Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Bildungsstätte mit neuem Auftrag

Zippelsförde Bildungsstätte mit neuem Auftrag

Im Frühjahr hatte der Verein „Deutsche Gesellschaft für Tiergestützte Therapie“ die ehemalige Umweltbegegnungsstätte in Zippelsförde übernommen. Künftig sollen dort Therapeuten und Pädagogen in der tiergestützten Therapie aus- und fortgebildet werden. Gemeinsam mit der IHK plant der Verein eine bundesweit einmalige Fortbildung.

Voriger Artikel
Erinnerung an die Schlacht am Scharfenberg
Nächster Artikel
Zäher Fortschritt bei Hotelprojekt

Angela Zimmermann und ihre Mitstreiter renovierten die frühere Umweltbegegnungsstätte – Hündin Cara war dabei.

Quelle: Peter Geisler

Zippelsförde. Eigentlich hatte Angela Zimmermann nur bei Zippelsförde spazieren gehen wollen. Sie entdeckte dabei die ehemalige Umweltbegegnungsstätte und war „sofort verliebt“. Die 1912 im Heimatschutzstil errichtete Villa und ihr großer Garten könnten ein idealer neuer Arbeitsort sein, dachte sich die Vereinsvorsitzende der „Deutschen Gesellschaft für Tiergestützte Therapie“ damals. Sie bemühte sich um das zum Verkauf stehende Haus. Im April – eineinhalb Jahre später – hielt die Psychologin und Heilpraktikerin, die sich in den vergangenen Jahren auf Therapie mit Tieren spezialisiert hat, die Schlüssel für das Backsteinhaus in der Hand.

Viel ist seitdem geschehen. Den ganzen Sommer über sanierte ein harter Kern von Vereinsmitgliedern die frühere Umweltbegegnungsstätte. Sie strichen die ehemals knallbunten, fast vier Meter hohen Wände, schafften die Möbel raus, die sich in fast 40 Jahren angesammelt hatten, harkten zehn Tage Laub. Inzwischen hat im lichtdurchfluteten, großen Seminarraum die erste Veranstaltung stattgefunden. Pflegekräfte aus Mecklenburg-Vorpommern kamen zu einer Fortbildung.

Eigentlicher Schwerpunkt der künftigen Arbeit in Zippelsförde: Therapeuten, Pädagogen und Pfleger in der tiergestützten Therapie aus- und fortzubilden. Mehr als 500 Anbieter machen in Deutschland entsprechende Bildungsangebote. „Eine komplette Grauzone“, sagt Zimmermann. Denn keines dieser Angebote endet mit einem staatlich anerkannten Abschluss.

Leuchtturmprojekt für die gesamte Region

Gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer Potsdam und anderen Kooperationspartnern entwickelt der Verein deshalb eine Fortbildung, die erstmals mit einem entsprechenden Zertifikat enden soll – die Fortbildung zur „Fachkraft für tiergestützte Intervention“. „Das wäre bundesweit einmalig“, sagt Zimmermann. Schon 2017, so hofft die 41-Jährige, könnte die erste Fortbildung starten. „Das wäre ein Leuchtturmprojekt für die gesamte Region.“

Anders als vielleicht andere Angebote soll diese Fortbildung besonderen Wert darauf legen, dass Therapietiere auch artgerecht eingesetzt werden. Denn das ist nicht nur wegen des Tierwohls wichtig. Auch für den Therapieerfolg ist entscheidend, dass der Hund, der einem Wachkomapatienten oder einem Demenzkranken helfen soll, nicht gestresst ist. „Sonst versperrt sich der Patient.“

Die ersten beiden Therapiepferde sind bereits da – eines von ihnen schnuppert an dem Hund von Lisa Richter, die in Zippelsförde eine freiwilli

Die ersten beiden Therapiepferde sind bereits da – eines von ihnen schnuppert an dem Hund von Lisa Richter, die in Zippelsförde eine freiwilliges ökologisches Jahr absolviert.

Quelle: Peter Geisler

Tiergestützte Therapien helfen Patienten mit neurologischen Erkrankungen, Alzheimer, Demenz, Parkinson, Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen. Auch bei Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen sind Therapietiere unterstützend. Wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass der Kontakt mit Tieren Hormone freisetzt, die einen Patienten entspannen.

Zimmermann selbst arbeitet seit längerem mit Therapietieren. Inzwischen hat der Verein sein „erstes größeres Projekt in der Region“ gestartet. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Naomi Becker ist Zimmermann einmal wöchentlich auf dem Radenslebener Sonnenhof im Einsatz. „Eine tolle Kooperation.“

In Begegnung mit dem Tier: Vertrauen erfahren

Für acht Kinder, die nicht mehr in ihren Familien leben können, ist der Sonnenhof ein neues Zuhause geworden. Unterstützt von den Betreuern dort sollen sie bei der Arbeit mit Pferden erfahren, was sie bislang vielleicht nur wenig erlebt haben – Vertrauen in sich und andere.

Die Vereinsmitglieder wollen die Villa das ganze Jahre über nutzen. Auch deshalb haben sie sich Kooperationspartner wie die IHK gesucht. Die Kammer will künftige Tierpflegemeister für den fachpraktischen Ausbildungsteil nach Zippelsförde schicken. Andere Institutionen und Verbände haben ebenfalls ihr Interesse an der neuen Bildungsstätte signalisiert.

Das Vereinsteam möchte zudem ab dem Frühjahr Fortbildungen für Tierhalter aus der Region anbieten. Denn selbst erfahrene Hundehalter lesen mitunter ihr Tier falsch. Wer möchte, kann in Zippelsförde künftig lernen, seinen Hund besser zu verstehen und Missverständnisse zu vermeiden. Auch für Pferdeliebhaber wird es Angebote geben – etwa von dem Huforthopäden, der zum fünfköpfigen Team der Bildungsstätte gehört.

Der Verein will sein Domizil zu einem Archehof für vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen machen

Der Verein will sein Domizil zu einem Archehof für vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen machen. Vor kurzem zogen 13 Moorschnucken auf das Gelände.

Quelle: Peter Geisler

Nach der Geburt ihres kleines Sohnes hatte Zimmermann „fast das ganze Babyjahr“ darauf verwand ein umfangreiches Konzept für die Villa und ihre vier Hektar Wald-, Garten- und Wiesenflächen zu erarbeiten. „Unsere große Vision ist, die Flächen drumherum zu einem Archehof für vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen zu machen“, sagt Zimmermann. Vor kurzem zogen 13 der inzwischen selten gewordenen Moorschnucken nach Zippelsförde. Ab dem kommenden Jahr sollen weitere an das Leben auf sumpfigen Wiesen angepasste Tiere nachkommen – Exmoor-Ponys und Wasserbüffel.

Zimmermann, die ein „großes Faible für Nutztiere“ hat, will die Tiere für verschiedene Zwecke einsetzen. Seminare sollen künftig vermitteln, wie man „mit Nutztieren jenseits von Massentierhaltung umgehen kann“. Zugleich haben die Tiere einen zweiten Arbeitsauftrag: Sie sollen die zugewucherten Flächen rund um den Rhin pflegen. Der Naturpark Stechlin-Ruppiner Land hat sich bereits als Kooperationspartner angeboten. Durch die Pflege der Wiesen, so hofft Zimmermann, „siedeln sich dort wieder Pflanzen an, die verdrängt wurden“.

Von Frauke Herweg

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg