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Bürger sollen selbst Mülleimer leeren

Neuruppin will sparen Bürger sollen selbst Mülleimer leeren

Der Streit um die abgebauten Papierkörbe in den Neuruppiner Ortsteilen hat noch kein Ende. Denn das Rathaus ist nur bereit, die Papierkörbe wieder anzubringen, wenn sich in den Ortsteilen jemand findet, der sich ums Ausleeren kümmert. Mehrere Ortsvorsteher sind sauer.

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Wenn ein Dorf wieder Papierkörbe haben will, dann muss sich dort auch jemand ums Ausleeren kümmern, heißt es aus dem Neuruppiner Rathaus.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Der Streit um die abgebauten Papierkörbe in den Neuruppiner Ortsteilen hat noch kein Ende. Gnewikows Ortsvorsteher Olaf Matschoss ist jedenfalls sauer, dass die Stadt die abgebauten Abfallbehälter in seinem Ort trotz mehrfachen Protestes im Rathaus noch immer nicht wieder angebaut hat. So bald wird sich daran aber wohl auch nichts ändern.

2014 hatte die Stadtverwaltung die meisten Abfallbehälter in den Neuruppiner Dörfern vom Bauhof abbauen lassen. Bei etlichen Ortsvorstehern hatte das für Unmut gesorgt. Baudezernent Arne Krohn hatte die Maßnahme zwar angekündigt, doch viele Ortsbeiräte hielten das offenbar für einen Scherz. Wie ernst es der Stadtverwaltung ist, haben sie erst bemerkt, als die Papierkörbe weg waren.

Bauhof und Stadthaushalt sollen entlastet werden

Durch den Abbau erhofft sich die Stadt eine Entlastung für den Bauhof und am Ende auch eine Entlastung für den Stadthaushalt. Die regelmäßigen Touren des Bauhofes durch die Ortsteile kosten viel Geld – auch dann, wenn die Papierkörbe leer oder allenfalls halb voll sind. Aus Sicht der Verwaltung werden die meisten Papierkörbe nicht gebraucht. Das sehen viele Ortsvorsteher anders und fordern seit Monaten, dass die Behälter wieder angeschraubt werden. Doch das werden sie unter den bisherigen Bedingungen auf keinen Fall, hatten die Gnewikower aus dem Rathaus zu hören bekommen. „Papierkörbe werden nur dann wieder aufgestellt, wenn die Stadt dafür Pflegeverträge abschließen kann“, musste Ortsvorsteher Matschoss am Montag im Ortsbeirat erklären.

Konkret heißt das: Wenn Gnewikow wieder Abfallbehälter haben will, dann muss der Ort dafür sorgen, dass sich jemand aus dem Dorf darum kümmert, sie regelmäßig leer macht und das Umfeld in Ordnung hält. Dass sich wie früher der Stadtbauhof darum kümmert, kommt für die Neuruppiner Verwaltung nicht mehr infrage.

Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde

Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde.

Quelle: Peter Geisler

Das gilt nicht nur für Gnewikow, stellte Bürgermeister Jens-Peter Golde auf Nachfrage klar: „Wir sind bestrebt, in allen Ortsteilen Pflegeverträge abzuschließen.“ Und das auch nicht allein für Papierkörbe. Neuruppin schließt Verträge für Beete, Rasenflächen, Wege und auch für das Kehren an Bordsteinkanten ab.

Bürger oder Vereine müssten die Arbeiten allerdings nicht kostenlos machen, sagte Bürgermeister Golde: Die Stadt ist bereit, dafür einen Obolus zu zahlen – wenn auch nur einen geringen.

„Es geht uns um Einsparungen“, sagte Kämmerer Willi Göbke ganz klar. Er ist überzeugt, dass die Einwohner in den Ortsteilen vieles billiger erledigen können als der städtische Bauhof, dessen Mitarbeiter immer erst aus Neuruppin ins jeweilige Dorf fahren müssten. Weil Neuruppin sparen musste, wurde in den vergangenen Jahren das Budget für den Stadtbauhof drastisch zusammengestrichen. Das wenige Geld, das er jetzt noch aus der Stadtkasse bekommt, soll er für andere Projekte möglichst sinnvoll ausgeben.

Kleiner Obolus für die Papierkorb-Paten

Mit Radensleben hat die Stadt Neuruppin in diesem Jahr schon einen weitreichenden Pflegevertrag abgeschlossen. Dort übernehmen die Einwohner jetzt einen Großteil dessen, wofür die Stadt bisher eigentlich zuständig war. Dort läuft die ehrenamtliche Hilfe schon lange, wurde jetzt aber per Vertrag noch einmal besiegelt und ausgeweitet. 5000 Euro bekommen die Radenslebener dafür im Jahr – deutlich weniger als Neuruppin ausgeben müsste, wenn es eine Firma mit der Pflege rund um Campo Santo oder den Kirchhof beauftragen müsste.

Ganz so viel Geld würde es für die Papierkorb-Paten nicht geben. Eine konkrete Summe kann Rathauschef Golde nicht nennen. Der Obolus ist eher symbolisch gemeint, räumte er ein: „Es geht eher darum, dass den Leuten nicht noch zusätzliche Kosten entstehen.“ Die Stadt könnte sich deshalb vorstellen, vielleicht einmal im Jahr das Leeren einer Mülltonne zu bezahlen, damit die Papierkorbpaten nicht noch das Entsorgen des Abfalls selbst berappen müssen.

Richtig zufrieden ist Gnewikows Ortsvorsteher Matschoss mit dieser Lösung nicht. Gnewikow ist aber immer noch in der glücklichen Lage, dass sich das Jugenddorf schon jetzt um einige Abfallbehälter im Dorf kümmert. „Es gibt aber auch Ortsteile, die erklärt haben, dass sie gar keine Papierkörbe brauchen“, sagte Dezernent Arne Krohn.

Von Reyk Grunow

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