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Ostprignitz-Ruppin Bombensuche zwischen Gräbern
Lokales Ostprignitz-Ruppin Bombensuche zwischen Gräbern
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00:18 06.08.2016
Wo Gräberfelder frei werden, suchen die Fachleute mit Sonden bis zu fünf Meter tief im Boden nach Bomben. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Der Boden rund um die Kapelle auf dem Neuruppiner Friedhof ist durchlöchert. Überall stecken blaue Plastikrohre zwischen den Pflastersteinen in der Erde. Ein Bauzaun sichert das Areal rund um den Backsteinbau. Die Rohre ziehen sich einmal rund­herum, einen halben Meter von der Fassade entfernt. 59 sind es. Weniger hätten nicht ausgereicht, sagt Gerd Fleischhauer vom Kampfmittelbeseitigungsdienst der Polizei.

Eine Bombe direkt unter der Friedhofskapelle? Für die Friedhofsverwalterin Susann Fedchenheuer wäre das eine schreckliche Vorstellung. „Das wollen wir nicht hoffen“, sagt die junge Frau. Die Kapelle auf dem Friedhof an der Wittstocker Allee muss dringend saniert werden. Lange hat die Kirchengemeinde die Arbeiten vorbereitet: Neue Elektroleitungen sind nötig, das Klappern der alten Heizkörper soll verschwinden und moderne „Medientechnik“ installiert werden – bessere Lautsprecher, eine versenkbarer Bildschirm und neue Geräte um bei Trauerfeiern Musik einspielen zu können. „Sowas gehört heute einfach dazu“, sagt Susann Fedchenheuer.

Die Kapelle auf dem Neuruppiner Friedhof soll saniert werden. Vorher muss aber klar sein, dass unter dem Gebäude kein Blindgänger liegt. Quelle: Peter Geisler

Doch vor dem Umbau kommt erst einmal die Munitionssuche – auch unter der Kapelle. Der gesamte Neuruppiner Friedhof gilt als kampfmittelbelastet. Unmittelbar neben dem Friedhof lag im Zweiten Weltkrieg der Militärflugplatz. Auf den hatten es amerikanischen Bomber bei ihren Angriffen auf Neuruppin am 10. und 20. April 1945 abgesehen. Die Fliegerbomben trafen nicht nur Ziele auf dem Flugplatz, sondern schlugen auch rundherum ein. Der Friedhof war von Einschlägen übersät, das zeigen Luftbilder, die die Alliierten kurz nach ihrem Angriff aufgenommen hatten.

Niemand weiß, wie viele Blindgänger noch in der Erde liegen. Sichere Aufzeichnungen aus der Zeit vor 1990 gibt es nicht. Gerd Fleischhauer vom Kampfmittelbeseitigungsdienst ist weitgehend auf das angewiesen, was er selbst und seine Kollegen herausfinden. Seit Jahren schickt er immer wieder Firmen los, um Flächen auf dem Friedhof zu überprüfen. Die Bombensucher bohren Löcher in die Erde, vier bis fünf Meter tief. Darin versenken sie Sonden, die das Magnetfeld rund um die Bohrstelle messen. Damit lassen sich Metallkörper aufspüren. Mehrfach haben die Sonden schon angeschlagen. 2013 hatten die Bombensucher am Rand des Friedhofs gleich zwei Bildgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Eine Bombe konnte entschärft werden, eine mussten sie sprengen.

Die Suche zwischen alten Grabstellen braucht Fingerspitzengefühl

Nach und nach soll der gesamte Friedhof so überprüft werden. Susann Fedchenheuer plant die Suche langfristig und mit Bedacht. Immer dort, wo gerade ein Gräberfeld frei wird, können die Munitionsexperten arbeiten. Die Löcher bohren sie im Abstand von anderthalb Metern. Die Stellen werden so ausgesucht, dass die Sonden keinen Sarg in der Erde treffen kann. „Wir gehen dabei sehr vorsichtig vor“, versichert die Friedhofsverwalterin. Sie weiß, wie sensibel das Thema ist. Mehr als die Hälfte des Neuruppiner Friedhofs wurde inzwischen schon abgesucht. Bis zum Ende des Jahres sollen auch die Gräberfelder 10 und 19 überprüft sein.

Die Friedhofskapelle ist ein Problemfall. Sie stand zwar schon lange vor den Bombenangriffen. Das heißt aber nicht, dass unter dem Gebäude kein Blindgänger liegen kann. Wenn Bomben aus großer Höhe in den Boden einschlagen, können sie unterirdisch mehrere Meter weit wandern. Eigentlich müsste die Fachleute auch den Boden der Kapelle alle anderthalb Meter durchlöchern.

Friedhofsverwalterin Susann Fedchenheuer und Gerd Fleischhauer vom Kampfmittelbeseitigungsdienst der Polizei planen die Munitionssuche akribisch. Quelle: Peter Geisler

Um das zu vermeiden kommt erstmals eine neue Technik in Neuruppin zum Einsatz. Experten einer Firma aus Weimar überprüfen die Erde mit Radarstrahlen. Statt vier Meter tief müssen dafür zwar neun Meter tiefe Löcher gebohrt werden. Dafür kann die Spezialsonde den Boden sechs Meter rund um die Bohrstelle durchleuchten. So genügen Messstellen außen, um das Gebäude herum.

Nachteil: Das Radar registriert alle festen Körper im Boden – egal ob Metall oder Stein. Sollte die Fachleute tatsächlich etwa entdecken, müssen sie der Fund mit anderen Methoden noch genauer untersuchen. Zweiter Nachteil: Das Radarverfahren ist deutlich teurer als die übliche Suchmethode. Deshalb übernimmt das Land die Kosten nur in Ausnahmefällen.

Bis die Ergebnisse der Radaruntersuchung unter der Friedhofskapelle vorliegen, werden ein bis zwei Woche vergehen, schätzt Gerd Fleischhauer. Erst dann ist klar, ob die Sanierung weitergehen kann wie geplant.

Von Reyk Grunow

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