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Brandstifter von Kyritz ist kein Pyromane

Feuerwehrmann legt Brände Brandstifter von Kyritz ist kein Pyromane

Der Brandstifter von Kyritz ist auch Feuerwehrmann. Doch um privaten Frust abzulassen, schlug er wahllos zu. Die Tatorte will er spontan ausgesucht haben. Mit seinen Brandstiftungen setzt er den Ruf der Feuerwehr aufs Spiel – und er ist nicht der erste. Kreisbrandmeister Wolfgang Hohenwald verteidigt den guten Ruf seiner Kameraden.

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Mit dem 1. Oktober 2014 begann die Reihe der schweren Fälle. Zunächst wurden Fahrzeuge vor Autohäusern abgefackelt.
 

Quelle: Matthias Anke

Kyritz.  Nur, weil ein Bankmitarbeiter kriminell werden kann, sind nicht gleich alle Bankangestellten Verbrecher. So gilt das auch für Lehrer oder jeden anderen Berufsstand. Mit diesem Vergleich versucht der Ostprignitz-Ruppiner Kreisbrandmeister sowie Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbands, Wolfgang Hohenwald, den guten Ruf der Kyritzer Feuerwehr aufrecht zu erhalten. Dass deren Ansehen schweren Schaden nehmen könnte, habe der Brandstifter in Kauf genommen, gerade weil er aus ihren Reihen kommt. Der 31-Jährige nannte sich Brandschützer, obwohl er seit Herbst vorigen Jahres laut seinem Geständnis sieben Brände legte, bis er dann in dieser Woche von der Polizei gefasst wurde.

Kyritzer Fall erinnert an Wittstock, Wusterhausen und Neuruppin

„Wir stecken in solchen Leuten nicht drin. Sie sind ja auch nicht auf bestimmte Betriebe eingestellt“, sagt Hohenwald und meint damit, dass es sich eben um einen freiwilligen Feuerwehrmann handelt, der aus jeder möglichen Berufsgruppe hätte stammen können. Dass ausgerechnet ein Wehrmitglied so agiert, komme zudem nicht nur bundesweit vor. Und nichtsdestotrotz hätten die Kyritzer Feuerwehrleute gerade auch bei diesen Bränden unermüdliche Einsatzbereitschaft bewiesen. Sie sollten sich daher nicht entmutigen lassen, sagt Hohenwald.

So galt das auch schon bei den Wittstockern, aus deren Reihen sich vor etwa zwei Jahren ein Serienbrandstifter entpuppte, oder für die Wusterhausener, wo vor gut 15 Jahren ein Feuerwehrmann Bootshallen niederbrannte. In Neuruppin gab es vor etwa 30 Jahren ebenfalls einen solchen Täter.

Gerade der Kyritzer Fall aber zeigt jetzt laut der Sprecherin der Polizeidirektion Nord, Dörte Röhrs, wie vielschichtig und schwer erklärbar solche Taten sein können. „Oft geht es um Anerkennung, wenn ein Feuerwehrmann Brände legt und sie dann als einer der ersten am Ort noch selbst bekämpft. Hier aber gilt das nicht.“ Der Mann wollte nach eigenen Angaben vielmehr Ablenkung gesucht haben, wollte Frust ablassen über seine private Lebenssituation, und sich nicht an den Flammen erregen, wie es sich in vielen anderen Fällen sonst oft herausstellt.

Einen Zusammenhang zwischen den Tatorten gebe es zudem auch keinen. Der Kyritzer Brandstifter will sich seine Ziele spontan ausgesucht und nicht aus persönlichen Motiven heraus gehandelt haben. Für die Betroffenen stelle dies daher eine laut Polizei „außerordentliche Beruhigung dar“.

Bürgermeisterin reagiert bestürzt

Der Feuerwehrmann zündete Fahrzeuge vor zwei Autohäusern an, dann einen Bus samt Lkw auf dem Innenstadtparkplatz „Wässering“, und er legte kurz darauf die Abfallstation „Strüwe“ in Schutt und Asche. Zudem brannten Lagerhallen rund um den Leddiner Weg und weitere Autos an der Holzhausener Straße.

„Dass er festgenommen werden konnte, ist eine Erleichterung für die gesamte Region“, sagt Polizeisprecherin Dörte Röhrs. Auch im Rathaus wird das so gesehen.

Bürgermeisterin Nora Görke, die diese Nachricht im Urlaub ereilt, reagiert ebenso beruhigt, zugleich aber bestürzt. Auf MAZ-Nachfrage sagt sie: „Wenn es sich tatsächlich um einen Feuerwehrmann handelt, macht mich das, wie auch unseren Wehrführer Meinhard Giese, tief betroffen.“

Erleichtert sei sie, dass sich die Feuerwehrkameraden „nun nicht mehr mutwillig herbeigeführten Gefahren aussetzen müssen“. Auch beruhige sie, „dass die Kyritzer nicht mehr in ständiger Angst vor einer weiteren Brandstiftung leben müssen“.

Da es weiterhin zahlreiche unaufgeklärte Brände in und vor allem um Kyritz herum gibt, ergänzt die Bürgermeisterin: „Allerdings besteht wohl weiterhin eine gewisse Unsicherheit, da scheinbar ein weiterer Brandstifter vor allem in Karnzow sein Unwesen treibt.“ Sie sagt: „Bei den Beamten der Kriminalpolizei bedanke ich mich sehr herzlich für ihre Fahndungsarbeit. Möge der Erfolg der Polizei eine Warnung und Botschaft für mögliche weitere Täter sein.“

Von Matthias Anke

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Imageschaden
Die niedergebrannte Abfallstation „Strüwe" beschäftigte die Feuerwehrleute noch an dem darauffolgenden Tag.

In Kyritz (Ostprignitz-Ruppin) werden weitere Details zum Feuerteufel bekannt. Selbst ein ehemaliger Brandursachenermittler ist entsetzt. Er spricht von einem „unermesslichen“ Imageschaden für die Feuerwehr und fragt: „Macht sich so einer keine Gedanken, wie er den Schaden wieder gutmachen kann?“

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