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Biogasanlage bekommt Schutzwall nach Havarie

Wuthenow Biogasanlage bekommt Schutzwall nach Havarie

Nach dem schweren Unfall vom März geben sich die Betreiber die Biogasanlage in Wuthenow zerknirscht. Damals waren zwei Millionen Liter Gärrest aus einem Tank ausgelaufen und hatten den Boden und einen benachbarten Graben verseucht. 14 000 Kubikmeter Wasser mussten abgepumpt werden. Rund um die Anlage sollen jetzt ein Schutzwall entstehen.

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Die Biogasanlage in Wuthenow.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Jeder zweite Satz ist eine Entschuldigung. Christian Heck gibt sich sehr zerknirscht. Heck ist Geschäftsführer der Gesellschaft Biogas-Produktion Wuthenow und scheint selbst noch immer schockiert von dem Unfall, bei dem am 2. März rund zwei Millionen Liter sogenannter Gärreste das Gelände rund um die Biogasanlage verseucht hatten. „Da ist etwas passiert, was nie hätte passieren dürfen“, sagt er. Seit 20 Jahren baue er Biogasanlagen in halb Europa: „So etwas habe ich noch nie erlebt.“

Gärreste hatten das Gelände rund um die Biogasanlage verseucht

Gärreste hatten das Gelände rund um die Biogasanlage verseucht.

Quelle: Reyk Grunow

Heck ist bemüht, die Anwohner im Dorf zu beruhigen: 14 000 Kubikmeter Wasser wurden aus einem benachbarten Graben abgepumpt und auf den umliegenden Feldern verteilt, dazu 100 Kubikmeter kontaminierte Erde: „Jetzt sind alle Folgen beseitigt, es sind keine Folgen geblieben.“ Nur ein paar Schäden an den Straßen müsse seine Firma noch reparieren.

Geschäftsführer Christian Heck schient selbst noch immer schwer getroffen von dem Unfall Anfang März

Geschäftsführer Christian Heck schient selbst noch immer schwer getroffen von dem Unfall Anfang März. Er leitet die Firma seit 2016.

Quelle: Peter Geisler

Am Tag des Unfalls und danach gab sich die Biogas-Gesellschaft zugeknöpft. Das Unternehmen war nicht zu sprechen. Auskünfte zu der Havarie gab es nur von der Unteren Wasserbehörde beim Landkreis. Jetzt, anderthalb Monate später, hatten der Betrieb am Donnerstag zu einem Informationsabend geladen. Christian Heck und seine Kollegen gaben sich betont offen. Gut 30 Menschen waren gekommen, um sich erklären zu lassen, wie die Anlage funktioniert, wie es zu dem Unfall kam und was nun passiert.

Ein Schutzwall ist nicht vorgeschrieben

In den kommenden Monaten soll rings um die Biogasanlage ein 1,2 Meter hoher Wall gebaut werden. Der soll die Gegend rundherum schützen. Sollte es tatsächlich noch einmal zu einer Havarie kommen, bei der Flüssigkeiten aus einem der drei riesigen Tanks ausläuft, soll der Wall sie aufhalten und verhindern, dass die Stoffe sich wie Anfang März ausbreiten können. Zusätzlich ist ein riesiges Auffangbecken auf dem Firmengelände geplant. „Kein Kubikmeter darf mehr das Grundstück verlassen“, sagt Christian Heck. Noch fehlt die Genehmigung der Behörden für den Plan; sobald die vorliegt, soll der Bau beginnen, hieß es am Mittwoch.

Verpflichtet ist die Biogas-Firma nicht, einen solchen Wall anzulegen. Das hatte die Untere Wasserbehörde schon unmittelbar nach der Havarie klargestellt.

Das Gas aus dem Fermenter wird aufgefangen und in einem Motor verbrannt,d er eine Turbine antreibt und so Strom und Wärme erzeugt

Das Gas aus dem Fermenter wird aufgefangen und in einem Motor verbrannt,d er eine Turbine antreibt und so Strom und Wärme erzeugt.

Quelle: Peter Geisler

Den Schaden durch die ausgelaufenen Gärreste einzugrenzen hat Tage gedauert, in denen dutzende Mitarbeiter rund um die Uhr unterwegs waren. Hinzu kommt der Einsatz der Feuerwehr, zweier Wasser- und Bodenverbände und des Technischen Hilfswerks, das Heck schließlich noch zu Hilfe gerufen hatte. Insgesamt hat das 180 000 Euro gekostet. Wie es zu dem Unfall gekommen ist, steht fest: Eine spezielle Dichtung an einem 5000 Kubikmeter großen Tank hat nachgegeben. Warum, das ist bis heute unklar.

Bis 2016 war die Biogasanlage in Wuthenow Teil des Landwirtschaftskonzerns KTG. Der und seine Biogas-Tochterfirma sind inzwischen insolvent. Jetzt gehören die Biogas-Gesellschaft und der benachbarte Agrarbetrieb zur 2016 gegründeten Deutschen Agrar-Holding (DAH) mit einem Sitz in Oranienburg. Die Holding ist Teil der Gustav-Zech-Stiftung aus Bremen, der jetzt ein Großteil der KTG-Aktien gehört. Die DAH hat nicht nur den Betrieb in Wuthenow von der KTG übernommen, sondern 13 weitere Landwirtschafts- und 20 Biogasbetriebe, vor allem in Brandenburg, aber auch in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Aus Silage und Gülle wird elektrischer Strom

In der Biogasanlage in Wuthenow werden Silage aus Mais, Gras und ganzen Getreidepflanzen verarbeitet. Hinzu kommt Mist und Gülle aus Rinderbetrieben umliegender Landwirtschaftsunternehmen.

Bakterien zersetzen die Stoffe in einem sogenannten Fermenter. Dabei entsteht ein Gas, das zu etwa 52 Prozent aus Methan besteht.

Dieses Gas wird aufgefangen und in einem Gasmotor verbrannt, der eine Turbine antreibt. Die erzeugt den Strom.

Die Anlage braucht 15 bis 25 Tonnen pflanzliche Stoffe pro Tag. Etwa 300 Hektar Felder und Wiesen sind nötig, den Jahresbedarf zu decken.

Das Kraftwerk liefert rund vier Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr, genug für mehr als 650 Haushalte.

Die Reste der Biogasproduktion werden als Dünger auf die Felder gebracht. Ihre Zusammensetzung ähnelt laut Geschäftsführer Christian Heck der von Gülle.

Vorstandschef der DAH ist Felix Colsman. Auch er war nach Wuthenow gekommen. „Was hier passiert ist, wäre für einen einzigen Betrieb allein nicht zu händeln gewesen“, sagt er. Nur im Verbund der Landwirtschaftsbetriebe war es möglich, die Folgen des Unfalls in Wuthenow so schnell einzugrenzen und zu beseitigen. Hilfe kam von den DAH-Betrieben in Putlitz, Vehlefanz und Oranienburg.

Etwa 30 Besucher ließen sich am Mittwoch erklären, wie in der Biogasanlage aus Gülle und Silage Strom entsteht

Etwa 30 Besucher ließen sich am Mittwoch erklären, wie in der Biogasanlage aus Gülle und Silage Strom entsteht.

Quelle: Peter Geisler

Rund 2000 Kubikmeter Gärreste sind bei dem Unfall ausgelaufen, viel davon in einen benachbarten Graben, der auch das gesamte Wasser der umliegenden Wiesen sammelt. Die Betreiber der Anlage hatten Angst, dass es heftig zu regnen beginnt – dann wäre der Graben übergelaufen und das belastete Wasser in den Ruppiner See gelangt. „Bei Starkregen wäre das alles nicht mehr zu kontrollieren gewesen“, sagt Christian Heck. Dass die Anwohner den Lärm der Traktoren und Maschinen auch nachts ertragen mussten, tue im leid, sagt er immer wieder: „Aber es hätte alles noch viel schlimmer kommen können.“ Jetzt geht es darum zu verhindern, dass so ein Unfall noch einmal möglich ist.

Von Reyk Grunow

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