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Die Geschichte eines Amoklaufes

Gewagte Aufführung des "Theaters ohne Bühne" Neuruppin Die Geschichte eines Amoklaufes

Das "Theater ohne Bühne" hat das Stück "Punk Rock" des Briten Simon Stephens auf die Bretter gebracht. In der Jugendkunstschule Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) fand vor gut 80 Zuschauern die Premiere statt. Erneut haben die jungen Darsteller einen brisanten Stoff umgesetzt: die Geschichte eines Amoklaufes.

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Abgewiesen, verletzt, unter Druck: William erschießt den fiesen Bennett in „Punk Rock“, dem neuen Stück des "Theaters ohne Bühne".

Quelle: Regine Buddeke

Neuruppin. "Ich habe es getan, weil ich es konnte", sagt einer in der Psychiatrie und lässt die Frage nach dem "Was" offen. "Was schreiben Sie in ihren Bericht?", will der Chor aus dem Off von der Ärztin wissen und macht damit die Bühne frei für das "Warum". Das "Theater ohne Bühne" hat in diesem Jahr das Stück "Punk Rock" des Briten Simon Stephens auf die Bretter gebracht - am Freitagabend fand in der Jugendkunstschule vor gut 80 Zuschauern die Premiere statt. Erneut haben die jungen Darsteller um Regisseur Sebastian Eggers und Dramaturg Sebastian Maihs einen brisanten Stoff umgesetzt: Die Geschichte eines Amoklaufes.

Schauplatz ist eine Elite-Schule. Unter der gepflegten Oberfläche brodelt es. Nicht nur, dass die Schüler angesichts der Prüfungen enormem Leistungsdruck unterworfen sind, auch das soziale Miteinander ist geprägt von Konkurrenz und Revierkämpfen, Mobbing, Versagensängsten und überschäumenden Hormonen. In der Zwischenwelt der Pubertät gerät alles aus den Fugen und nimmt den späteren Druck in Beruf und Gesellschaft vorweg. Jeder Schüler hat Probleme: der schüchterne William, der sich in die neue Schülerin verliebt. Sein mangelndes Selbstwertgefühl überspielt er mit horrenden Lügengeschichten und Aufschneiderei. Dass seine Eltern lange tot seien und er im Auftrag der Regierung muslimische Mitschüler ausspähe. Lilly ihrerseits vertraut ihm ihre Ängste um ihre trinkende Mutter an. Das Werben Williams ignoriert sie, stattdessen stürzt sie sich in eine Liaison mit Schul-Aufreißer Nicholas, der sein Ego pflegt.

Jeder sucht seinen Platz im Rang-Gefüge, auch vor Mobbing wird nicht halt gemacht. Die pummelige Tanya wird gehänselt, weil sie von einem Lehrer schwärmt. Der hyperintelligente Chadwick wird zur Zielscheibe des fiesen Bennett, weil er sich Gedanken über die Welt macht. "Wegen euch mach' ich mir keine Gedanken mehr", schreit Chadwick seine Kommilitonen an und brüllt seine Angst vor Naturkatastrophen, Kriminalität, Korruption und Atomkrieg aus sich heraus, als würde alle Last der Welt auf seinen Schultern liegen. Dass er Suizidgedanken bekommt, verwundert niemanden mehr. Bennett, so wird vage angedeutet, gibt sich nur so fies, um eigene Ängste zu übertünchen. "Ich spiele den Arsch", bellt er in die Runde und knutscht provokant seine Freundin Cissy zu Boden, die wiederum wegen einer 2 in Englisch panische Angst vor dem Donnerwetter ihrer überehrgeizigen Eltern hat. Verletzlich wirkt Bennett im Zwiegespräch mit Nicholas. Hier deutet sich zart ein verdrängtes Coming Out an, vielleicht ist es jedoch nur die Lust an der Grenzüberschreitung.

Das ist dann auch der Punkt, der William zur Waffe greifen lässt. Die unerwiderte Liebe zu Lilly, die Nicholas vorzog, der Tod eines verehrten Lehrers, der Leistungsdruck: das alles ist zu viel für den introvertierten Jungen. "Morgen! Komm nicht zur Schule", warnt er Lilly. Dann folgt, was sich logisch anbahnte und vorher keiner sehen wollte. Der angestaute Damm aus Hass und Frustration bricht.

Den begabten Darstellern gelingt das Wechselbad aus Zart und Hart bis ins Detail - die Zuschauer sind wechselweise amüsiert und schockgefroren. Dass die engagierte Ruppiner Truppe mit diesem Stück demnächst die Brandenburgischen Amateurtheatertage auf Burg Storkow eröffnet, ist eine hochverdiente Anerkennung.

Von Regine Buddeke

Info: Weitere Aufführungen in der Jugendkunstschule: Sonnabend, 7. Juni um 19.30 Uhr, Sonntag, 8. Juni um 16 Uhr, Freitag, 13. Juni um 19.30 Uhr.

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