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Brandenburg ist Wolfsland

Zempow Brandenburg ist Wolfsland

Immer wieder fallen Schafe und andere Nutztiere in Brandenburg Wölfen zum Opfer, auch in Zempow. Deshalb wurde dort kürzlich über den Räuber diskutiert. Es ging um Schutzmaßnahmen, aber auch um Ängste. Mit dabei: Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann (Die Linke) und Wolfsbeauftrager Robert Franck, der kein Blatt vor den Mund nahm.

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Während der Diskussion: Wolfsbeauftragter Robert Franck (hinten links), daneben Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann.

Quelle: Björn Wagener

Zempow. Mehr Information, mehr Vernetzung, mehr Klarheit in Versicherungsfragen – das ist es, was die Menschen in den Dörfern rund um den ehemaligen Truppenübungsplatz Kyritz-Ruppiner Heide wollen, wenn es um den Wolf geht. Das wurde bei einer Diskussionsrunde in Zempow deutlich. Dort stellten sich Robert Franck, der ehrenamtliche Wolfsbeauftragte im Kreis OPR und Oberhavel, und die Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann (Die Linke) den Fragen der Einwohner und Gäste. Sie hatten sich dazu am „Einladen“ unter freiem Himmel zusammengefunden. Moderiert wurde die Runde von Andreas Bergmann.

Den Zempowern ist der letzte Vorfall, der einem Wolf zugeschrieben wird, noch gut in Erinnerung. Es geschah in der Nacht zum 26. April. Da grub sich der Räuber unter einen Koppelzaun hindurch und tötete und verletzte mehrere Schafe und Lämmer. Das Ganze spielte sich nur etwa 300 Meter hinter dem Dorf ab. Schafhalterin Evelyn Haut richtete deshalb einen dringenden Appell in Richtung Robert Franck. Sie wünsche sich eine bessere Information darüber, wann mit Wolfsattacken zu rechnen sei. „Es war Ende April. Wir sind davon ausgegangen, dass es zu diesem Zeitpunkt keine Bedrohung mehr für uns gibt. Mir hat der Vorfall ein paar Tage lang erst mal die Beine weggerissen, weil er mir zu nahe kam“, sagte sie. Sie habe die Tiere sicher geglaubt, weil sie davon ausging, dass Wölfe eher im Winter zuschlagen.

Gesichert ist die Existent von nur einem Wolf

„Wolfsrisse können jederzeit vorkommen. Wölfe haben immer wieder Hunger“, klärte Robert Franck auf und stellte klar: „Brandenburg ist Wolfsland.“ Es gebe hier mehr Wölfe als etwa in Sachsen. Derzeit werde landesweit von etwa 150 Tieren ausgegangen, die in rund 20 Rudeln lebten – die meisten allerdings im Süden Brandenburgs. Das bestätigt eine Karte über Wolfsvorkommen, die das Landesumweltamt veröffentlicht hat. Im Norden ist lediglich die Kyritz-Ruppiner Heide verzeichnet – mit „Status unklar“. Das heißt, ein Wolf sei sicher nachgewiesen, ein zweiter möglich. Zudem gebe es unbestätigte Beobachtungen von angeblich mehreren Tieren. Ob diese sich aber tatsächlich auf Wölfe bezögen, sei ebenso unklar wie die Frage, ob es Welpen gibt. „Ich gehe von zwei Wölfen aus“, so Robert Franck. Bei Übergriffen deuteten meist Kehlbisse, Schleifspuren und die Tatsache, dass Wölfe die Beute buchstäblich mit Haut und Haaren fressen, auf den Räuber hin.

Dass sich Wölfe im Norden noch vergleichsweise rar machten, liege laut Franck an den Autobahnen, auf denen viele von ihnen zu Tode kämen, weitere fielen Krankheiten zum Opfer. Probleme sieht Franck vor allem bei kleinen Nutztierherden die wenig geschützt sind, aber auch bei Rindern, weil dort die Herden so groß seien und man nicht alles einzäunen könne. Wo das aber möglich oder schon geschehen ist, riet Franck: „Legt den Stromschalter um.“

Mehr als nur Schäden regulieren

Swantje Schäkel wünschte sich eine bessere Vernetzung zwischen den Dörfern, um schneller und effektiver reagieren zu können, sollte es in der Nähe zu einem Wolfsriss gekommen sein. Auch Entschädigungs- und Versicherungsfragen müssten endlich klar geregelt werden, hieß es. Für Kirsten Tackmann spielt der Herdenschutz eine sehr wichtige Rolle. Er müsse umgesetzt sein, bevor der Wolf sich ansiedelt und funktioniere mit Herdenschutzhunden am besten. „Wir müssen mehr tun als nur Schäden regulieren“, sagte sie und plädierte auch dafür, die Jägerschaft mit ins Boot zu holen. Bereits 2012 habe die Linke erstmals ein Herdenschutzkompetenzzentrum gefordert, was auf Bundesebene aber schwer durchsetzbar sei.

Nur am Rande kamen die Sicherheit des Menschen und die Auswirkungen auf den Tourismus zur Sprache. Eine Möglichkeit, für mehr Transparenz sei ein Wolfsinformationszentrum.

Von Björn Wagener

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