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Ostprignitz-Ruppin Brandstifter ist krank und nicht schuldfähig
Lokales Ostprignitz-Ruppin Brandstifter ist krank und nicht schuldfähig
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16:33 08.03.2019
Vor dem Landgericht Neuruppin wird derzeit gegen einen 20-Jährigen wegen schwerer Brandstiftung verhandelt. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

„Er ist ohne jeden Zweifel der Täter“, davon war Staatsanwalt Torsten Sauermann überzeugt. Nämlich, dass Hazrat K. in der Nacht zum 18. Juli vergangenen Jahres erst in seinem Zimmer im Asylbewerberheim in Treskow Feuer gelegt hat, anschließend mehrere an der Erich-Dieckhoff-Straße parkende Autos beschädigte und sich zuletzt seiner Festnahme heftig widersetzt hat.

Angeklagter ist krank und nicht schuldfähig

Ebenso ohne jeden Zweifel steht nach der Auffassung des psychiatrischen Gutachters Horst Ihloff fest, dass der 20-Jährige an einer psychischen Krankheit leidet und dass er zur Tatzeit auf alle Fälle eingeschränkt schuldfähig, wenn nicht gar schuldunfähig war.

Weniger sicher war sich der Sachverständige, ob es sich um eine durch Drogen hervorgerufene Psychose handelt oder aber um eine Krankheit, die „in ihm steckt“. Letzteres hielt Horst Ihloff für wahrscheinlicher.

Hazrat K. hatte zugegeben seit etwa zwei Jahren Cannabis zu konsumieren. Das hatte auch ein Drogentest nach seiner Festnahme ergeben. Der ergab aber keinen Anhaltspunkt um auf einen ezessiven Gebrauch zu schließen.

Auch, wenn Horst Ihloff es für eher ungewöhnlich hielt, dass es sich bei dem Angeklagten um eine drogenindizierte Psychose handelte, räumte er zur Frage der Ursache ein: „Ich kann es aber nicht definitiv sagen.“

Halluzinationen und Denkstörungen

Als er Hazrat K. im August 2018 im Gefängnis aufsuchte, bot sich ihm ein „deutlich psychotisches Bild mit Halluzinationen und Denkstörungen“. K. habe ihm gegenüber von einem merkwürdigen Erleben im Körper, Problemen in seinem Bauch gesprochen und dass er sich gegen etwas wehren müsse. Mitbewohner, Personal des Asylbewerberheims und sein Vormund hatten von psychischen Auffälligkeiten des 20-Jährigen seit Frühjahr 2018 berichtet.

„Es liegt eine krankhafte seelische Störung vor“, so Staatsanwalt Sauermann, Auch wenn er sich nicht 100prozentig sicher sei, was für eine Störung es ist. Fakt sei, dass Hazrat K. nicht für das, was er gemacht hat, bestraft werden kann.

Sicherheit der Allgemeinheit

Deshalb beantragte der Staatsanwalt einen Freispruch. Knackpunkt war aus seiner Sicht, was nun mit dem Angeklagten passieren soll. Sind von ihm wegen seiner Krankheit weitere erhebliche Straftaten zu erwarten?. Das wäre die Vor­aussetzung, Hazrat K. in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen. Die Taten seien extrem gefährlich gewesen.

„Er hat verdammtes Schwein gehabt“, sagte Sauermann. Keiner hatte gesundheitliche Schäden davon getragen. Das hätte ganz anders aussehen können, wenn die Bewohner nicht rechtzeitig das Haus hätten verlassen können.

Auch das Auftreten des Angeklagten gegenüber den Polizeibeamten sei „extrem gefährlich“ gewesen.

Der Sachschaden dafür war beträchtlich. Die dritte Etage des Asylbewerberheims war monatelang nicht bewohnbar. Der Schaden betrug um die 100 000 Euro.

Dazu kamen die Reparaturkosten für die beschädigten Autos, die sich auf mehr als 15 000 Euro beliefen. „Diese Gesamtsumme muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen“, sagte Torsten Sauermann.

Er plädierte dafür, den Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen. Es gehe nicht um Bestrafung, sondern um die Sicherheit der Allgemeinheit, den Schutz der Öffentlichkeit, so Sauermann. „Es ist zu gefährlich, ihn rauszulassen.“

Die Unterbringung zur Bewährung auszusetzen hielt er allerdings nicht für angebracht. Derzeit werde Hazrat K. im Gefängnis medikamentös behandelt. Solange er die nehme, sei er nicht gefährlich. Aber, ob er seine Medikamente draußen nehme, da stehe ein großes Fragezeichen im Raum. Hazrat K. , der vor drei Jahren nach Deutschland kam, habe keine familiären Bindungen hier.

Verteidiger plädierte für Unterbringung zur Bewährung

Der Verteidiger Christoph Balke beantragte, die Unterbringung zur Bewährung auszusetzen. „Daran hängt mein Herzblut.“

Die Freiheit sei das höchste Gut. Er wolle, dass sein Mandant ein straffreies Leben führt und frage sich, wie er ihm da am besten helfen kann, so Balke. Aus seiner Sicht wäre die beste Lösung, eine räumliche Situation zu schaffen, frei, aber mit Aufsicht und Kontrolle. Die Erfahrung in der Haft zeige, dass, wenn Hazrat K. seine Medikamente nehme, gut mit ihm umzugehen sei. Außerdem habe er einen Vormund, der sich sehr kümmere. „Der Angeklagte freut sich wie ein Sohn, wenn er kommt.“

Das Gericht will seine Entscheidung am Dienstag verkünden.

Von Dagmar Simons

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