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Bizarre Harmonien in Rheinsberg

Das Mysterium der Töne Bizarre Harmonien in Rheinsberg

Wie ein Kind Musik macht: mit Staubsaugern, Kolbenhubpumpen und Kühlschranktüren entstehen Töne, die man durchaus zu Harmonien – wenngleich ungewöhnlichen – komponieren kann. Dazu ein paar klassische Instrumente für den Dialog. „The Vacuum Pack“ vom Eunoia-Quintett ist ein Experiment: ein Mix aus Klängen, Theater und Performance.

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Klangwerkstatt: „The Vacuum Pack“ ist etwas für Neugierige.

Quelle: Buddeke

Rheinsberg. Ein fahles Licht glimmt in der Dunkelheit. Schemenhaft erkennt man aufeinandergestapelte Bierkisten, darauf ein paar Gläser. Dahinter eine Gestalt auf einer Couch. Sie beugt sich tief über die Gläser, berührt sie fast mit dem Mund. Ganz leise schält sich ein Ton aus der Stille. Erst ein Summen, ein leises Pfeifen, dann ein Geräusch, halb gurrend, halb quakend. Woher kommt das? Singen hier die Gläser oder die Gestalt?

Dahinter öffnet sich die weiß gekalkte Ziegelwand, ein Mensch zwängt sich durch die Luke auf die Bühne, die mittlerweile zeigt, was sie ist: ein Keller, mit sprödem, unaufgeräumtem Charme, über den sich eine graue Plane wölbt, gleichsam einer Grotte. Nach und nach betreten die Ensemblemitglieder den Keller. Die Hinzugekommenen besteigen schweigend vier herumstehende Gastronomiekühlschränke, schließen die Türen und beginnen im Inneren eine Pantomime der Geräusche.

Wenn Finger über Glas quietschen, wie Kinder es zuweilen tun, dann klingt das. Noch mehr, wenn man zum Reiben ein Brett mit Nägeln verwendet. Aus jedem Kühlschrank schallt es anders, rund um die schwebenden Töne der Gestalt auf der Couch. Die Musiker entsteigen ihrem gläsernen Gefängnis und beginnen eine Sinfonie der Türen – es quietscht vierstimmig, später kommen die Instrumente dazu: eine Posaune, ein Cello, Schlagwerk und Klavier. Auch die können Töne absondern, die bizarr und zweckentfremdet klingen, überraschend für das Ohr. Immer wieder fragt man sich: Wo kommen die Töne da her? Ein Kind, das in der Küche allein gelassen wird, kann ein Lied davon singen: Geräusche machen, mit allem, was rumliegt – was für ein Spaß!

Am Sonnabend ist Türöffner-Tag

Insofern ist es auch recht logisch, dass das extra für das Eunoia-Quintett geschriebene Werk der beiden Komponisten Carola Bauckholt und Dmitri Kourliandski am Sonnabend das Kernstück des Türöffner-Tages in Rheinsberg bilden wird. Die Sendung mit der Maus hat zum fünften Mal zu diesem Tag aufgerufen – die Rheinsberger Musikakademie ist mit dabei. „Das mit der Maus haben wir erst ganz zuletzt erfahren“, sagt Cellistin Ellen Fallowfield. Die experimentelle Musik des Quintetts richtet sich nicht explizit an Kinder, sondern an all diejenigen, die sich ihre kindliche Neugier bewahrt haben. So wie das Ensemble selbst.

Man darf nicht glauben, dass die Musiker ihre Instrumente nicht auch im klassischen Sinne beherrschen, immer wieder blitzen traditionelle Harmonie-Sequenzen durch den Geräusche-Teppich mit seinem industriellen Charme. Der im Laufe der Vorstellung noch bereichert wird: von Staubsaugern und Doppelhubpumpen. Unglaublich, was für Töne ein Luftballon im Saugschlauch fabriziert. Je nachdem, wie man ihn dehnt und flattern lässt, kann da schon mehrstimmig gespielt werden, können Echoeffekte erzeugt werden. Und wenn man den aufgepusteten Ballon, der wie die Kugel einer Wahrsagerin von innen leuchtet, rhythmisch an den Sauger schlägt, klingt das wie ein Tischfeuerwerk. Auch die mit Wasser gefüllte Doppelhubpumpe vermag Erstaunliches, das drippelt und dröppelt und platscht wie eine Regensinfonie.

Die Kostüme unterstreichen den Charakter der Musik: Da stehen Plastikschürzen für das Experimentieren im unterirdischen Hobbykeller. Die Sopranistin im Bademantel singt fernab der Bühne. „Wir sind Menschen, die einen Raum mit Leben füllen“, erklärt die Komponistin den Titel „Vacuum Pack“. „Oft sind wir selbst überrascht über die Töne, die entstehen“, so die Cellistin. Obschon alles punktgenau notiert ist, teils in klassischen Noten – für Staubsauger, Glasscherben, Kühlschränke und Pumpen in grafischen Partituren, die ein wenig an elektronische Schaltpläne erinnern. Musik geht eben nicht ohne Physik.

Die Uraufführung des Werkes ist am Samstag, 3. Oktober, um 15 Uhr im Schlosstheater Rheinsberg.

Von Regine Buddeke

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