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Ostprignitz-Ruppin Exklusive MAZ-Tour durchs Museum
Lokales Ostprignitz-Ruppin Exklusive MAZ-Tour durchs Museum
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20:08 23.09.2016
Richtiggehend gebannt hörten MAZ-Leser Stephan Theilig, Leiter des Brandenburg-Preußen-Museums in Wustrau, gestern bei der Extra-Tour durch die Ausstellung zu. Quelle: Peter Geisler
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Wustrau

Aus wie vielen Einzelteilen besteht ein Harnisch? „Ich gebe Ihnen mal einen Tipp: Sie können nur falsch liegen“, sagt Stephan Theilig gleich am Eingang des Brandenburg-Preußen-Museums und lacht fast schon spitzbübisch. Das Grüppchen, das sich an diesem Freitagnachmittag um den wissenschaftlichen Leiter der Einrichtung neugierig schart, nimmt die Herausforderung an. Kein Wunder, schließlich stehen hier keine beliebigen Museumsbesucher: Die exklusive Führung durchs Haus haben sie sich mit etwas Glück, vor allem aber durch die richtige Beantwortung der Gewinnfrage bei der MAZ erarbeitet. Die Frage nach dem Aufbau der Rüstung dürfte also ein Klacks für sie sein.

50, 100, 120 tippen die Gäste. Die Zahlen werden immer größer – doch sie reichen nicht. „Wenn man die Nieten mitzählt, sind es 400 Teile“, sagt Stephan Theilig und erzählt auch gleich, dass ein solcher Harnisch ein bis zwei Dörfer kostete – in der einfachen Ausführung. Er berichtet von Zuwanderern in Preußen, die in seinen Augen von dem auf Bernsteinreichtum basierendem Steuersparmodell profitierten und somit Wirtschaftsflüchtlinge waren. Vom ersten Bürgermeister Charlottenburgs, der zuvor Kriegsgefangener war und durch die Gunst der toleranten preußischen Königin Sophie Charlotte aufsteigen durfte. Von der Hebamme Justine Siegemund, die ebenfalls von der Ehefrau Friedrich I. an den Hof geholt wurde und deren Kniffe unter Geburtshelfern bis heute bekannt sind. Mit solchen Details und Anekdoten, die der Museumsleiter mit viel Humor während des Streifzugs durch die Dauerausstellung vorträgt, erntet er immer mehr Ohs und Ahs.

Die Krone bringt die Augen zum Leuchten

„Und jetzt kommen wir zum Bling-Bling unserer Sonderausstellung“, sagt Stephan Theilig, bevor er in der Schau „Polen und Preußen“ im Obergeschoss um eine Ecke biegt. „Ich will Ihnen das zeigen, weswegen ich Historiker und Museumsmensch geworden bin.“ Hell angestrahlt liegt die Königskrone von 1701 hinter einer dicken Glaswand, die Stephan Theilig noch schnell abwischt. „Ich kann mir gut vorstellen, dass die Leute sich hier die Nase platt drücken“, sagt er und lächelt. Die Augen seiner Gäste leuchten auf. 5,6 Kilogramm Reingold, Saphire, ein Diamant und unzählige Bergkristalle schmücken die Krone. Dass es sich dabei um eine originalgetreue Replik handelt, ist völlig nebensächlich.

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Die Märkische Allgemeine lud Gewinner eines Rätsels ins Museum nach Wustrau ein. Museumsleiter Stephan Theilig sorgte für einen kurzweiligen und interessanten Streifzug durch die Geschichte.

Anderthalb Stunden und viele vergnügliche, aber auch aufklärende Fakten über das Land der alten Pruzzen, die friedliche Koexistenz vieler Völker auf ihrem Gebiet und die heutige Beurteilung der Sicht auf Preußen später, verwandelt sich der Museumsleiter schnell in einen guten Gastgeber: Seine Mitarbeiter servieren im Garten eine Kartoffelsuppe, auf den Tischen stehen Getränke bereit. Christian Koletzki, Geschäftsführer des MAZ-Regionalverlags, der die Gäste am Museum ebenfalls empfangen hatte und bei der Tour durch die Museumsräume mitmacht, hilft mit und stellt sich den Fragen der Leser.

Königswetter und schöne Klänge in der Kirche

Stärkung, bevor es zur nächsten Station in die Kirche geht. „Hut ab vor dem Museumsleiter“, sagt Dietrich Albrecht, der eben noch nach der Führung mit Stephan Theilig weiter plauschte. „Er macht das wirklich so ansprechend und erklärt ohne Fachausdrücke und so verständlich, dass man sich selbst als Laie gut mitgenommen fühlt“, lobt der geschichtsinteressierte Pritzwalker. Auch die Exponate und den Aufbau der Ausstellung findet er einfach wunderbar. „Und jetzt auch noch das Königswetter draußen: Es passt einfach alles zusammen. Jetzt fehlen hier nur noch drei angebundene Pferde und der alte Zieten, der von seinem Gaul steigt“, sagt er und lacht.

Der Adlige kommt zwar nicht zur Einrichtung im Zietendorf. Dafür lädt Stephan Theilig nach dem Imbiss unter den Bäumen in die benachbarte Kirche ein. Statt viel zu reden, geht er dort direkt an die Orgel. Ruhige Klänge entlockt er zuerst dem königlichen Instrument, zieht aber bald mehrere Register. Die Stimmung unter den Gästen: andächtig und zugleich emotional aufgeladen. Hier und da hört man sie nur wispern: „Ach ist das schön.“

Von Celina Aniol

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