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Brutvögel zählen für die Wissenschaft

Negativer Trend im Vogelparadies Brutvögel zählen für die Wissenschaft

Anselm Ewert von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Ostprignitz-Ruppin sammelt Daten für das Monitoring häufiger Brutvogelarten. Wie viele andere ehrenamtliche Helfer leistet er damit einen Beitrag zur systematischen Erfassung der Brutvogelbestände in Deutschland.

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Den Kiebitz sieht man nur noch selten in der Agrarlandschaft.

Quelle: MAZ-Archiv

Neuruppin. Auf dem Schreibtisch von Anselm Ewert liegt der dicke Atlas der Brutvögel, erschienen im vergangenen Jahr. Der Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Ostprignitz-Ruppin war selbst an der Entstehung dieses Werkes beteiligt, denn bis zum Jahr 2008 flossen auch seine ermittelten Daten mit ein. Von März bis Juni – morgens noch vor dem Frühstück – begibt er sich als ehrenamtlicher Helfer in die Natur, um dem Gesang der Vögel zu lauschen. Das tut er allerdings nicht nur aus Liebe zu den gefiederten Arten. Anselm Ewert beteiligt sich seit 2004 am Monitoringprogramm häufiger Brutvögel.

Um gesicherte Langzeitaussagen zu Bestandsentwicklung von häufigen Vogelarten treffen zu können, ist es notwendig, jährlich systematische Erfassungen der Brutvogelbestände durchzuführen. Dies geschah bereits seit 1989 in Deutschland. 2004 startete der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) mit einer neuen Methode, der „Linienkartierung“, die bisher praktizierte Verfahren ablöste. Dafür wurden vom Statistischen Bundesamt insgesamt 1000 Probeflächen für ganz Deutschland per Zufall ausgewählt (Bundesflächen). Um die Methode auch auf die Bundesländer anwenden zu können, wurden weitere 1637 Landesflächen gezogen. In Brandenburg existieren 98 Bundes- sowie 112 Landesflächen zur Brutvogelerfassung.

Brutvogel-Monitoring in Brandenburg

wurde in Brandenburg wie in ganz Deutschland das neue Monitoring häufiger Brutvogelarten nach der Methode der Linienkartierung gestartet.

wurden 210 Probeflächen in der Größe von einem Quadratkilometer gezogen. Bis 2007 konnten davon 184 Flächen an Bearbeiter vergeben werden.


begehen eine etwa drei Kilometer lange Strecke an vier Tagen innerhalb der Zeitperioden vom 10. bis 31. März, vom 1. bis 30. April, vom 1. bis 20. Mai sowie vom 21. Mai bis 20. Juni.

Vogel-Reviere werden digitalisiert. Allein 2006 waren es 18 169 Reviere.

und Buchfink waren mit 1342 beziehungsweise 1325 Revieren die häufigsten Brutvogelarten.

von 2005 zu 2006 zeigten bei den Brutvögeln Misteldrossel, Dorngrasmücke und Nebelkrähe. Die stärksten Abnahmen wurden bei Rohrammer, Girlitz und Bachstelze festgestellt.

In den Monaten März, April, Mai und Juni durchlaufen die Ornithologen die 100 Hektar große quadratische Fläche auf einer circa drei Kilometer langen Strecke und tragen ihre Beobachtungen zu den Brutvögeln in eine Tageskarte ein. „Dabei müssen die unterschiedlichen Brutzeiten der Vögel berücksichtigt werden“, sagt Anselm Ewert. Viele Arten bestimmen die Fachleute am Gesang. Auch detailliertes Fachwissen über die Beschaffenheit des Gefieders ist für die Bestimmung von Nutzen. Nach Abschluss der vier Begehungen werden diese Beobachtungen in Artkarten übertragen, aus denen dann ersichtlich wird, wie viele Reviere einer Art es entlang der Route gibt.

„Ohne ehrenamtliche Tätigkeit wären diese Erfassungen gar nicht möglich“, sagt der leidenschaftliche Naturschützer. „Dass ich dafür meine Freizeit opfere, macht für mich durchaus Sinn. Denn nur so sind sichere Langzeitaussagen zu Bestandsentwicklungen möglich.“ Brandenburg nimmt unter den Ländern hinsichtlich des Monitorings auch eine ganz besondere Rolle ein, denn unter den Brutvögeln gibt es zahlreiche Arten, die vorwiegend im Osten Deutschlands brüten. Dazu gehören unter anderem der Rohrschwirl, der Drosselrohrsänger, der Ortolan und die Grauammer, „ein typischer Ostvogel“, sagt Ewert.

Mit der neuen Erfassungsmethode können statistisch abgesicherte, langfristige Trendaussagen getroffen werden. Der Indikatorenbericht 2014 des Bundesministeriums für Umwelt und Naturschutz zeigt, wie es um die Erhaltung der biologischen Vielfalt in Deutschland bestellt ist . Als Schlüsselindikator für die Nachhaltigkeit von Landnutzungen wurde der Indikator „Artenvielfalt und Landschaftsqualität“ entwickelt. Um ihn zu beurteilen, wurden 51 Vogelarten ausgewählt, die die wichtigsten Landschafts- und Lebensraumtypen Deutschlands repräsentieren – Agrarland, Wälder, Siedlungen, Binnengewässer sowie Küsten und Meere. Für die Berechnungen wurde das im Jahr 2004 begonnene Monitoring häufiger Brutvögel einbezogen. Das Fazit ist erdrückend – in allen Lebensräumen geht die Artenvielfalt zurück. Der Zielwert, der für das Jahr 2015 angesetzt wurde, konnte nicht erreicht werden. Der Trend ist negativ. An Küsten und Meeren gab es deutliche Rückgänge bei Küstenseeschwalben, Austernfischern und Sandregenpfeifern. Die an den Küsten ergriffenen Schutzmaßnahmen konnten keine Trendwende erreichen. Bei den Binnengewässern gab es in den letzten Jahren deutliche Schwankungen. Maßnahmen zur Renaturierung von Flüssen und Auen sowie reduzierter Nährstoffeintrag könnten die Lebensräume positiv beeinflussen. In Siedlungen werden die Flächen zunehmend versiegelt, naturnahe Lebensräume und dörfliche Strukturen gehen verloren. Gebäudebrüter und Arten, die auf Brachen angewiesen sind, haben es schwer. Obwohl der Zielwert auch in den Wäldern nicht erreicht ist, haben der Waldumbau und die Förderung naturnaher Waldbewirtschaftung zu einer hoffnungsvolleren Entwicklung beigetragen. Besonders kritisch ist die Bestandssituation vieler Vogelarten im Bereich des Agrarlands. Vögel, die auf Äckern, Wiesen und Weiden brüten, gehen weiter im Bestand zurück. Besonders bei Braunkehlchen, Kiebitz, Neuntöter und Uferschnepfe gibt es einen starken negativen Trend. Grünlandumbruch und Energiepflanzenanbau haben Auswirkungen auf die Landschaftsqualität.

Für Anselm Ewert ist die Situation klar: „Um einen positiven Trend zu erreichen, bedarf es erheblicher Anstrengungen von Bund, Ländern und im kommunalen Bereich.“

Zusehen möchte der Naturschützer dennoch nicht. Er hat ein weiteres Betätigungsfeld gefunden. Er berät Landeigentümer, unter anderem Kirchengemeinden, bei der Verpachtung ihrer Ländereien und Aufstellung des Pachtvertrages.

Von Cornelia Felsch

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