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„Blaues Kreuz“ lädt zum Tag der offenen Tür

Alt Ruppin „Blaues Kreuz“ lädt zum Tag der offenen Tür

Beim christlichen Suchthilfeverband wird gegenseitige Unterstützung großgeschrieben, auch fernab der einmal wöchentlich stattfindenden Gruppentreffen. Am Samstag, 10. September, lädt der Verein zu seinem alljährlichen Tag der offenen Tür ein. Viele Besucher würden wegen einer ganz besonderen Köstlichkeit kommen, sagt Gruppenleiter Alfed Neumann.

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Regina und Alfred Neumann.

Quelle: Josephine Mühln

Alt Ruppin. Vor nunmehr 139 Jahren wurde der erste Verein des Suchthilfeverbands „Blaues Kreuz“ gegründet. Der Pfarrer Louis-Lucien Rochat hat sich 1877 im schweizerischen Genf mit 27 Leuten zusammengefunden – sie alle verpflichteten sich durch ihre Unterschrift, fortan auf Alkohol zu verzichten. In den Folgejahren sind auch in Deutschland erste Blaukreuz-Vereine entstanden. Die Neuruppiner Begegnungsgruppe der Suchthilfe besteht seit 45 Jahren. Für morgen lädt sie zu ihrem alljährlichen Tag der offenen Tür ein.

Das „Blaue Kreuz“ ist ein christlicher Verband, bei dem auch Betroffenen anderer Süchte – beispielsweise Spielsucht – Hilfe suchen können. Den Großteil der Gruppenmitglieder würden aber nach wie vor trockene Alkoholiker ausmachen, erzählt Alfred – besser bekannt als Ali – Neumann. Der Alt Ruppiner leitet die Gruppe seit 2008, war vorher bereits als Stellvertreter aktiv. „Er war immer der Mann in der zweiten Reihe“, sagt seine Ehefrau Regina. Dem christlichen Glauben müsse man nicht zwingend angehören, um beim „Blauen Kreuz“ Hilfe zu bekommen. „Ich selbst war der schlimmste Atheist, als ich da hinkam“, sagt Ali Neumann und lacht.

Treffen finden immer montags statt

Der einstige Schornsteinfeger ist selbst wegen eines Alkoholpro­blems zum Suchthilfeverband gekommen. Das war 1976. „Seitdem bin ich frei“, sagt Ali Neumann. „Frei“, das ist beim „Blauen Kreuz“ gleichbedeutend mit „trocken“. Seine Frau sei ihm zuliebe von Anfang an mit zu den Treffen gegangen, sagt sie. Und trinkt selbst auch keinen Alkohol mehr. „Davon kommt mir kein Tropfen mehr ins Haus“, sagt die 68-Jährige, durch deren fürsorgliche Art sich jeder Besucher sofort heimisch fühlt.

Die Neuruppiner Begegnungsgruppe des „Blauen Kreuzes“ trifft sich jeden Montag in ihrem Quartier in der Regattastraße. Zwischen 20 und 25 Leute seien meist anwesend, schätzt Gruppenleiter Neumann. Die Treffen seien klassische Gesprächsrunden. Am Anfang werde Gottes Wort verlesen – eine Losung, über die anschließend gesprochen werde. Sich zu äußern, stehe aber jedem frei. „Bei uns darf jeder alles mitmachen, muss er aber nicht“, sagt Alfred Neumann. „Wir sind aber dankbar, wenn sich neue Teilnehmer wenigstens kurz vorstellen.“

Gegenseitige Unterstützung wird großgeschrieben

Beim „Blauen Kreuz“ gibt es außerdem die sogenannte Notfallliste. Dort sind alle Mitglieder aufgeführt und jeder kann sich eine Vertrauensperson aussuchen. „Die kann er zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen, zum Beispiel, wenn er kurz vor einem Rückfall steht“, sagt Ali Neumann. Gegenseitige Unterstützung sei ohnehin sehr wichtig beim „Blauen Kreuz“, auch außerhalb der regelmäßigen Treffen. „Wir helfen uns zum Beispiel bei Umzügen“, sagt Neumann. Es sei ein schwerer Schritt, zur Suchthilfe zu gehen. „Deshalb soll jeder so begrüßt werden, als ob er schon ewig dabei wäre“, ergänzt der 74-Jährige.

Regelmäßig würden sich die Neuruppiner mit anderen „Blaues Kreuz“-Gruppen austauschen und beispielsweise immer im Frühjahr Unternehmungen mit den Wittenbergern und Pritzwalkern organisieren. „Diese Begegnungen und der Austausch sind immer superschön“, sagt Regina Neumann. „Wir freuen uns immer sehr, wenn wir uns wiedersehen.“ Himmelfahrt gehe es jedes Jahr nach Königsberg bei Herzsprung, um auf dem Pfarrhof zu grillen. Zudem sei es schon seit 40 Jahren Tradition, am ersten Advent nach Heiligengrabe ins Hotel Klosterhof zu fahren. Auch in einigen Krankenhäusern sei die Gruppe regelmäßig zu Gast, um sich bei Patienten auf der Entgiftungsstation vorzustellen. „Man merkt richtig, dass es den Betroffenen gut tut, mit uns zu sprechen. Viele sind dann auch gerade in einer Art Findungsphase und fragen sich ’Bin ich Alkoholiker?’ – durch uns fühlen sie sich verstanden“, sagt Ali Neumann.

Reginas Erbsensuppe ist der heimliche Star

Den Tag der offenen Tür veranstaltet die Begegnungsgruppe seit über zehn Jahren regelmäßig. Zwischen 80 und 100 Besucher würden jedes Jahr vorbeikommen, schätzt Regina Neumann. Auch Mitglieder von anderen „Blaues Kreuz“-Gruppen, beispielsweise aus Mecklenburg-Vorpommern, seien dabei. „Die meisten kommen aber nur wegen der Erbsensuppe von meiner Frau“, sagt der elffache Großvater Ali Neumann und lacht. Auch am Tag der offenen Tür in diesem Jahr werde sie wieder zwei große Thermobehälter kochen.

Hinweis: Der Tag der offenen Tür beim „Blauen Kreuz“ findet am morgigen Sonnabend, 10. September, in der Regattastraße 1 in Neuruppin statt. Los geht’s um 9 Uhr. Über Kuchenspenden für die Kaffeetafel am Nachmittag würden sich die Mitglieder freuen.

Von Josephine Mühln

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