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Bruchlandung im Löschteich – Seeadler gerettet

Tierrettung in Wulfersdorf Bruchlandung im Löschteich – Seeadler gerettet

Er hielt den mit Entengrütze bedeckten Feuerlöschteich der Freiland-Legehennenfarm bei Wulfersdorf (Ostprignitz-Ruppin) wohl für eine Wiese und stürzte ins Wasser. Mitarbeiter zogen den erschöpften Vogel aber heraus und retteten ihm damit das Leben. Doch die ersten Versuche, ihn so schnell wie möglich wieder auszuwildern, scheiterten.

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Dieser Seeadler vollzog eine Bruchlandung im Feuerlöschteich.

Quelle: Wildtierauffangstation

Wulfersdorf. Das hätte auch tödlich enden können: Ein Seeadler war vor einigen Tagen in den Feuerlöschteich der Freiland-Legehennenfarm in Wulfersdorf gestürzt und drohte zu ertrinken. Hilflos ruderte er durch das kleine Gewässer, das mit Entengrütze bedeckt ist. Doch er hatte Glück im Unglück. Gerade noch rechtzeitig entdeckten ihn Mitarbeiter der Farm bei einem ihrer täglichen Routine-Rundgänge – und handelten sofort: Mit einer Harke holten sie den großen Greifvogel ans Ufer und zogen ihn schließlich aus dem Wasser. Das völlig durchnässte und entkräftete Tier habe daraufhin erst einmal etwas trocknen müssen, erzählt Produktionsleiterin Antje Beese. Warum es zu dieser Bruchlandung kam, kann sie nur vermuten: „Vielleicht hielt der Adler die grüne Wasseroberfläche für eine Wiese.“

Der erste Auswilderungsversuch klappte noch nicht

Der erste Auswilderungsversuch klappte noch nicht.

Quelle: Wildtierauffangstation

Der unverletzte, aber immer noch nasse Vogel kam zunächst einmal in die Wildtierauffangstation nach Struck (Prignitz), wo er sich zwei Tage lang ausruhen konnte. „Wir wollten ihn eigentlich vor Ort gleich wieder auswildern, aber er war noch zu erschöpft, um abzuheben“, begründet Angie Löblich von der Station die Entscheidung, ihn vorübergehend für ein paar Tage aufzunehmen. Nachdem sich der unverhoffte Pensionsgast ausgeruht und Futter bekommen hatte, habe die Auswilderung „wunderbar geklappt“, berichtet sie. „Als er sich in die Lüfte schwang, kamen noch drei weitere Artgenossen hinzu, mit denen er dann in Richtung Waldgrenze davonflog.“

Kraftvolle Fänge sind gefährlich

Ornithologe Jürgen Kaatz kann die Reaktion der Mitarbeiter der Farm nur loben: „Sie haben alles richtig gemacht.“ Er weiß, dass es einigen Mut erfordert, einen so großen Greifvogel zu packen. „Ich würde es mir genau überlegen, wie ich es mache“, erklärt Kaatz, der schon unzählige Vögel aller Arten und Größen beringt hat und auch den Unglücksadler mit einem Ring versah. Er empfiehlt, einen Seeadler oben an den nach hinten gelegten Flügeln zu nehmen, ähnlich wie man auch ein Huhn oder eine Taube halten würde. Unbedingt fernhalten müsse man sich von den sehr kraftvollen Fängen.

Die Adler wissen genau, wann die Legehennen aufs freie Gelände gelassen werden und sind alsbald da

Die Adler wissen genau, wann die Legehennen aufs freie Gelände gelassen werden und sind alsbald da.

Quelle: Wagener

Die Legehennenfarm in Wulfersdorf ist ein Paradies für die imposanten Vögel. „Acht von ihnen sind dokumentiert und täglich hier, manchmal sind es auch bis zu zwölf“, sagt Antje Beese. Die schlauen Adler wissen genau, dass die rund 36 000 Hennen jeweils um 10 Uhr den Stall verlassen, um sich dann bis zur Dämmerung auf dem etwa 17 Hektar großen Gelände aufzuhalten. Kaum sind die Türen geöffnet, zeigen sich auch die ersten Adler am Himmel. Zwar gibt es Schutzdächer aus Metall, aber die Jäger machen trotzdem hin und wieder ihre Beute. „Die Verluste sind unkalkulierbar“, sagt Antje Beese. Insgesamt kämen jährlich etwa 2000 Tiere abhanden, inklusive der Verluste durch Füchse, die aber wesentlich geringer ausfielen. „Gegen Füchse kann man die Anlage besser schützen. Bei der Gefahr von oben wird das schon schwieriger“, so die Produktionsleiterin. Sie berichtet, dass sich die Adler auch direkt unter die Hennen mischen und sich auf diese Weise „bedienen“.

Offenbar hielt der Seeadler den Teich für eine Wiese

Offenbar hielt der Seeadler den Teich für eine Wiese.

Quelle: Wagener

Laut Jürgen Kaatz ziehe die Anlage in Wulfersdorf so viele der geschützten Jäger an wie kaum eine andere. „Es gibt einen Videobeweis, wonach einmal 63 Seeadler über der Legehennenfarm und dem angrenzenden Bereich gezählt wurden“, berichtet er und ist gleichzeitig froh, dass, die Mitarbeiter des Betriebes trotz der Verluste durch die Adler und andere Greifvögel so umsichtig gehandelt haben. „Wir sind hier doch alle Tierfreunde. Geflügel ist Geflügel“, sagt Antje Beese.

Von Björn Wagener

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