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Ostprignitz-Ruppin Gedruckte Leidenschaft
Lokales Ostprignitz-Ruppin Gedruckte Leidenschaft
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18:33 26.05.2014
Marc Johne am Kobold-Druck-Automat. Er träumt von einer Museumsdruckerei zum Anfassen und Ausprobieren in Buskow. Quelle: Regine Buddeke
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Buskow

"Wir produzieren all das, was andere Verlage sich nicht leisten wollen", sagt Marc Johne. In seiner Stimme schwingt Stolz mit. "Wenn wir ein Buch herausgeben, sind wir davon überzeugt, dass es seine Leser finden wird." Sachbücher über den antifaschistischen Widerstand, über Friedrich den Großen und dessen Korrespondenz, ein Band über Heinrich Heine und Kurt Tucholsky in Paris, ein Zwiegespräch zwischen Opa und Enkel über den Mauerbau oder kritische Betrachtungen über den "Sozialstaat in der Sackgasse" - die Themenpalette der Edition Bodoni ist breit. Der Anspruch hoch. Nicht irgendein Druckerzeugnis soll es sein - jedes Werk ist dem Erbe des großen Typografen Giambattista Bodoni verpflichtet, dessen gleichnamige klassizistische Antiqua-Schrift noch heute zu den Klassikern gehört.

Marc Johne wurde die Liebe zur Letter in die Wiege gelegt. Sein Vater Klaus Johne, ein namhafter Typograf, gab seine Leidenschaft nicht nur an seine Ostberliner Studenten weiter, sondern auch an seinen Sohn. "Ich habe schon mit 13 Jahren neben der Schule in einer Druckerei mitgearbeitet", so Marc Johne, der das Handwerk des Schriftsetzers und Druckers von der Pike auf gelernt hat. Leuchtende Augen bekommt er, wenn er über historische Drucktechnik spricht. "Alles, was mit Bleisatz zu tun hat", fasst er zusammen. Auch nach dem Tod seines Vaters 2011 werden deshalb die typografisch anspruchsvoll gesetzten Blätter in Sammelmappen herausgegeben, beispielsweise zu Texten von Heinrich Heine. "Heine war ein kritischer Zeitgeist", so Johne, für den Politik ohne Kultur nicht funktioniert. Gedruckt werden die kleinen Kunstwerke im Bleisatz und Hochdruck: mit handgesetzten Lettern auf historischen Maschinen. Denn das ist neben der modernen Druckerei und dem Verlag Edition Bodoni eine Herzenssache von Marc Johne und seinen Mitstreitern: die Museumsdruckerei.

Seit 2012 lagert in einem ehemaligen Kuhstall in Buskow bei Neuruppin eine komplett erhaltene historische Druckwerkstatt. Johnes Vision ist eine museale Werkstatt ohne rote Absperrkordeln. Eine Stätte zum Ausprobieren und Selbermachen. Für Kulturschaffende, Historiker, Technikfans oder Schüler. "Es ist die älteste, original erhaltene Druckerei Berlins - mit komplettem Mobiliar, Setzkästen, uralten Auftragsbüchern", so Johne, der dem betreuenden Verein "Buchwerk Bodoni e.V." vorsteht. In der Hauptstadt war die Druckerei, die 1885 erstmalig urkundlich erwähnt wurde, bis 2004 in der Linienstraße in Betrieb. Nach Kündigung der Räume lagerten die Teile sieben Jahre in den Räumen einer Spedition, bevor Marc Johne sie nach Buskow brachte. Nun hofft er, in Abstimmung mit den regional Verantwortlichen, die Werkstatt wieder zum Leben erwecken zu können.

"Das sind nicht einfach nur Maschinen", sagt er, "sondern kulturhistorisches Erbe. Wir möchten hier alte Druckkultur erlebbar machen." Da ist er auch für jede Idee offen. "Man kann Lettern mit der Kettensäge aus dem Baum schneiden und anschließend drucken", so der Gestalter, dem die Symbiose zwischen moderner und antiker Drucktechnik am Herzen liegt. So ist es für ihn ganz natürlich, den Innenteil eines Buches digital zu drucken und den Buchumschlag traditionell im Bleisatz. Buchstabe für Buchstabe wird aus einem der vielen Setzkästen gefischt und auf dem Setzschiff spiegelverkehrt zusammengestellt. Viel Puzzlearbeit, bevor die sauber abgebundene Kolumne unter die Walzen der Druckerpresse kommt. Etwa den "Kobold Druck Automat", von dem es weltweit nur noch acht Exemplare gibt. Oder der MAN-Stoppzylinder, auf dem Johne vielleicht Texte von befreundeten Musikern und Dichtern drucken wird. Denn auch das ist Marc Johne wichtig: der Gemeinschaftsgedanke.

Nicht ohne Grund wurde deshalb der Namen "Vielseithof" für das Anwesen gewählt. Warum nicht Musiker zu den Autoren und Buchgestaltern gesellen? Konzerte, Lesungen, gestalterische Workshops. "Drucken und feiern", das sei bereits zu Berliner Zeiten Usus im Verein gewesen, in dem zurzeit 15 Mitglieder aktiv ihre Liebe zur Schriftkunst teilen. Diese Tradition möchte Johne gern in dem kleinen Dorf bei Neuruppin weiterleben lassen, in dem sein Vater jahrelang sein Atelier hatte und der Sohn praktisch halb in Berlin, halb in Buskow aufwuchs. "Der direkte Kontakt zu den Menschen funktioniert gut", so Johne, der mit Neuruppins Kulturmanager Mario Zetzsche im Dialog steht und sich eine Zusammenarbeit mit der Jugendkunstschule und Neuruppiner Schulen vorstellen kann.

In einer Berliner Kita hat er schon eine Druckerwerkstatt für Kinder etabliert. Die Resonanz war überwältigend. Die drei Erzieher waren hin und weg vom Interesse der Kinder, die sich die Buchstaben aus Pappe oder Linol schnippeln. Warum er solchen Aufwand betreibe, wird er manchmal gefragt. "Es ist für mich wichtig, Menschen für kulturelle und gesellschaftliche Inhalte zu begeistern", sagt der Buchgestalter. "Ich habe die kühnsten Träume. Und hoffe, die Leute hier sind offen dafür."

Von Regine Buddeke

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