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Blinde Akkordeonspielerin belebt Ritter-Lied

Lied über Ritter Kahlbutz auf Youtube zu sehen Blinde Akkordeonspielerin belebt Ritter-Lied

In Brandenburg kennt fast jeder die Geschichte von Ritter Kahlbutz. Die Mumien-Sage war Vorlage für die Kinderserie „Spuk aus der Gruft“, einen Horrorfilm und ein Kinderbuch. Jetzt erlebt das Lied von Ritter Kahlbutz eine Wiederauferstehung auf Youtube. Eine blinde Akkordeonspielerin interpretiert das Moritat über das gruselige Verbrechen.

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Die blinde Akkordeonspielerin Inge Hering aus Wusterhausen.

Quelle: Screenshot/Youtube

Kampehl. Schaurige, gruselige Verbrechen sind bestens geeignet – als Inhalt für eine Moritat. Das ist eine Sonderform des schon aus dem Mittelalter stammenden Bänkelgesangs. Auf diese Weise wurden einst grausame Geschehnisse nachrichtenartig verbreitet. Auch die Sage um den mumifizierten Ritter Kahlbutz aus Kampehl bei Neustadt, der als Mörder so richtig erst überführt ist, seitdem sein Leichnam nie verweste, führte zu einer Moritat. Und weil nun aber das Jahr 2016 geschrieben wird, verbreitet sich diese Geschichte nicht mehr nur einfach so von Mund zu Mund.

Kahlbutz ist seit Kurzem auf der Internetplattform „Youtube“ präsent. Der Wusterhausener Ronny Leßmann hat Akkordeonspielerin Inge Hering singend vor der Kahlbutz-Gruft an der Kampehler Wehrkirche gefilmt und den Streifen veröffentlicht. „Der Bodendenkmalpfleger Manfred Teske aus Wusterhausen hatte noch eine alte Schallplatte mit dem Lied aus den 1930er Jahren, die ist im Anschluss zu hören“, erklärt Leßmann. Neustädter Frauen hatten ihn vor einer Weile um Hilfe für dieses Projekt gebeten. „Eine Idee von Christine Heidinger, inspiriert von Elisabeth Hegermann“, steht es folglich am Anfang des Musikvideos geschrieben. Auch Dorit Geu vom Pfarramt, die für die Gruft Ansprechpartnerin bei der Kirchengemeinde ist (www.kalebuz.de), ist involviert. Denn bei so mancher Gelegenheit könnte Inge Hering mit das Lied in Kampehl fortan nun darbieten.

Die Wehrkirche von Kampehl im Nebel

Die Wehrkirche von Kampehl im Nebel.

Quelle: Matthias Anke

„Endlich gibt es mal ein Lied zu unserer Mumie zu sehen. Vor vielen Jahren sang es Margitt Fechner aus Kampehl in der Gruft bei Führungen“, erklärt Christine Heidinger über ihre Idee, das Lied wiederaufleben zu lassen. Margitt Fechner ist mittlerweile Rentnerin und lebt in Neustadt. Ihre Mutter, Elisabeth Hegermann, soll es aber sogar schon vor fast 90 Jahren in Kampehl gesungen haben. „Woher der Text stammt, weiß keiner mehr so genau“, sagt Christine Heidinger: „Manfred Teske hat jedenfalls die Grammophonaufnahme von 1930 dazu ausgebuddelt.“ Diese Aufnahme war es, die zuletzt 1985 beim Rundfunk Potsdam zu hören war und nun ins Musikvideo integriert wurde.

Im Hintergrund auf einem Foto dabei unverkennbar: der vertrocknete Überrest vom Kampehler Gutsherrn Christian Friedrich von Kahlbutz. Geboren 1651, verurteilt als Mörder des Verlobten seiner Dienstmagd und gestorben 1702, wachte er 2015 wieder auf – als Zeitreisender im Kinderbuch „Ritter Kahlbutz. Besuch aus der Vergangenheit“. Vor wenigen Jahren erst entstand auch ein moderner Horrorfilm rund um die Kahlbutz-Sage. Vor Gericht bestritt Kahlbutz bekanntlich alles mit dem berühmten Satz: „Und wenn ich doch der Mörder bin gewesen, dann wolle Gott, mein Leichnam solle nie verwesen.“ Mitte der 1990er Jahre gab das zudem den Anlass für die vierte und nach der Wende erste neue Staffel der einstigen DDR-Kinderfernsehserien „Spuk“. Nach „Spuk unterm Riesenrad“, „Spuk im Hochhaus“ und „Spuk von draußen“ der Defa erschien nun „Spuk aus der Gruft.“

Das Kahlbutz-Lied bei Youtube

Jetzt gibt es also auch noch das Kahlbutz-Lied bei Youtube – aber nicht nur. Es ist zugleich Teil ihrer ersten CD, die Inge Hering voriges Jahr zusammen mit ihrer Freundin Christine Heidinger und Helmut Neitzel aufnahm und die sie seither im Bekanntenkreis verschenkt. Titel: „Vom Märkerland zum Meeresstrand. Eine musikalische Reise.“ Weil die Akkordeonspielerin blind ist, hatte es ihr Margitt Fechner aufs Diktafon gesungen, damit sie es auswendig lernen konnte.

Wer es von Inge Hering live hören möchte, kommt einfach am Donnerstagnachmittag, 26. Mai, nach Kampehl. Dort empfängt sie mit ihrem Akkordeon das Radlerfeld der diesjährigen „Tour de Prignitz“. Diese wird zum nunmehr 19. Mal von der Märkischen Allgemeinen Zeitung und Antenne Brandenburg organisiert. Es werden die Bad Wilsnacker sein, die an dem Tag auf ihrer Etappenfahrt nach Wusterhausen bei Ritter Kahlbutz einen Kulturstopp einlegen.

Von Matthias Anke

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