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Ostprignitz-Ruppin Bürgermeister-Talk zur Kulturpolitik
Lokales Ostprignitz-Ruppin Bürgermeister-Talk zur Kulturpolitik
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04:25 27.02.2018
Das Interesse war groß: 50 Besucher kamen zum „Treffpunkt Amtsstube“ und diskutierten mit Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow über Rheinsbergs Kulturpolitik. Quelle: Regine Buddeke
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Rheinsberg

„Wenn Geld für den Flughafen da ist, muss auch Geld für die Kultur da sein“. Klare Worte von Rheinsbergs frischgebackenem Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow. Was genau damit gemeint ist, war am Mittwoch Abend Thema bei der Gesprächsrunde, die regelmäßig unter dem Motto „Treffpunkt Amtsstube“ im Kavalierhaus des Schlosses stattfindet. Eingeladen hatte die Musikkultur Rheinsberg und um die ging es auch im Klartext – aber nicht nur.

Das Schlosstheater als Karnevalshochburg funktioniert auch bestens. Quelle: Regine Buddeke

Das große Thema war die „Zukunft der Kulturpolitik in Rheinsberg“. Eines, das die Gemüter bewegt, seit die Kammeroper mit der Musikakademie fusionierte – das Wort Zwangsehe stand damals im Raum. Die Diskussionen wurden nicht kleiner – Dank der ständigen Wechsel an der Führungsspitze des neuen Konstrukts. Und bekam neuen Zunder, als überraschend bekannt wurde, dass der künstlerische Leiter Frank Matthus, Sohn der Kammeropergründers Siegfried Matthus, sein Amt bereits 2018 niederlegt, obwohl er gerade erst begonnen hatte, richtig loszulegen und dem Opernsommer-Festival frische neue Impulse zu verpassen.

ABBA Tribute Show in Rheinsberg Anfang 2017 im Schlosstheater. Quelle: Regine Buddeke

Heiße Eisen – so war es nicht erstaunlich, dass gut 50 Rheinsberger kamen. Die Amtsstube erwies sich als Lokation zu klein und das Gespräch wurde kurzerhand ins Foyer des Schlosstheaters verlegt. Ohnehin ein passender Rahmen fürs Thema. Schon deshalb, weil Schwochow im Januar als Bürgermeister erstmalig an der Aufsichtsratssitzung der Musikkultur Rheinsberg teilnahm und später in der Presse über das Programm der Musikkultur äußerte: „Im Schlosstheater Rheinsberg sollte aufgeführt werden, was dem Publikum gefällt“, im Theater sei „Platz für Jazz und Oper, aber auch mal für eine Beatles-Revival-Band, falls die Zuschauerzahlen stimmen“. Das stieß nicht unbedingt bei allen Rheinsbergern auf Gegenliebe.

Neben Frank-Rudi Schwochow saß als Moderator des Abends Dietmar Stehr, langgedienter Lokaljournalist im Ruppiner Land. „Als ich damit angefangen habe, war Herr Schwochow noch Grundschüler“, scherzt er. Ungeachtet dessen ging der neue Bürgermeister gut vorbereitet – wie es seine Art ist – in die Diskussion, in der Stehr nicht müde wurde, den Finger auf die wunden Punkte zu legen.

Matinee Rheinsberg : Kann man in der Oper improvisieren? Quelle: Regine Buddeke

Stehr erkundet zuallererst Schwochows kulturelle Affinität. Ob er ab und an mal durch den Schlosspark spaziere? Eher selten, gibt der Gefragte zu. Aber bei Veranstaltungen sei er durchaus gewesen. „Was mir gefällt, höre ich mir an“, so der Fan von Vinylplatten. Ob er viel lese? Sehr viel – ist zu erfahren. „Vor allem Verwaltungsakten“. Gleichwohl stehe er weiter zu seiner Meinung, dass auch Revival-Shows im Schlosstheater ihre Existenzberechtigung haben, so man den Saal damit fülle. E

s gebe Leute, die mit Oper nichts am Hut hätten – warum die nicht mit anderen Formaten locken. Kultur sei nicht nur „Hochkultur“ und insofern Rock-Pop-Musical durchaus eine schöne Ergänzung. Und ein weiteres Stück Attraktivität der Stadt. Und nein, als Konkurrenz zu Neuruppin oder Wittstock sehe er Rheinsberg damit nicht – im Gegenteil. „Es ist eine Ergänzung“. Ohnehin sei Kooperation der kulturellen Akteure wünschenswert, wie Rheinsberg es im Fall das Laga 2019 mit Wittstock anstrebe. „Das stärkt doch die ganze Region“, so Schwochow.

Im Schlosstheater sind viele Veranstaltung aller Art übers Jahr zu sehen. Quelle: Regine Buddeke

Wichtig sei ihm, betont Schwochow, dass das Land sich mehr einbringe, was die Finanzierung betreffe. Kultur ist nichts, was Gewinne erzielt. Da müsse das Land sich positionieren – er für sein Teil wolle da Druck machen. Konzepte und Pläne seien nur solange gut, wenn man sie umsetze. „Wir müssen anfangen. Mit eigenen Ideen – und nicht teure Leute einkaufen, um Pläne zu machen.“ Applaus aus dem Saal.

Ob die Fusion richtig war, und welche Stellen jetzt wie und mit oder ohne Ausschreibung neu besetzt werden, sieht er nicht als seine Baustelle. „Die Musikkultur ist in der Lage, diese Probleme zu lösen“, setzt er auf die Kompetenz der Experten in Sachen Kultur. „Aber Klarheit ist immer gut.“ Dass die Stelle wie befürchtet „politisch besetzt“ werde, davon sei ihm nichts bekannt.

Warum nicht auch Revival-Shows, findet Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow: hier im Bild die ABBA Tribute Show vor vollem Saal. Quelle: Regine Buddeke

Befragt zum Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum lobt er zuerst die Arbeit von Chef Peter Böthig. „Er macht einen sehr guten Job.“ Gleichfalls stellt er in Aussicht, dass die zum Museum gehörende und seit Jahren geschlossene Alfred Wegener Gedenkstätte in Zechlinerhütte bald wieder eröffnen würde. „Ich gehe davon aus, dass wir zu Beginn der Saison, um Ostern, wieder öffnen. Die Verträge liegen im März vor.“ Die Stadt nehme dafür 7000 Euro in die Hand, um regelmäßige Öffnungszeiten zu finanzieren. „Mit ABM- und MAE-Kräften geht das nicht“, sagt er. Prognosen zur Zukunft wagt er nicht. „Wir gehen jetzt den ersten Schritt.“

Big Brass und Solisten der Kammeroper in concert "Jazz fetz" in Rheinsberg Quelle: Regine Buddeke

Schwochow verweist darauf, dass Kultur keine Sache der Kernstadt allein sei – kulturelle Leuchttürme hin oder her. Kultur heiße auch Gesangswettbewerbe oder Basdorfer Backofenfest. Auch die Ortsteile seien im Sommer voll kulturellem Leben. „Da steppt oft der Adler“, bricht er eine Lanze dafür, dass Kulturförderung auch in die ländliche Region fließen solle. Problem dabei: „Wenn ich Leute aus Berlin holen will, muss ich auch passende ÖPNV-Angebote haben.“ Erneut Applaus. „Und auch Sachen, die ich nach der Veranstaltung mach.“ Hochgeklappte Bürgersteige seien keine Option.

Rheinsberg ist auch Keramikstadt – im Bild eine Vernissage in der Rhinpassage. Quelle: RegineBuddeke

Am Ende gibt es einige Fragen aus dem Saal: zu Windrädern, die die Touristen vergraulen. Auch zur Idee Schwochows, warum man nicht den Hochzeittourismus ankurbele – Claire und Wölfchen lassen grüßen – indem man Hochzeiten im Schloss anbiete. Detlef Fuchs, der sich im Auftrag der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten um das Rheinsberger Schloss kümmert, hat Einwände dagegen.

„Man sollte damit nicht leichtfertig umgehen. Im Sterbezimmer des Prinzen, wie mal angedacht, wäre das keine gute Idee“, wendet er ein. Und „Frauen hatten im Schloss eine eher traurige Rolle.“ Gut – das Schloss hat mehr als nur ein Zimmer und auch andere Trauungs-Orte haben ihre – bekannte oder unbekannte – leidvolle Geschichte.

Instrumentenerfinder und Komponist Hans Karsten Raecke betreibt die „Musikbrennerei“. Auch das ein Beitrag zu Rheinsbergs Kulturszene. Quelle: Regine Buddeke

Hans-Norbert Gast, Drehorgelspieler aus Rheinsberg, ist anderer Meinung als Fuchs. Er habe viele Paare kennengelernt, die sich gern im Schloss trauen ließen. Oder auf dem Halbeckschen Dampfer mitten auf See – auch das sei aber nicht gestattet. Ob da nicht Lockerungen oder Sondergenehmigungen möglich seien? Was ihm ebenso wichtig sei: Man solle den Fokus über Kammeroper hinaus auch mehr auf Rheinsbergs Kleinkultur legen, sagt er und verweist auf die Musikbrennerei, Folkfest und mehr.

„Hohe Kultur schön und gut – aber wir haben noch mehr zu bieten.“ Das sehen auch Bianka und Peter Grosse so, die seit drei Jahren im Hafendorf leben. „Wir sind auch Rheinsberger – aber nachts ohne Laternen und ein Stück Radweg als Anbindung fehlt auch noch“, geben sie Schwochow mit auf den Weg. „Wir sind hier nach Rheinsberg gezogen, weil es ein wunderbarer Ort ist. Mit so vielen Alleinstellungsmerkmalen. Wenn wir die pflegen und weiterentwickeln, haben wir eine Riesenpotenzial.“

Von Regine Buddeke

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