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Björn Höcke zieht in Neuruppin nur 150 Leute

Montagsdemo auf dem Schulplatz Björn Höcke zieht in Neuruppin nur 150 Leute

Mehr als 300 Menschen haben auf dem Neuruppiner Schulplatz gegen die Kundgebung der Alternative für Deutschland (AfD) protestiert. Der prominenteste Redner, der Sprecher der Thüringer AfD Björn Höcke, sprach auf der anderen Seite des Platzes vor mehr als 150 Menschen. Angemeldet hatte die AfD 500 Leute. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz.

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Musik vereint: Auf dem Schulplatz tanzten Teilnehmer der Montagsdemo.

Quelle: Andreas Vogel

Neuruppin. Als die Polizei die Absperrgitter der AfD-Kundgebung bereits abgebaut hat, tanzen die Teilnehmer der Montagsdemo auf dem Neuruppiner Schulplatz noch immer. Unter dem Motto „Solidarisch, demokratisch, vielfältig leben – den Sozialstaat gegen AfD-Wildwuchs verteidigen“ hatten am Montag mehr als 300 Menschen gegen die Kundgebung auf der anderen Seite des Platzes protestiert. Der prominenteste Redner des Abends, der Sprecher der Thüringer AfD Björn Höcke, sprach dort vor mehr als 150 Menschen.

„Björn Höcke zieht nicht mehr“, sagte CDU-Kreischef Jan Redmann. Wie die anderen Redner der Montagsdemo auch, übte er scharfe Kritik am Kurs der AfD. „Wie widersprüchlich ist es, wenn man dem Islam vorwirft, rückwärtsorientiert zu sein und zugleich im Scheidungsrecht das Schuldprinzip wieder einführen oder Homosexuelle diskriminieren will?“, fragte Redmann. Zugleich stellte er das von der AfD immer wieder postulierte Deutschlandbekenntnis in Frage. „Niemand kann sich ein Patriot nennen, wenn man sich eigentlich ein Scheitern wünscht.“

Nonnenmacher: Die AfD schürt Ängste

Deutliche Worte ebenfalls von der Grünen-Landtagsabgeordneten Ursula Nonnenmacher. „Die AfD schürt Ängste“, sagte sie. Zwar gebe sich die Partei bürgerlich. Doch flirteten Teile der Partei mit rechtsextremen Positionen. Der Stargast der AfD-Kundgebung Björn Höcke sei „das beste Beispiel dafür“, so Nonnenmacher. „Seine Theorien vom afrikanischen Ausbreitungstyp sind von nationalsozialistischen Rassetheorien so weit weg wie Mitternacht von null Uhr.“

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann warf der AfD ebenfalls vor, Ängste vor sozialem Abstieg zu bedienen – zu Lasten der Flüchtlinge. „Was nicht geht ist, dass Arme gegen noch Ärmere ausgespielt werden“, sagte Tackmann. „Es geht nicht um fremd und nichtfremd, es geht um arm und reich.“

Höcke attackiert Fischer, Roth und Özdemir

Höcke schürte in Neuruppin die Ängste vieler Menschen. Die 16 Millionen abgeschlossenen Riesterverträge in Deutschland seien „ein großer Volksbetrug“. Dabei wolle er doch grundsätzlich seinem Staat vertrauen, sagte der umstrittene Politiker. Aber der Staat wisse seit 40 Jahren, dass zu wenig Kinder geboren werden, und habe dennoch nichts zur Absicherung der Rente getan. „Das Vertrauen ist sträflich missbraucht worden“, so Höcke. Er pries die AfD als die neue soziale Partei der Gerechtigkeit – doch wie diese Gerechtigkeit aussehen soll, das verriet Höcke nicht. Stattdessen warf er Grünen-Politikern wie Joschka Fischer, Claudia Roth und Cem Özdemir vor, Selbsthass in ihrem Herzen zu tragen und nicht zu Deutschland zu stehen. „Wir tragen unsere Heimatliebe im Herzen“, sagte Höcke. Er forderte, dass Europa zu einer Festung ausgebaut werden müsse, weil man nur so dem Ansturm der Flüchtlinge Herr werde. Zu den Ursachen für Flucht und Vertreibung sagte Höcke nichts.

AfD-Kreischef sorgt für Irritationen

Für Irritationen hatte zu Beginn der AfD-Kreisvorsitzende Michael Nehls gesorgt. Er habe gehört, dass in Neuruppin eine Moschee gebaut werden soll. Der Versicherungsmakler riet seinen Zuhörern, bei Politik und Verwaltung nachzuhaken. Schließlich sei an Gerüchten „immer was dran“. Doch weder beim Landkreis noch bei der Neuruppiner Stadtverwaltung sind derartige Pläne bekannt. Bei den Behörden müssten derartige Vorhaben angemeldet und genehmigt werden. Nichts dergleichen ist jedoch der Fall. „Das Gerücht ist kompletter Blödsinn“, sagte Kreissprecherin Britta Avantario.

Von Frauke Herweg und Andreas Vogel

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