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Biopsie bei Stören

Zippelsförde Biopsie bei Stören

Einmal im Jahr kommt Fischereimeister Max Hoersen in die Fischzuchtanlage nach Zippelsförde, um das Geschlecht der Störe festzustellen und zu schauen, wie es mit dem Kaviar aussieht. 200 Störe landen an diesem Tag in der Untersuchungswanne.

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Ein kleiner Ritz und dann kann Max Hoersen (l.) mit der Nadel die Störeier ans Tageslicht befördern – wenn er Glück hat.

Quelle: Cornelia Felsch

Zippelsförde. Für den Fischereimeister Andreas Hoesl gehört das, was heute auf der Tagesordnung steht, mittlerweile zu seinem Job. In der Zippelsförder Fischzuchtanlage, in der er seit Ende der 70er Jahre arbeitet, erfolgt heute die Geschlechtsbestimmung der Störe. Männliche Störe werden zum Angeln und zur weiteren Verarbeitung verwendet, Weibchen sind für die Kaviarproduktion bestimmt.

Das Farmen von Stören verlangt große Sorgfalt und geduldige Ausdauer: Wenn nach etwa zwei Jahren das Geschlecht einwandfrei zu bestimmen ist, werden weibliche und männliche Störe getrennt. „Beim Stör ist es schwierig, das Geschlecht durch äußere Merkmale zu bestimmen“, sagt Andreas Hoesl. „Es gibt zwei Methoden, die verwendet werden; per Ultraschall oder mit Hilfe einer Biopsie kann festgestellt werden, ob im Körper der Fische reife Eier vorhanden sind.“

Hilfestellung bei der Untersuchung zu leisten, ist nicht ganz einfach, denn es kostet viel Kraft,  den glitschigen Fisch festzuhalten

Hilfestellung bei der Untersuchung zu leisten, ist nicht ganz einfach, denn es kostet viel Kraft, den glitschigen Fisch festzuhalten.

Quelle: Cornelia Felsch

Mit einer Hohl-Nadel sticht Max Hoersen zielsicher in den Fischbauch, dreht sie etwas und zieht sie wieder heraus. In der Rille der Nadel befinden sich die dunklen Eier oder nur eine schleimige Masse. Der Fischereiwirtschaftsmeister schaut sich das Ergebnis konzentriert an, dennoch kann er nicht immer genau sagen, ob der Stör männlichen oder weiblichen Geschlechts ist. Dann heißt es „undefiniert“ oder „nicht reif“. Die Fische werden schließlich je nach Geschlecht in das entsprechende Hälterbecken geworfen. „Mit der Biopsie kann man das Reifestadium der Störeier genauer bestimmen und man sieht vor Ort, wann der Kaviar demnächst perfekt ist“, sagt Max Hoersen. Beim Ultraschall sieht man das nicht so genau.“

Die Störeier in der Biopsienadel sind ein gutes Zeichen –  Von diesem Störweibchen kann bald der begehrte Kaviar gewonnen werden

Die Störeier in der Biopsienadel sind ein gutes Zeichen – Von diesem Störweibchen kann bald der begehrte Kaviar gewonnen werden.

Quelle: Cornelia Felsch

Seit Beginn der Störproduktion ist Max Hoersen Ansprechpartner und Berater für Andreas Hoesl, wenn es um die Störzucht geht. Einmal im Jahr kommt der selbstständige Fischereifachmann nach Zippelsförde, um vor Ort die Störe zu sexen – so nennen die Fachleute die Geschlechtsbestimmung – sowie die Weibchen für die Kaviarproduktion auszuwählen. Der 32-Jährige, der in seinem Betrieb in Görtzke drei Mitarbeiter beschäftigt, berät Fischereibetriebe zu allen Fragen. Wenn es um Produktionssteigerung, Zuchtkonzepte, Vermehrung und Aufzucht, Produktionsplanung und Futtermanagement in Fischereibetrieben geht, ist er der richtige Mann.

Erfahrungen in Bayern, aber auch in Belgien gesammelt

Seine Ausbildung zum Fischwirt hat er in einer Teichanlage in Sachsen-Anhalt absolviert. Danach sammelte er Erfahrungen in zahlreichen Fischzuchtanlagen in Brandenburg, Niedersachsen, Bayern, Hessen, Belgien, Rumänien und Italien. Als Betriebsleiter kümmerte er sich um die Aufzucht verschiedener Fischarten, von der Forelle bis zum Stör. Seine Firma „Rent a fishman“ übernimmt aber nicht nur die fachliche Beratung, sondern auch Urlaubsvertretungen, und leistet Betriebshilfe bei Krankheits- oder Unfallvorkommnissen.

Einen Stör nach dem anderen legen Andreas Hoesl und sein Mitarbeiter Nico Sassalla auf die Untersuchungswanne. Nicht immer ist das ganz einfach, denn die Fische, die teilweise fast zwei Meter lang sind, lassen sich die Aktion nur ungern gefallen. Das Festhalten der glitschigen Tiere gelingt nur mit großem Kraftaufwand und entsprechendem Know how. Rund 200 Störe hat Max Hoersen an diesem Nachmittag unter seiner Nadel. Etwa zwei Stunden dauert die Aktion in Zippelsförde. In größeren Störzuchtanlagen bestimmt Max Hoersen an manchen Tagen 2000 Störe.

Der Rhin treibt das sauerstoffreiche Wasser durch die Betonbecken

In Zippelsförde treibt der Rhin das sauerstoffreiche Wasser durch die Betonbecken, in denen sich seit fünf Jahren Sterlets und Beluga-Störe tummeln. 2011 hat die International Caviar Corporation die Fischzuchtanlage übernommen.

Vor über hundert Jahren schwammen Störe in großer Zahl auch in unseren Gewässern herum. Wegen des weltweiten Appetits auf Kaviar, seiner Qualitäten als Speisefisch und veränderter Gewässerstrukturen, die den Stören ihre Wanderwege verbauen, gelten die Fische als vom Aussterben bedroht. Seit einigen Jahren bemühen sich Naturfreunde darum, den Stör wieder heimisch zu machen und setzen Babystöre in der Oder und der Donau aus. „Durch die Störzucht werden auch die Wildbestände geschont“, sagt Andreas Hoesl. Rund 5000 Euro muss man derzeit in Deutschland für ein Kilogramm Beluga-Kaviar hinlegen, ein Trinkgeld im Verhältnis zu den Preisen, die der Kaviar der Albino-Sterlets einbringt, die ebenfalls in den Zippelsförder Becken ihre Runden drehen.

Forellen, Saiblinge, Welse und Karpfen

Der Störnachwuchs kommt aus dem bayrischen Plößberg. Doch das Geschäft mit dem Kaviar ist nur ein Standbein des Betriebes. Forellen, Saiblinge, Welse und Karpfen, bieten dem ambitionierten Angler eine weitere Vielfalt an Fangmöglichkeiten. Zippelsförde ist längst kein Geheimtipp mehr. „Ab Ostern ist es wieder soweit“ sagt der Geschäftsführer. „Dann starten wir wieder mit dem Großfischangeln am extra Teich.“

Von Cornelia Felsch

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