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Blaubeeren und Prinzessinnenkleider

Meyenburgerin Ursula Hansen schneidert nach historischem Vorbild Blaubeeren und Prinzessinnenkleider

Nur einen Tag als Prinzessin: Ursula Hansen macht diesen Traum möglich. Sie ist Schneiderin, hat sich das Handwerk selbst beigebracht. Inzwischen ist ihr Hobby zum Nebenerwerb geworden. Ihre traumhaften Modelle sind heiß begehrt. Die Meyenburgerin nutzt oft historische Originale und arrangiert sie neu - ganz individuell.

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Schneiderin Ursula Hansen an ihrer Naumann-Maschine. Sie hat sich das Nähen selbst beigebracht.

Quelle: Beate Vogel

Meyenburg. Der Caffè Latte gehört beim Besuch in der Nähstube von Ursula Hansen dazu. Und ein kleines Schwätzchen. Und ein bisschen Modenschau. Seit ein paar Wochen erst ist sie in der Meyenburger Marktstraße zu finden. Im Schaufenster steht eine Puppe, die ein rot-schwarzes Kleid der anderen Art trägt: mit Mieder, weit ausladendem Rock und vielen Rüschen. Ein richtiges Prinzessinnenkleid.

Mit einem solchen Kleid hat sich die Schneiderin vor ein paar Jahren einen Traum erfüllt. "Zu meinem 45.Geburtstag hatte ich zum ,Tanz der Vampire' im Meyenburger Schloss eingeladen. Dazu habe ich mir ein orange-schwarzes Kleid mit ganz vielen Rüschen und Raffungen genäht." Es war das erste Stück, das die 52-jährige Meyenburgerin nach historischem Vorbild gestaltet hat. Seitdem folgten viele weitere: das Hellblaue für die Pritzwalker Heidelbeerkönigin Carolin zum Beispiel, Kostüme für die Prinzenpaare des Meyenburger Carneval Clubs (MCC). "Für viele meiner Kleider gibt es gar keine Schnitte. Manchmal sehe ich einen Stoff ‒ und in meinem Kopf entsteht das fertige Kleid."

Individualität an erster Stelle

Der MCC schickt das künftige Prinzenpaar vor der Wahl immer ins Haus, erzählt die blonde, mädchenhafte Frau. So auch Jacqueline I. und Georg I. "Ich hatte schon einen Entwurf für die 30. Saison ‒ mit dem Meyenburger Wappen." Ansonsten bekam Georg I. ein einfach gehaltenes Kostüm. "Es muss auch zu den Menschen passen", ist Ursula Hansen überzeugt. Man müsse sich auf die Leute einlassen können, jeder sei individuell. Jacqueline habe sich gleich wie eine Prinzessin gefühlt. "Jeder hat eine andere Vorstellung: Die einen wollen schweren Samt, die anderen einen zarten Seidenstoff."

Garnrollen ohne Ende: Für jeden Ton gibt es die passende Farbe.

Quelle: Beate Vogel

Die Nähmaschine hat Ursula Hansen schon vor 30 Jahren für sich entdeckt. Das Schneidern hat sie sich selbst beigebracht. "Ich habe auch mal einen Kurs mitgemacht, aber der hat mir nicht so viel gebracht ‒ auch wenn es lustig war." Stattdessen habe sie viel nachgefragt bei Leuten, die das Handwerk von der Pike auf gelernt haben. Sie selbst lernte einst Zootechnikerin, sattelte aber nach der Wende um. 17 Jahre lang arbeitete die Meyenburgerin in Berlin: als Parkettverlegerin. Das war toll, erinnert sie sich, auch wenn es körperlich sehr anstrengend war. "Wir haben den Fußboden unter anderem in der Präsidentensuite im Hyatt verlegt." Wegen einer schweren Krankheit musste Ursula Hansen vor sieben Jahren aufhören.

Historische Originale neu verarbeitet

Nun machte sie sich im Nebenerwerb selbstständig ‒ mit etwas völlig anderem. Mit ihrer Naumann-Nähmaschine wird viel geändert und repariert, auch viele alte Sachen. Lieblingsstücke. In runden Keksdosen stecken unzählige Garnrollen, in einem kleinen Regal fein säuberlich aufgerollt Spitzen und Borten. Oft arbeitet Ursula Hansen fertige Modelle völlig um, zum Beispiel Brautkleider, die beim Kauf mitunter ein echter Fehlgriff waren. "Dann kommt die Braut und zeigt mir das Kleid ‒ es sitzt nicht richtig, passt überhaupt nicht zu ihr." Am Ende finde sich immer eine Lösung. Dann darf sich die Kundin wie eine Prinzessin fühlen: "Wie es sich für eine Braut gehört." Ursula Hansen versucht immer, ein wenig historisches Originalmaterial in die Kleider einzuarbeiten. Solche alten Kostbarkeiten findet die Meyenburgerin auf Trödelmärkten oder auch bei Haushaltsauflösungen: Leinentücher, Tischdecken, Knöpfe, manchmal ganze Stoffballen. Alles hebt sie auf, um es irgendwann für ein Kleid oder ein anderes Teil zu verwenden.

Die Heidelbeerkönigin Carolin trug 2012 ein Kleid aus Meyenburg.

Quelle: Claudia Bihler

Was die 52-Jährige am Schneidern besonders liebt, ist die Herausforderung. Eine der größten in den vergangenen Jahren dürfte die dicke blaue Heidelbeere für das Heidelbeerfest in Pritzwalk gewesen sein. "Ich hatte mir eine Nacht Bedenkzeit erbeten." Am Morgen sei sie aufgestanden, da habe sie die Statik für die runde Beere, mit der ja ein Mensch umherlaufen soll, fertig im Kopf gehabt. Das kugelrunde Gerüst ließ die Meyenburgerin in Nordrhein-Westfalen schweißen. "Irgendwann stand es in unserem Flur, keiner kam mehr vorbei." Nun musste es mit blauem Stoff bespannt werden. Ihre Tochter saß in der Kugel und schob die Nähnadel immer wieder von innen durch die Stoffbespannung nach außen. 2012 trat "Bernd, die Beere" erstmals als offizielles Maskottchen der Heidelbeerplantage auf.

Die echte Leidenschaft von Ursula Hansen sind und bleiben aber Prinzessinnenkleider. Ihr nächstes Projekt ist ein Kleid, wie es Kaiserin Sissi getragen haben mag. "Ein Puppenkleid", schwärmt Ursula Hansen. Sie liebt Österreich: "Das ist wie nach Hause kommen für mich."

Von Beate Vogel

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