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Ostprignitz-Ruppin „Bombodrom war unsere größte Sorge“
Lokales Ostprignitz-Ruppin „Bombodrom war unsere größte Sorge“
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00:18 03.04.2016
Lysann (l.) und Birgit Gutenmorgen bereiten alles für die Feier am Samstag vor. Quelle: Christian Bark
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Dorf Zechlin / Ichlim

„Seit 1966 haben wir regelmäßig hier Urlaub gemacht“, erinnert sich Birgit Gutenmorgen-Brandenburg an ihre Kindheit im Dorf Zechlin. Damals kam sie aus dem Erzgebirge in das Bungalowdorf Kagar. Zwei Jahrzehnte später sollte der Ort ihre Heimat werden. Mit ihrem damaligen Mann pachtete sie ein Ferienheim, dann kamen der Mauerfall, die Wende, die Treuhand.

„Am 1. April 1991 haben mein Mann und ich uns selbstständig gemacht“, blickt Gutenmorgen-Brandenburg zurück. Das sei sozusagen die Geburtsstunde ihres Hotels Gutenmorgen gewesen. Später habe sie das Hotel dann gekauft. „Die Verhandlungen mit der Treuhand zogen sich über vier Jahre hin“, sagt die Hotelleiterin. Doch als Eigentümer hätten sie ab 1995 wesentlich größeren Spielraum für die Modernisierung gehabt. „Unsere Gäste kamen damals vornehmlich aus dem Westen.“ Die Ostdeutschen hätten in den 90ern lieber erst die ganze Welt erkundet. Und obwohl sie und ihre Familie auch aus dem Osten kamen, seien sie von der einheimischen Bevölkerung weniger herzlich aufgenommen worden. „Wir mussten durch Leistung überzeugen und das haben wir“, konstatiert Gutenmorgen-Bran-denburg.

Auch vor 20 Jahren hatte Birgit Gutenmorgen immer mal wieder in der Küche mithelfen müssen. Quelle: Privat

Doch der Tourismus in der Region habe sich nur langsam entwickelt. „Das Bombodrom war immer unsere größte Sorge“, blickt die Hotelleiterin auf die von der Bundeswehr geplante militärische Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide zurück. Schon die Flüge der Russen, auch zu Heiligabend, seien für die Familie unangenehm gewesen. „Unsere Gäste waren über das Bombodrom sehr beunruhigt“, sagt sie. Dafür umso erleichterter, als das Vorhaben 2009 gerichtlich untersagt worden war. Doch auch heute hat die Region rund um das Hotel ein Problem, wie Gutenmorgen-Brandenburgs Tochter, Lysann Gutenmorgen, weiß. „Es sind nur noch wenige Ausflugsgaststätten da.“ Überhaupt müsse man sich in dem Geschäft über die Saison hinaus etwas einfallen lassen. „Im Advent hatten wir mit den Gästen Weihnachten wie im Erzgebirge gefeiert“, sagt sie. Auch das „Holzfest“, ein Schausägen, bei dem Gäste mitmachen dürfen, komme immer gut an.

Personalmangel ist großes Problem für Gastronomen

Dafür, dass einige Gastronomen in der Region das Handtuch schmeißen, kennt Birgit Gutenmorgen-Brandenburg einen triftigen Grund: Personalmangel. Deswegen sei kürzlich ein nahegelegenes Eiscafé eingegangen. Und auch ihren Betrieb treffe das Problem. „Die Gastronomie hat ein zu schlechtes Image“, findet Lysann Gutenmorgen. Darum gebe es wahrscheinlich im Hotel gerade mal einen Lehrling, drei Lehrstellen seien unbesetzt.

Matthew Nottle macht eine Ausbildung zum Restaurantfachmann. Quelle: Christian Bark

Der hat mit der Gastronomie und den flexiblen Arbeitszeiten weniger ein Problem als viele seiner Altersgenossen. „Es ist abwechslungsreich und macht großen Spaß“, sagt Matthew Nottle. Der 19-Jährige kommt aus Rüthnick bei Herzberg und macht seit anderthalb Jahren im Hotel eine Ausbildung zum Restaurantfachmann. „Manchmal kann es etwas anstrengend sein, aber das ist alles machbar“, sagt er. Wenn er in 18 Monaten seine Lehre beendet hat, hofft er, im Hotel Gutenmorgen übernommen zu werden.

Der Lehr- und Fachkräftemangel geht auch am zwischen Sewekow und Zempow gelegenen Seehotel Ichlim nicht spurlos vorbei, wie Hotelchef Verlando Konschak informiert. „Einem Koch müssen Sie schon ein anständiges Gehalt bieten, sonst zieht der weiter“, erklärt er. Derzeit sei er aber mit seinen 16 Angestellten gut aufgestellt. Dass er so viele Menschen beschäftigen würde, das musste Konschak auch damals bei den Kaufverhandlungen mit der Treuhand versprechen.

Mit seiner Frau Sylvia leitet Verlando Konschak das Seehotel Ichlim. Quelle: Christian Bark

Für ihr Gebot von 1,7 Millionen Euro hatten sein Geschäftspartner und er das Hotel 1993 erwerben können. Die gleiche Summe habe die Sanierung gekostet. Über Kredite und Fördertöpfe konnten sie das Geld aufbringen. „Sonst hatte man damals als Ossi geringe Chancen, sich gegen Westinteressenten durchzusetzen“, erklärt Konschak, der zum Hotel schon vorher Bezug hatte. Der Königs Wusterhausener war ab 1984 in dem damaligen Ferienheim Leiter. „Das Grundstück gehörte der Stasi“, habe er später in den Treuhand-Verhandlungen mitbekommen. Genau wie Birgit Gutenmorgen-Brandenburg war er damals nur Pächter des Heimes und genau wie sie hat er sich am 1. April 1991 selbstständig gemacht.

Das Bombodrom war auch Konschaks Problem. „Wir haben 15 Jahre unseres Lebens gekämpft“, sagt er. Das ganze sei so weit gegangen, dass die Partner 2003 sogar die Bundesrepublik verklagt hätten. Und mit ihrem Engagement gegen das Militär, für den Tourismus hatten sie sich nicht nur Freunde gemacht. „Besonders die Wittstocker waren gespalten“, so der Hotelier. Damals hätten sie sich viel vom Bundeswehrstandort versprochen gehabt. Und auch sein Partner sei über diesen Streit hinweg eingeknickt. „Plat-zeck war nicht zu uns gekommen“, erinnert sich Konschak, als damals die Politik plötzlich zum Erfolg gratulierte. Ichlim liege eben schon in Mecklenburg. Doch seinen Partner hatte das damals sehr geärgert.

Gastronomen freuen sich auf Landesgartenschau 2019 in Wittstock

„Wir müssen über die Grenzen hinwegdenken“, erklärt der Vorsitzende des Tourismusvereins Wittstock Land, Jürgen Paul. Rheinsberg, Wittstock, die Müritzregion, alle säßen in einem Boot – gerade mit Blick auf die Landesgartenschau 2019 in Wittstock. Auch Paul weiß, dass das Ende des Bombodroms nicht gleich eine Touristenwelle ausgelöst hatte. „Das Pflänzchen Tourismus braucht Geduld und viel Mühe“, erklärt er. Aber es lohne sich. Dafür sprächen die Übernachtungszahlen in Prignitz und Ruppin, die sich mit über 1,8 Millionen gegenüber dem Jahr 2001 verdoppelt hätten.

Sein Jubiläum will Hotel Gutenmorgen am kommenden Samstag ab 10 Uhr mit Einwohnern und Gästen feiern, Verlando Konschak vielleicht im August. Dann werde er nämlich auch 60, sagt er.

Von Christian Bark

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