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Blues kennt keine Sprachbarrieren

Wuthenow: Groove ohne Grenzen Blues kennt keine Sprachbarrieren

Dirk Becker singt nur von der Flucht übers Mittelmeer – Jacob aus dem Tschad (Afrika) hat wirklich auf dem Boot gesessen. Durch einen Zufall fanden die sich die Musiker. Nun proben sie gemeinsam für ein Benefizkonzert für Flüchtlinge. Und der Blues kennt keine Sprachbarrieren.

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Jacob Kadiri Yakubu am Klavier.

Quelle: Christian Schmettow

Wuthenow. Die syrische Mutter wird in Homs von einem Heckenschützen getroffen. Im Sterben bittet sie den Vater, ihren Sohn zu nehmen und zu fliehen. Doch das Flüchtlingsboot gerät in einen Sturm, das Kind geht über Bord. Auf einer Fahrt nach Rheinsberg fielen Dirk Becker aus Wuthenow die Zeilen für ein Lied ein. Das Zeitungsbild des toten Flüchtlingsjungen am Strand war gerade erschienen. Seit einem Jahr machen die beiden MAZ-Sportreporter Dirk Becker und Jan Philipp Stoffers zusammen Musik. Seit einer guten Woche haben sie Gesellschaft: Jacob Kadiri Yakubu ist aus dem Tschad geflohen und wohnt nun im Treskower Wohnheim. Er spielt Klavier, er singt, und er hat dabei den Reggae im Blut.

Der 35-Jährige war Prediger einer christlichen Pfingstgemeinde. Immer hätten Christen und Muslime friedlich beieinandergelebt im Tschad, sagt er. Dann plötzlich sei der Pastor erschossen, die Kirche überfallen worden. Der Tschad grenzt an Nigeria. Dort verbreiten die Islamisten von Boko Haram Angst und Schrecken. Jacob ließ seine 15 Jahre alte Tochter und seinen acht Jahre alten Sohn bei seiner Mutter zurück und floh. In Libyen wurde er ins Gefängnis gesteckt, gelangte mit einem Boot übers Mittelmeer nach Europa.

Dirk Becker (l) singt zur Gitarre, Jan Philipp Stoffers spielt den Bass

Dirk Becker (l.) singt zur Gitarre, Jan Philipp Stoffers spielt den Bass.

Quelle: Christian Schmettow

„Ich war auf dem Boot“, singt Dirk Becker auf Englisch. „Ich hatte schon ein mulmiges Gefühl, Jacob das vorzusingen“, sagt der 57-Jäh­rige, der selbst das Glück hatte, noch nie flüchten zu müssen. Doch Jacob gefällt das Lied. „Wenige Worte, aber starke Worte“, sagt er auf Englisch. Dass er selbst mit einem Boot fliehen musste und nicht sein Gastgeber – das sei eben nur ein Zufall des Lebens, findet der Afrikaner. Ein Zufall ist es auch, dass die Musiker sich trafen und sofort einen Draht zueinander fanden. Wenn man sie in Wuthenow proben hört, glaubt man kaum, dass sie erst das zweite Mal zusammen spielen. Es groovt. Dirk Becker hat mit 15 Jahren den Jazzclub in Iserlohn entdeckt und dann „praktisch dort gewohnt.“ Später spielte er mit einem halben Dutzend Jamaikanern – Soldaten der britischen Rheinarmee – in einer Reggae-Band. Heute sucht er den Blues in jeder Art von Musik. Für Jacob bedeutet Musik alles, seit er 20 ist: „Ich rauche nicht, ich trinke nicht – Musik gibt mir Freude“, sagt er.

Öffentlich zu hören ist das Trio am Sonnabend, 7. November, bei einem Benefizabend ab 17 Uhr in Beckers Scheune in Wuthenow – nach Kammermusik und einer Weinprobe. Der Erlös des Abends soll dem Flüchtlingsprojekt der Rolli-Reitschule in Radensleben zugutekommen. Denen also, die weniger Glück hatten mit dem Ort ihrer Geburt als der Sauerländer Dirk Becker und der Ostfriese Jan Philipp Stoffers.

Von Christian Schmettow

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