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Bombensuche per Joystick in der Heide

Einmalige Technik im Einsatz Bombensuche per Joystick in der Heide

Mit einer ferngesteuerten Planierraupe werden in der Kyritz-Ruppiner Heide gerade Sicherheitsstreifen geschaffen. Grund: In dem Gebiet bei Gadow werden nicht nur herkömmliche Bomben und Granaten, sondern auch tennisballgroße Kugelbomben vermutet. Diese sind geächtet. Weil die Bomben so gefährlich sind, wird die Raupe von der Ferne aus per Joystick gesteuert.

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Mit einer Platte aus gehärtetem Stahl ist der Kühler der eigens umgebauten und ferngesteuerten Raupe geschützt.

Quelle: Andreas Vogel

Gadow. Von außen sieht die Planierraupe eigentlich ganz normal aus – wenn da nicht vier Kameras auf dem Dach des Führerhauses wären. Mit Hilfe von insgesamt fünf Kameras, eine befindet sich im Innenraum, steuern Tobias Schulz und Maik Bothe das 28 Tonnen schwere Arbeitsgerät. Allerdings befinden sich die Maschinenführer dabei nicht im Führerhaus der Raupe, sondern in einem Auto, das einen Abstand von 1000 Metern zu der Raupe hält. Schulz und Bothe manövrieren ihr Arbeitsgerät mit Blick auf vier Bildschirme per Joystick – ähnlich wie bei einem Computerspiel. Nur, dass die Raupe real ist und in der Kyritz-Ruppiner Heide in einem Gebiet bei Gadow mehrere mindestens drei Meter breite Sicherheitsstreifen anlegt. Grund: Fachleute der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) vermuten dort neben herkömmlichen Bomben und Granaten ebenfalls sogenannte Streuwaffen wie Kugelbomben. Diese sind höchst gefährlich und international geächtet. In ihnen befinden sich gut 100 Stahlkugeln sowie 100 Gramm Sprengstoff. Dieser sorgt dafür, dass die Stahlkugeln mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1200 Metern je Sekunde alles durchschlagen, was in ihrer Nähe ist.

Zu Übungszwecken den Nato-Flughafen Bitburg simuliert

In Deutschland dürfte es Kugelbomben eigentlich gar nicht geben. Dennoch wurden in der Kyritz-Ruppiner Heide bereits 18 dieser kleinen Bomben gefunden. „Die sowjetische Armee hatte hier in den 1980er Jahren aus Übungszwecken den Nato-Flughafen in Bitburg simuliert und ausprobiert, wie Kugelbomben gegen Flugzeuge wirken“, sagt Rainer Entrup von der Bima. Dafür waren ausrangierte Flugzeuge in eigens errichteten Hangars und Shelter (Flugzeuggaragen) abgestellt worden. So viel weiß man bei der Bima, der die Heide gehört. Unklar ist aber, wie viele Kugelbomben seinerzeit abgeworfen wurden und nicht explodiert sind. „Bei solchen Abwurfbomben liegt die Blindgängerquote bei zehn bis 15 Prozent“, sagt Daniel Seidel, Sprengstoffexperte der Bima. In der Heide dürften also noch allerhand scharfe Blindgänger liegen. Denn in der Mutterbombe vom Typ RBK 500 befanden sich laut Seidel 900 Kugelbomben.

Kugelbomben werden gleich vor Ort gesprengt

Das Problem: Diese Art von Waffen bestehen aus Aluminium und Edelstahl. „Die findet man nicht mit einer Sonde“, sagt Bima-Mann Entrup. Hinzu kommt, dass seit dem Abwurf der Kugelbomben und dem Abzug der Soldaten die Vegetation gewachsen ist. Birken, Kiefern und Heidekraut erschweren die Suche. Zwar gehen die Experten davon aus, dass sich die nicht explodierten Kugelbomben direkt auf der Oberfläche befinden. Aber sie sind selbst mit Drohnen aus der Luft kaum zu sehen. Hinzu kommt, dass der jeweilige Standort mit einem Fähnchen gekennzeichnet werden müsste. Denn Kugelbomben werden gleich vor Ort gesprengt. Ein Bewegen und Anfassen ist viel zu gefährlich.

Raupe wird aus 1000 Metern Entfernung mit Joystick gesteuert

Mit der ferngesteuerten Raupe werden deshalb jetzt dreigliedrige Sicherheitsstreifen rund um die Verdachtsfläche geschoben. Danach soll das Areal nach und nach abgebrannt werden, möglichst 300 Hektar pro Jahr. Die Voraussetzungen dafür schafft die Firma von Torsten Stascheit aus Gardelegen mit den Sicherheitsstreifen, die das Gebiet auch teilen. „Das ist eine einzigartige Aufgabe“, sagt Stascheit (49). Zwar arbeitet seine Firma schon seit Jahren bei der Munitionsbergung. Doch noch nie musste dazu eine Planierraupe ferngesteuert werden. „So etwas gibt es nur noch in Kanada und in Österreich“, sagt Stascheit, der gelernter Maschinenbauingenieur ist. Der Altmärker kam eher zufällig in die Branche. Er arbeitete nach der Wende als Werkstattleiter bei einer Firma, die die Grenzschutzanlagen an der innerdeutschen Grenze abbaute. Von da war es nicht mehr weit bis zum Bergen von Munition. Für den Auftrag in der Kyritz-Ruppiner Heide haben Stascheit und seine Mannen extra eine Steuerung entwickelt, um die Raupe auch aus 1000 Metern Entfernung manövrieren zu können. Eine Woche hat der Einbau der Technik gedauert. Weil der Telefonempfang in der Heide zu schwach ist, mussten sie zudem ein eigenes Datenfunknetz aufbauen. Nur damit ist es möglich, die Fotos, Videos und GPS-Daten der Raupe auch gleich in den Baucontainer zu übertragen, von dem aus die Arbeiten gesteuert werden.

Wie bei einem Computerspiel

Wie bei einem Computerspiel: Tobias Schulz steuert die Raupe per Joystick aus 1000 Metern Entfernung. Kameras auf der Raupe zeigen ihm, was vor ihm liegt und wie die Maschine reagiert.

Quelle: Andreas Vogel

Sechs bis sieben Wochen wird es dauern, bis die insgesamt 68 Kilometer Sicherheitsstreifen angelegt sind. Danach werden diese auch in der Tiefe nach Munition abgesucht. Erst wenn sicher ist, dass sich im Boden keine Blindgänger befinden, will die Bima die Verdachtsfläche brennen und anschließend ebenfalls nach Munition absuchen. „Damit werden wir bis 2020 zu tun haben“, sagt Bima-Mann Entrup. Die Gesamtkosten werden wohl mehrere Millionen Euro betragen, allein der Einsatz der ferngesteuerten Raupe kostet 250 000 Euro. „Wir sind vorbereitet“, versichert Entrup. Derweil lassen Tobias Schulz und Maik Bothe per Joystick die Raupe schon wieder arbeiten.

Von Andreas Vogel

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