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„Boot und mehr“ in Kleinzerlang ist Kult

Für Wasserratten und Schärfe-Junkies „Boot und mehr“ in Kleinzerlang ist Kult

Ein Sachse in Brandenburg: Raymond Gautzsch wurde als Kind von seinen Eltern „verschleppt“, wie er sagt. Bereut hat er das nicht. Gemeinsam mit ihnen betreibt er das „Boot und mehr“, ein uriges Lokal mit Biergarten und Barbecue – direkt am Steg im Kleinen Pälitzsee. Zur Zeit lockt Gautzsch seine Gäste mit Public Viewing bei Zander, Strohschwein und Bier.

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Raymond Gautzsch sorgt dafür, dass sich seine Gäste wohl fühlen.

Quelle: Foto: Regine Buddeke

Kleinzerlang. Der rote Flachbau im Bungalow-Stil wirkt auf den ersten Blick eher unspektakulär, schlichte Holztische unter Sonnenschirmen stehen auf einer holzbeplankten Terrasse, die wie ein größerer Bootssteg aussieht. Das ist sie praktisch auch. Gerade kommt eine Horde Kanu-Kids gepaddelt, die direkt vom Boot aus ins Lokal klettern. Und das sogar landesgrenzüberschreitend, denn der Kleine Pälitzsee gehört zu Mecklenburg-Vorpommern, Kleinzerlang indes zu Brandenburg. Die Ausflugsgaststätte „Boot und mehr“ in Kleinzerlang wirkt urig-gemütlich – der Ausblick ist sensationell. Man sitzt direkt am Wasser, kann den Blick über den See schweifen lassen und – so man pünktlich da ist – den Sonnenuntergang genießen. Aber auch zu anderer Stunde sorgt Küchenchef Raymond Gautzsch dafür, dass die Gäste zufrieden sind. Obwohl es viel Fisch aus heimischen Gewässern gibt, den guten Zander etwa, habe sich das Haus doch vielmehr mit gutem Fleisch einen Namen gemacht. Das ist aber auch nicht von schlechten Eltern – das „Strohschwein mit Kren“ habe nicht nur wegen der exzellenten Medaillons seine Fans gefunden. „Es gibt Schärfe-Junkies, die kommen extra wegen des scharfen Meerettichs zu uns“, verrät der 44-Jährige, der die Spezialität aus der Steiermark bezieht. Er selbst ist allerdings Sachse aus Dresden. Dass er nach 1978 nach Ruppin kam, war Zufall. „Ich wurde verschleppt“, sagt er und grinst. „Meine Eltern haben mich nicht gefragt. Die Gegend hier wird von den Sachsen geliebt.“ Insofern ist er selbst auch zufrieden mit Kleinzerlang. 2003 habe „Boot und mehr“ zum Verkauf gestanden – Familie Gautzsch hat nicht lange gefackelt, sondern zugegriffen, und stemmt das Ganze seitdem als Familienbetrieb. „Ich war mal als Gast hier. Wir haben verhandelt, es hat gepasst“, sagt Raymond Gautzsch. Auch der Name „Boot und mehr“ – obgleich der sich auf den großen Bootsverleih bezog, der sich vor Jahrzehnten auf dem Areal befand. „Im Volksmund heißen wir sowieso Bum“, weiß der Küchenchef, der früher mal Heizungsinstallateur war und das Kochen für so viele Leute erst langsam lernen musste. Deshalb unterstützen Mutter Karin beim Kuchenbacken und Vater Herrmann in der Küche. „Wir sind mit unseren Aufgaben gewachsen“, erzählt Gautzsch. 2003 seien es nur sieben Tische gewesen, inzwischen ist der Laden gewachsen, dank der vielen Stammgäste und des zunehmenden Bootsverkehrs – immer mehr entdecken die reizvolle Seenlandschaft für sich.

Der Chef selbst auch: „Die Lage hier ist Hammer. Ich brauch den Großstadttrubel nicht mehr.“ Trubel hat er trotzdem. Denn „Boot und mehr“ ist längst kein Geheimtipp mehr unter den Bootfahrern, sondern vielmehr eine feste Adresse. „Von Mai bis September ist volle Hütte“, sagt Gautzsch. „Manche kommen, steigen vom Boot und sagen ‚zu Hause‘. Das ist wie ein Ritterschlag.“ Um sieben beginnt Gautzschs Tag, da backt er die Brötchen für die Frühstücksgäste. „Und abends haben wir geöffnet, bis der Letzte aus den Latschen kippt. Da ist es manchmal auch schon wieder hell“, sagt er. Früher hat er wöchentlich Musik gehabt. „Wir wurden mal Kulturhafen genannt“, erinnert er sich. Da seien die Musiker scharenweise per Boot gekommen und hätten für Bier und Essen gespielt. Die El-Gaucho-Bar hat sich aus dieser Zeit erhalten. Jeden Mittwoch gab es ein Event – die Zeiten sind leider vorbei. „Das wurde uns höchstamtlich untersagt“, bedauert Raymond Gautzsch. „Immerhin sind wir ’ne Tourismusregion. Wenn wir für die Urlauber nichts machen, gehen wir unter.“

Ersatzweise bietet er regelmäßige Barbecues an – mit sanfter Musikbeschallung. Denn ganz verbieten lässt er sich die Musik eben nicht: Am 30. Juli kommt „Muschikantenstadl“ aus Erfurt – mit Partyschlagern und Deutschrock. „Die Jungs kommen jetzt zum dritten Mal exklusiv zu uns“, freut sich der Musikliebhaber. „Die sind saucool und bringen eine Wahnsinnsbühne mit. Ich wundere mich jedes Mal, dass die bei uns raufpasst.“

Bis es soweit ist, können sich die Fans beim Public Viewing die Zeit vertreiben: Auch das ist bei Familie Gautzsch gut möglich. Ob mit Bier oder frischer Rhabarber-Schorle, ist jedem selbst überlassen.

Von Regine Buddeke

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