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Ostprignitz-Ruppin Brandenburgisches Staatsorchester begeisterte
Lokales Ostprignitz-Ruppin Brandenburgisches Staatsorchester begeisterte
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00:20 23.11.2017
Hoch konzentriert am Flügel: die 35-jährige Pianistin Aleksandra Mikulska. Quelle: Regine Buddeke
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Neuruppin

Inmitten des schwarz gekleideten Orchesters wirkt die Soloviolinistin wie ein kleines Blümchen. Ein Lächeln huscht am Sonntag über die Gesichter im Pfarrkirchen-Publikum, als Aono Sakaguchi im lachsfarbenen Flatterkleidchen an der Hand von Dirigent Takao Ukigaya auf die Bühne klettert. Das Mädchen lächelt scheu, klemmt die Geige in die Halsbeuge, schaut konzentriert zum Dirigenten. Die ersten Takte von Pablo de Sarasates „Zigeunerweisen“ erklingen, dann hat die junge Ausnahmemusikerin ihren Einsatz. Die Zigeunerweisen haben es in sich; leichte Kost ist das beileibe nicht. Schon gar nicht für eine Neunjährige – auch wenn sie wie in Aonos Fall bereits mit drei Jahren ihren ersten Geigenunterricht erhielt. Mittlerweile spielt sie bis zu zehn Konzerte im Jahr und belegt bei sämtlichen Klassik-Wettbewerben in ihrer Heimat Japan stets den ersten Platz. Auch den de Sarasate meistert sie mit Bravour. Die Stücke sind prädestiniert für „Teufelsgeiger“. Dieses Prädikat möchte man der kleinen Aono, die eher wie ein Engel aussieht, nicht verpassen – das musikalische Zeug dazu hat sie aber auf jeden Fall. Jeden Tag übt sie zwei Stunden, an Sonn- und Feiertagen auch schon mal das Doppelte. Dass sie später Musikerin werden will, versteht sich von selbst. Aber es sei schon ein Erlebnis gewesen, den de Sarasate mit einem ganzen Orchester – statt nur klavierbegleitet – zu spielen, gesteht die junge Geigerin.

Aono Sakaguchi begeisterte mit ihrem Violinspiel. Quelle: Regine Buddeke

Dass sie in Neuruppin spielt – es ist ihr Auslandsdebüt – ist wie so oft Takao Ukigaya zu danken. Der Dirigent und Vorstand des Musikvereins Neuruppin sorgt in schöner Regelmäßigkeit dafür, dass begnadete Musiker bei den Konzerten der Klassik-Konzertreihe des Vereins die Neuruppiner erfreuen. Bereits seit einigen Jahren ist es Usus, dass zum Sinfoniekonzert im Spätherbst ein junges Talent den Abend mit einer Soloeinlage eröffnen darf. Oft waren das Schüler der hiesigen Kreismusikschule, die zum ersten Mal vor so großem Publikum spielen durften. Für Aono ist das bereits Routine. „Nein, aufgeregt sei sie nicht gewesen“, erzählt sie nach dem Konzert. Glücklich war sie allerdings schon – Bravorufe aus dem Publikum sind eben etwas Besonderes. Die hat sich Aono allemal verdient. Auch Takao Ukigaya ist – wie alle im vollen Saal – begeistert. „Sie hat gut gespielt. Das ist toll. Für mich auch“, schwärmt er. Das zweite Stück ist Frédéric Chopins 2. Klavierkonzert. Hier hat Ukigaya als Solistin Aleksandra Mikulska engagiert, die er einst bei einem Konzert in Neuenhagen gehört hatte.

Präzises Zusammenspiel aller Musiker. Quelle: Regine Buddeke

Die junge Frau hat in Polen, später Deutschland und Italien studiert. Auch sie ist mehrfache Preisträgerin, holte etwa den Sonderpreis als beste polnische Pianistin bei einem Internationalen Chopin-Wettbewerb. Als gebürtige Warschauerin liegen ihr die polnischen Komponisten natürlich besonders am Herzen, erzählt die gerade 35 Jahre alt Gewordene, die ihre Geburtstagstorte noch im Tournee-Gepäck hat. Chopin sei natürlich für sie als Pianistin eine Herzensaufgabe – sie ist Präsidentin der Chopin-Gesellschaft in Deutschland. Das Klavierkonzert ist ein Meisterstück. Aleksandra Mikulska spielt es feinnervig-emotional, mal mit Nachdruck, mal sinnlich-zart. Ihre Hände scheinen manchmal zu schweben – ganz langsam hebt sie sie in großer Geste. Dann wieder eilen sie über die Tasten – kaum kann man ihnen mit Blicken folgen. Makellos strömt die Musik in den Saal.

Takao Ukigaya in Hochform. Quelle: Regine Buddeke

„Es ist beeindruckend, was beide Solisten hier hingelegt haben“, schwärmt Gabriele Neumann in der Pause. „Wenn man bedenkt, wie viel Arbeit in diesem Spiel steckt“, sagt sie. „Geige ist ein schweres Instrument, das weiß ich aus Erfahrung. Und dass man das in so jungen Jahren schon so gut kann – zusammen mit einem Orchester. Das wird mal eine ganz Große“, lobt sie. Ähnliches hört man überall im Saal. Nach der Pause hat das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt, das Ukigaya immer wieder nach Neuruppin holt – noch einmal einen großen Auftritt. Beethovens 4. Sinfonie steht auf dem Programm – ein selten gespieltes Stück, das immer ein wenig von seinen großen Brüdern – der Eroica, der Schicksalssinfonie und Beethovens berühmter 9. – an den Rand gedrängt wird.

Stehende Ovationen am Ende. Quelle: Regine Buddeke

Ukigaya leitet mit viel Körpereinsatz und erprobter Hand das bravourös aufspielende Ensemble, das sowohl die zarten als auch die bombastischen Momente der Sinfonie zu einem wunderbaren Klangteppich verwebt. Am Ende gibt es standing ovations, Bravorufe und glückliche Gesichter. Auch beim Dirigenten – der es einmal mehr geschafft hat, den Ruf Neuruppins als Kulturstadt zu festigen.

Termine der Klassikmusikreihe für 2018

Sonntag, 7. Januar, jeweils 15 und 19 Uhr, Kulturkirche Neuruppin: Neujahrskonzert mit dem Brandenburgischen Staatsorchester

Sonntag, 4. Februar, 17 Uhr, Sparkasse Ostprignitz-Ruppin: Jugendstil-Liederabend mit Anne Schuldt
(Sopran) und Daniel Heide (Klavier)

Sonntag, 8. April, 17 Uhr, Festsaal Ruppiner Kliniken: Klavierabend mit Valentina Igoshina; Beethoven-Sonaten und Chopin-Préludes

Sonntag, 6. Mai, 17 Uhr, Kulturkirche: Sinfoniekonzert mit dem Brandenburgischen Staatsorchester; 3. Sinfonie und Klavierkonzert No. 4 von Beethoven

Sonntag, 30. September, 17 Uhr, Schlossgarten Neuruppin:
Holzbläserquintett mit Werken
von Bydgosz, Mozart, Mussorgski
und anderen

Sonntag, 28. Oktober, 17 Uhr,
Altes Gymnasium Neuruppin:
Klaviertriokonzert

Sonntag, 28. November, 17 Uhr,
Kulturkirche Neuruppin: Sinfoniekonzert mit dem Brandenburgischen Staatsorchester

Von Regine Buddeke

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