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Brottüten-Aktion gegen Gewalt an Frauen

Ostprignitz-Ruppin Brottüten-Aktion gegen Gewalt an Frauen

Bäcker und Konditoren aus Berlin und Brandenburg beteiligen sich mit einer Brottüten-Aktion am Tag „Nein zu Gewalt an Frauen“. In 250 Filialen wird es 250  000 Tüten mit Informationen zu Anlaufstellen geben, bei denen Betroffene Rat und Hilfe finden. Mit dabei ist die Bäckerei Hausbalk aus Fretzdorf, die Filialen in Neuruppin, Kyritz und Wittstock hat.

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Fast jede siebte Frau in Deutschland wird vergewaltigt oder sexuell genötigt. Das besagt eine Studie des Bundesfamilienministeriums von 2004.

Quelle: EPD

Neuruppin. Der Landesverband der Bäckereien und Konditoren Berlin-Brandenburg beteiligt sich in diesem Jahr mit einer Brottüten-Aktion am Internationalen Tag „Nein zu Gewalt an Frauen“. In 250 Filialen von 28 Bäckereien wird es ab 20. November 250  000 Tüten geben, auf denen Informationen zu Anlaufstellen gedruckt sind, bei denen Betroffene Rat und Hilfe finden.

„Die Brottüte ist ein gutes Medium, um auf das Thema aufmerksam zu machen“, sagte Johannes Kamm, der Geschäftsführer des Landesverbandes, am Donnerstag. Zudem könnten Betroffene, die Gewalt erfahren haben, die Tüte auch ganz offen zu Hause aufbewahren, ohne groß aufzufallen. Hintergrund: Das Gros der Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffe wird laut Experten im familiären Umkreis begangen.

Viele Opfer stehen unter Schock

Auch die Fretzdorfer Bäckerei Hausbalk, die Filialen in Neuruppin, Kyritz und Wittstock hat, macht an der Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ mit. Für Thomas und Diana Hausbalk ist das selbstverständlich. „Wir wollen, dass die Leute vor diesem Thema nicht die Augen verschließen“, sagt Diana Hausbalk (48). Zudem sollten Betroffene nicht aus falsch verstandener Scham schweigen, sondern möglichst sofort nach der Tat nach Hilfe suchen. Das ist derzeit eher die Ausnahme. Vielmehr glauben viele Opfer von sexuellen Angriffen, dass sie selbst Schuld daran sind, dass ihnen Gewalt angetan wurde. Andere stehen unter Schock, sind traumatisiert, haben Angst vor der Rache des Täters. Die Folge: Sie wenden sich gar nicht oder erst Monate oder Jahre später an die Polizei.

In diesen Fällen fällt der Nachweis einer Vergewaltigung jedoch meist schwer und ist vielfach sogar unmöglich. Zum einen, weil es für die Tat in der Regel außer dem Täter keinen Zeugen gibt und dieser zumeist die Vorwürfe bestreitet; zum anderen, weil auch sämtliche Spuren wie Körperflüssigkeiten oder Hämatome und andere Verletzungen nicht mehr vorhanden oder einer bestimmten Tat zuzuordnen sind.

Kliniken sichern DNA und bewahren sie auf

Um mehr Vergewaltigungen aufklären zu können, gibt es in Brandenburg seit 2014 drei Kliniken, an die sich Opfer sexueller Übergriffe wenden können, darunter das Neuruppiner Krankenhaus. Die Frauen bekommen dort nach der Gewalttat nicht allein eine ärztliche Soforthilfe. Vielmehr werden die Spuren auch gesichert und auf Wunsch ebenfalls anonymisiert im Krankenhaus gelagert. Damit haben die Opfer Zeit zu überlegen, ob sie die Vergewaltigung gleich oder später anzeigen. Denn die DNA-Beweise werden aufgehoben und können damit auch noch nach Jahren vor Gericht verwendet werden. Laut einer Studie der Europäischen Union (EU) von 2014 gehen nur 15 Prozent der Frauen in Deutschland zur Polizei, wenn ihr Partner gewalttätig wird. Auch deshalb gibt es nur Schätzungen, wie viele sexuelle Straftaten es jedes Jahr gibt. Im Bereich der Polizeidirektion Neuruppin, die für Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel zuständig ist, wurden 2015 übrigens 30 Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung angezeigt. 2016 waren es laut Polizeisprecherin Dörte Röhrs 37 derartige Fälle.

Von Andreas Vogel

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