heißt „Der erste Flüchtling“. Auf dem ersten Blick sieht man einen Gekreuzigten. Es ist ein Ausländer, ein Flüchtling.

„Es sind nicht immer schöne Bilder, die ich male“, sagt der Künstler. Er verarbeitet, was ihn bewegt. Viele Details fehlen noch, zum Beispiel die brennenden Häuser. „Jetzt will der Arme wieder abhauen und sie haben ihn festgenagelt“, sagt Demmig. Eigentlich will er seine Bilder nicht erklären. „Sie sollen für sich sprechen“, sagt er. Das Malen ist für ihn eine Ausdrucksweise. „Wenn ich es erklären könnte, bräuchte ich es nicht zu malen“, erklärt der Künstler und taucht den Pinsel in die blaue Farbe, mit der er den Hintergrund malt. Er sagt, dass er relativ lange braucht, bis ein Bild fertig ist. „Aber irgendwann muss man einfach aufhören, sonst macht man das Werk kaputt“, so Demmig.

Seine Frau liebt die kraftvolle Farbigkeit seiner Bilder

Täglich ins Atelier zu gehen, das hat er sich vorgenommen. Längere Pausen vermeidet er. Selbst in den Urlaub nimmt Demmig den Skizzenblock mit. Handwerk und Routine sind ein großer Teil seiner Arbeit. Seine größte Kritikerin ist seine Frau Doris Malo. Sie liebt die kraftvolle Farbigkeit seiner Bilder. Und sie liebt es, dass die kreative Ader ihres Mannes überall zu Hause zu sehen ist. „Ein aus Lehm geformter kleiner Atlas, der einen Balkon trägt, Chamäleon und Schildkröte, Luchs und vieles andere, seine Bilder natürlich nicht zu vergessen. All das schmückt unser Heim“, sagt die Ehefrau. Manchmal brachte der Angetraute sie zur Verzweiflung, wenn etwas fertig werden sollte und er sich lieber mit den schönen Dingen beschäftigte. Heute ist Doris Malo sehr glücklich darüber, dass er sich nicht von ihrer Ungeduld hat leiten lassen.

Im Atelier ist kaum noch Platz für neue Bilder

Im Atelier ist kaum noch Platz für neue Bilder.

Quelle: Sandra Bels

Nicht nur für Doris Malo ist ihr Bernd der Mann für alle Fälle. Kaputte Waschmaschinen, Rasenmäher und Pumpen im Ort repariert er. Ist etwas an der Elektrik zu tun, ist er zur Stelle. Er bringt Uhren wieder zum Laufen und baut wunderschöne zarte Ohrringe und kümmert sich intensiv um seine Motorräder. „Wenn ich ihn suche, finde ich ihn häufig in seinem Atelier hinter dem verspiegelten Kleiderschrank“, erzählt Doris Malo.

Es ist ein Raum, in dem die Augen viel zu tun bekommen. Ein selbst gebauter Kronleuchter hängt an der Decke. Barbiepuppen stehen drauf, aber auch Eisenbahnwaggons, Blumen und anderes Beiwerk. Auf dem Tisch liegt das Porträt einer Frau. Bei näherem Betrachten sieht man, dass die Zeichnung komplett aus Dreien besteht. „Es ist meine Tochter“, sagt Demmig. Er will ihr das Bild zum 33. Geburtstag schenken.

Ein Porträt komplett aus Dreien

Ein Porträt komplett aus Dreien. Demmig hat es für seine Tochter gezeichnet.

Quelle: Sandra Bels

In der Schublade stecken noch ein paar Schätzchen. Eins davon ist ein Plakat. Der Künstler hatte es für den Umwelttag 1996 in Halle gestaltet und dafür einen Preis bekommen.

Zeichnen war schon immer sein Hobby. Demmig zeichnete schon als Kind. „Ich hab schon in der Lehre einen Zeichenzirkel besucht, brauchte dann aber mehrere Anläufe bis zum Studium“, erzählt der Künstler. Er denkt, dass seine Großmutter ihm das Talent einst mit in die Wiege gelegt hat. Sie malte immer für die Kinder in der Schule. Über seine Bilder sagt Demmig: „Sie sind ein farbiges Zusammenspiel von Traum und Wirklichkeit, das den Betrachter auffordert, seine Fantasie fließen zu lassen.“

Zur Person

Bernd Demmig wurde 1961 in Zeitz geboren und lebt seit 2001 in Babe.

Sein Studium begann er 1986 an der Hochschule für Kunst und Design in Burg Giebichenstein. Er schloss es 1992 als Gebrauchsgrafiker ab. Heute würde man Grafik-Designer sagen.

Davor hatte Demmig den Beruf des BMSR-Mechanikers (Betriebs-, Mess-, Steuer- und Regeltechniker) gelernt. Es ist der heutige Mechatroniker.

Zwischen 1981 und 1983 war er im Energiekombinat Halle tätig. 1984 und 1985 arbeitete er als Elektriker.

Ab 1993 war Demmig zwei Jahre als Siebdrucker bei Moritz Götze tätig und hatte dabei auch Zeit, eigene Werke in Siebdrucktechnik herzustellen.

Freiberuflicher Grafiker ist er seit 1994.

Ölfarbe wie früher kommt heute nur noch selten auf die Leinwand. Erste Auftragsarbeiten hatte Demmig damit gemalt, wie den „Blücher zu Pferde“. „Mit den 300 Mark ging’s nach Bulgarien“, erinnert sich der Künstler. Heute bevorzugt er Acrylfarbe. Seine Frau sagt: „Er verschwindet oft im Atelier und malt und malt.“ Mittlerweile ist nur noch wenig Platz für neue Bilder. „Es wäre schön, wenn seine Arbeiten auch von anderen Leuten gesehen werden“, so Doris Malo. Zusammen mit ihrem Mann plant sie für das Frühjahr eine Ausstellung in der Roddahner Kirche. Er zeigt seine Werke dort nicht zum ersten Mal.

Das Werkzeug des Künstlers

Das Werkzeug des Künstlers.

Quelle: Sandra Bels

Von Sandra Bels

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