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Brunnen unterm Pflaster

Kyritz Brunnen unterm Pflaster

Im Zuge der Straßenbauarbeiten in der Kyritzer Johann-Sebastian-Bach-Straße sind Archäologen jetzt auf Spuren eines Brunnens gestoßen, der wahrscheinlich in der Zeit der Stadtgründung vor knapp 800 Jahren angelegt wurde.

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Der Graben für die neuen Entwässerungsleitungen schneidet quer durch die Spuren der Stadtgeschichte.

Quelle: Alexander Beckmann

Kyritz. Dass da was ist, sieht sogar der Laie: Direkt vor der Bäckerei Armster unterbricht ein dunkler Kreis den hellen Sand unter dem Pflaster der Kyritzer Johann-Sebastian-Bach-Straße. Archäologe Olaf Brauer, der den Straßenbau begleitet, ist von dem Fund ziemlich begeistert. Akribisch lässt er jede Einzelheit vermessen und dokumentieren.

Für Brauer steht fest, dass es sich um die Reste eines alten Brunnens handelt. Eines sehr alten Brunnens. „Aus unserer Sicht datiert er in die Gründungszeit der Stadt, also in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts.“

Da hatten die Kyritzer lange was von

Später in der Stadtgeschichte wurde das Loch offenbar behelfsmäßig zugeschüttet – mit mäßigem Erfolg. Die Schichten der mittelalterlichen Straßenbefestigung zeigen im Bereich des Brunnens eine klare Ausbuchtung nach unten: Das Loch muss über Jahrhunderte immer wieder zu Absenkungen in der Straßenoberfläche geführt haben.

Die Lage mitten auf der heutigen Fahrbahn spricht dafür, dass es sich um einen öffentlichen Brunnen handelte. Die Straße in dem Bereich gibt es schon sehr, sehr lange. Sehr wahrscheinlich war sie nicht ganz so breit wie die heutige Johann-Sebastian-Bach-Straße. Vielleicht gab es um den Brunnen herum aber auch eine Ausbuchtung, einen kleinen Platz.

Fest steht für den Archäologen, dass die Brunnenwände nicht gemauert, sondern nur mit Holzbohlen befestigt waren. Im Prinzip handelte es sich also um ein tiefes Loch mit einer Verschalung, die das Zusammensacken verhinderte.

Schlicht wie das Leben in der Stadt

Das Kyritzer Leben damals, kurz nach der Stadtgründung, war recht schlicht. Die Wasserversorgung beispielsweise beruhte ausschließlich auf solchen Brunnen, deren Zahl angesichts der aufwendigen Handarbeit zumindest anfangs überschaubar gewesen sein dürfte. Allzu frisch wird ihr Wasser auch nicht gewesen sein. Schließlich existierte noch keine Abwasserentsorgung. Aller Unrat wurde in Gruben in direkter Nachbarschaft gesammelt oder er landete gleich auf der Straße, wo zumindest zeitweise hölzerne Abflussrinnen bestanden. Die Archäologen haben entsprechende Spuren gefunden.

„Wir hätten gern noch tiefer gegraben“, sagt Olaf Brauer, „aber das lässt der Bauablauf nicht zu.“ Die Vorstellungen vom Kyritzer Alltag vor rund 780 Jahren sind bislang größtenteils allgemeiner Natur. Die Siedlung war damals jedenfalls gezielt gegründet worden, um das rund zwei Jahrhunderte zuvor eroberte Gebiet zu kolonisieren und gegen die Ansprüche anderer zu verteidigen. Vermutlich deshalb erhielt Kyritz auch früh in seiner Geschichte das Stadtrecht: Es gestattete zum einen den Bau von Befestigungen und hielt zum anderen mit gewissen Privilegien die Kolonisten bei der Stange.

Von Alexander Beckmann

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