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Bodenreform: Start vor 70 Jahren in Kyritz

Erinnerung an die Landumverteilung Bodenreform: Start vor 70 Jahren in Kyritz

Wenn sich der Tag demnächst zum 70. Mal jährt, an dem in Kyritz die Bodenreform für das Gebiet der gesamten späteren DDR ausgerufen wurde, dann werden drei verschiedene Akteuregemeinschaften an vier Orten jeweils auf ihre Weise an diese Geschichte erinnern. Ein Programmpunkt ist besonders bemerkenswert.

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Plakat von 1945.

Quelle: Privat

Kyritz. Zwei Tage, drei Akteuregemeinschaften, zwei Ausstellungen, vier Podiumsdiskussionen, vier verschiedene Veranstaltungsorte: Wenn sich der Tag in Kürze zum 70. Mal jährt, an dem einst Wilhelm Pieck in Kyritz die Bodenreform für das Gebiet der späteren DDR ausrief, wird mit so einigen Aktionen daran erinnert.

Bereits am Sonnabend, 29. August, wird im Landhotel Heine an der Pritzwalker Straße die namhafte Geigerin Anna-Barbara Kastelewicz zusammen mit einer Duo-Partnerin Geigenstücke spielen und deren Geschichte erläutern. Denn es handelt sich um Musik, die in den Speziallagern der Sowjetischen Besatzungszone entstanden beziehungsweise dort arrangiert wurden. „Es kam also genau wie in den Konzentrationslagern der Nazis oder im sowjetischen Gulag zu Kompositionen und einer besonderen musikalischen Schöpfung“, teilt die Arbeitsgemeinschaft Recht und Eigentum (Are) mit, die an diesem Tag an die Opfer der Bodenreform erinnert.

Die Are, die ihren Sitz samt Dokumentationszentrum in Plänitz bei Neustadt hat, einem der ersten Dörfer, in denen die Reform praktiziert wurde, sieht sich als Interessenvertreterin aller Opfer nicht nur der Bodenreform, sondern auch der später folgenden Zwangskollektivierung. Am Sonnabend beginnt deren Gedenkveranstaltung mit einer Kranzniederlegung und Schweigeminute um 14 Uhr an dem Bodenreformdenkmal aus DDR-Zeiten in der Perleberger Straße. Geplant sind dort eine christliche Andacht und Gedenkworte etwa der „Union der Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft“ (UOKG). Ab 15 Uhr geht es im Hotel Heine mit der Musik weiter und einem Vortrag samt Diskussion. „Stalin und die Bodenreform“ lautet der Titel dieser Rede, die dort Manfred Wilke hält, der langjährige Vorsitzende des Forschungsverbund SED-Diktatur an der Freien Universität Berlin.

Am Jahrestag selbst, dem Mittwoch, 2. September, beginnt in der Aula des Jahn-Gymnasiums unweit vom Denkmal um 15 Uhr die Linken-nahe Rosa-Luxemburg-Stiftung mit ihrem Programm. Eingeladen wird dazu im Namen der Linken-Fraktionen des Europaparlaments sowie des Bundes- und Landtages. Einlass ist bereits ab 14.30 Uhr. Eine Ausstellung von Reporter Lothar Weigelt „Auf freier Scholle – Die Bodenreform als notwendiger und richtiger Weg“ wird zu sehen sein.

Für 15 Uhr ist die erste Podiumsdiskussion angesetzt: „Die Bodenreform 1945 – Lehren aus den historischen Ereignissen und ihren Folgen.“ Als Impulsgeber sind Agrarökonom Wolfgang Jahn und der Historiker Siegfried Kuntsche angekündigt. Um 16.30 Uhr schließt sich eine zweite Podiumsdiskussion an mit dem Titel „Bodenpolitik heute – Probleme und Lösungen“. Dabei werden als Redner erwartet: Dietrich Carls als langjähriger Geschäftsführer und heutiger Aufsichtsratsvorsitzender der Agrargenossenschaft Karstädt, Helmut Scholz als Mitglied des Europäischen Parlaments, Anke Schwarzenberg als agrarpolitische Sprecherin der Linken im Brandenburger Landtag sowie Kirsten Tackmann als agrarpolitische Sprecherin linken Bundestagsfraktion.

Um 18 Uhr beginnt die Gedenkveranstaltung der Stadt Kyritz am Bodenreformdenkmal gemeinsam mit der Kirche. Unter anderem hält die Generalsuperintendantin Heilgard Asmus einen Gottesdienst unter freiem Himmel ab. Es folgt ein Beitrag des Historikers Rainer Potratz über „Die sowjetischen Vorgaben und Motive für die Bodenreform und ihr Einwirken auf die KPD/SED.“

Anschließend geht es ins benachbarte Kulturhaus. Dort wird „Rinn inne Kartoffeln, raus ausse Kartoffeln“ gezeigt, eine Fernsehreportage aus dem Jahr 1995. Der Historiker Andreas Noetzel wird eine wissenschaftliche Studie zum Thema vorstellen, die er im Auftrag der Stadt Kyritz in diesem Jahr erarbeitete. Nach einer dann vierten Podiumsdiskussion wird im Foyer des Kulturhauses eine Ausstellung des Kyritzer Heimatvereins zum Thema Bodenreform in Kyritz eröffnet. An ihr wirkten Schüler des Jahn-Gymnasiums mit.

Von Matthias Anke

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