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Blindenhund Mika in letzter Not gerettet

Neuruppin Blindenhund Mika in letzter Not gerettet

Hund Mika erleichtert der Neuruppinerin Sabine Lange den Alltag. Denn die 53-Jährige, die in den Ruppiner Kliniken arbeitet, ist fast völlig blind. Mika erkennt Bürgersteige und Treppen und umkurvt auch Pfützen. Jetzt brauchte ihr Hund dringend ärztliche Hilfe. Doch diese zu bekommen, war deutlich schwerer als gedacht und zudem teuer.

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Blindenführhund Mika geht es inzwischen wieder deutlich besser.

Quelle: Andreas Vogel

Neuruppin. Mehr als zwei Jahre hat Sabine Lange auf einen Blindenführhund gewartet, der ihr beim Bewältigen des Alltags hilft – beim Erkennen von Bordsteinkanten, beim Gang über die Straße, zu Behörden, beim Einkauf. Denn die Neuruppinerin ist nach mehreren Vorerkrankungen seit sieben Jahren fast völlig blind. Ihre Netzhaut hat sich 2010 abgelöst. Zwar ist sie in Behandlung, aber richtig sehen kann die 53-Jährige nicht. Mit Mika, ihrem Blindenführhund, ist Lange, die als medizinische Fachkraft in den Ruppiner Kliniken arbeitet und seit 20 Jahren die von Ärzten diktierten Entlassungsberichte in der Psychiatrie schreibt, sicherer und schneller unterwegs, als wenn sie mit dem „Blindenstock“ die Welt vor sich abtasten muss, bevor sie die nächsten Schritte macht.

Hohe Kosten für staatlich geprüften Blindenführhund

Mika sucht einen Weg zwischen parkenden Autos und Pfützen und drückt mit seinen Pfoten sogar den Knopf an den Ampeln, damit diese auf Grün schalten. Selbst Treppen zeigt ihr der Golden Retriever, der in Belgien geboren wurde und in Polen aufgewachsen ist, zuverlässig an. Das hat seinen Preis: Die Kosten für einen staatlich geprüften Blindenführhund liegen bei gut 26 000 Euro.

„Der Hund hat mich ausgesucht“, sagt Lange. Denn das Tier hätte bei der ersten Begegnung im Mai 2017 auch zu ihrer Tochter Chiara-Christin (22) gehen können, die sie begleitete. Doch Mika wandte sich sofort an sie – entsprechend groß ist die Bindung zwischen der Neuruppinerin und ihrem Vierbeiner. Zumal Mika auch selbst schon mehrfach zum Arzt musste. Mal wegen seinen Zähnen, mal wegen seiner Hüfte. Im Dezember blutete er plötzlich aus dem Ohr. Hilfe fand Lange bei der Tierklinik in Schönfließ im Mühlenbecker Land (Oberhavel). Jedoch ist der Weg für die Neuruppinerin dorthin nicht einfach; zum einen, weil sie blind ist und kein Auto hat, zum anderen, weil nicht jedes Taxi Hunde befördert. Doch alles klappte – auch als Lange drei Wochen später erneut nach Schönfließ musste, diesmal, weil Mika einen sogenannten Atemwegsinfekt hatte.

Kein Anschluss unter der Notfall-Nummer

Aber zwei Tage später war die Not der Neuruppinerin groß. Erst hatte ihr Hund die ganze Nacht Durchfall, dann erbrach sich das Tier am Morgen auch noch. Lange bat telefonisch in Schönfließ um Medikamente. Das lehnte die Klinik ab, die Ärzte wollten das Tier zuvor sehen. Die Situation verschlimmerte sich, als Mika auch die von der Klinik empfohlene Diät ausbrach. Die Ärzte empfahlen, Mika möglichst schnell bei ihnen vorzustellen. Doch das sonst genutzte Taxiunternehmen hatte Urlaub; ein anderes empfahl, einen Notfalltierarzt zu konsultieren. Das versuchte Lange. Vergeblich. Unter der Notfall-Nummer einer Neuruppiner Tierarztpraxis meldete sich niemand, auch der Hilferuf auf dem Anrufbeantworter blieb unbeantwortet. Also wandte sich Lange an die „Hausbesuchstierärztin“. Diese lehnte einen Besuch ab – weil dann ihre Praxis nicht besetzt sei. Lange telefonierte so lange, bis sich ein Fahrer von „Tiertaxe hilft“ erbarmte, von Berlin nach Neuruppin fuhr und Mika nach Schönfließ brachte. Dort kümmerten sich zwei Ärzte und eine Schwester um das total geschwächte Tier, das inzwischen auch noch aus dem After blutete.

Die Mediziner konnten Mika retten, der Hündin geht es wieder deutlich besser. Darüber ist Sabine Lange unendlich froh. Zugleich ist sie verärgert. „Weil die Haustierärztin nicht an ihr Handy gegangen ist, sitzen wir jetzt auf Fahrkosten von 359 Euro.“ Der mit der Tochter geplante Winterurlaub wird deshalb ausfallen.

Von Andreas Vogel

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