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Ostprignitz-Ruppin Bürgermeisterin nutzt Klappschlüssel
Lokales Ostprignitz-Ruppin Bürgermeisterin nutzt Klappschlüssel
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00:18 31.10.2016
Die Bürgermeisterin Annett Jura braucht vor allem Platz zum Arbeiten auf ihrem Schreibtisch. Quelle: MichaelBeeskow
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Perleberg

Lange vorher wussten die Perleberger Stadtväter, dass sie eine Bürgermeisterin bekommen würden. Auf dem runden Tisch vor Annett Jura liegt ein Schlüssel, der nur ihr gehört und mit dem sie die schwere Rathaustür auf- und wieder abschließen kann. Gute alte Handwerksarbeit, wohl 20 Zentimeter lang. „Der passt in keine meiner Taschen“, verrät die Bürgermeisterin. Wenn es da nicht ein Aber gäbe. Denn etwa in der Mitte des Halms ist ein Scharnier angebracht. Jedes Mal, wenn Annett Jura den Schlüssel einklappt und in die Tasche steckt, freut sie sich, wie vorausschauend die Stadtväter doch waren, als sie diesen Schlüssel anfertigen ließen.

Das Perleberger Rathaus ist altehrwürdig; ihr Dienstzimmer hat Annett Jura in diesem Jahr jedoch einer Verjüngungskur unterzogen. Als sie am 2. März 2015 erstmals die 63 Stufen zu ihrem neuen Arbeitsplatz hochstieg, war sie noch etwas benommen von der Situation: „Jetzt bist du Bürgermeisterin.“ „Ich konnte es noch gar nicht glauben“, erinnert sie sich. Am ersten Arbeitstag schob sie den Stuhl am Schreibtisch mal nach links, mal nach rechts. „Es hat schon eine Weile gedauert, bis dieser Platz für mich normal war.“

Beim Antrittsbesuch wirkte der Raum wie ein Museum

Das Bürgermeisterzimmer war noch genau so, wie sie es zum ersten Mal gesehen hatte. 2007 war Annett Jura Koordinatorin im Wachstumskern Prignitz geworden und machte ihren Antrittsbesuch bei Bürgermeister Fred Fischer. „Das sieht tatsächlich aus, wie in einem alten Rathaus“, habe sie sich gedacht. „Aber es wirkte auch museal.“ Der alte Schreibtisch, der große alte Schrank, der Beratungstisch aus Eiche und die ebenfalls alten, lederbespannten Stühle: „Das Zimmer war vollständig historisch eingerichtet. So als wäre die Zeit stehen geblieben“, erinnert sich Annett Jura.

So schön der Charme der alten Einrichtung sein mochte, so war er doch unpraktisch. Entweder war ihr Stuhl zu niedrig für den Schreibtisch oder zu hoch, so dass sie sich die Knie stieß. Und die Arbeitsfläche war zu klein. Sie brauchte Platz für ihr Notebook. Kamen viele Akten, dann musste auch der Beratungstisch als Ablage dienen.

Freie Platzwahl für Gäste am Konferenztisch

Heute sieht das Bürgermeisterzimmer völlig anders aus: eine moderne Einrichtung. Der runde Tisch fällt zuerst ins Auge. „Ich wollte keine lange Tafel nach dem Motto: Der Bürgermeister sitzt an der Stirnseite und macht eine Ansage.“ Der runde Tisch soll Gesprächspartnern signalisieren, hier wird gleichberechtigt miteinander gesprochen. Es gibt keine Sitzordnung. Mitarbeiter, Politiker, Bürger und Geschäftsleute haben freie Platzwahl. Annett Jura will eine ungezwungene Gesprächsatmosphäre schaffen.

Der Schreibtisch der Bürgermeisterin wirkt modern. Zwei Dinge sind für Annett Jura wichtig: „Ich brauche viel Platz und Tageslicht.“ Der Schreibtisch steht nun so, dass das Licht durch die großen Fenster auf ihren Arbeitsplatz fällt. Die Schubladen bergen keine Geheimnisse. „Da sind keine Gummibärchen versteckt“, versichert Annett Jura. Naschen untersagt sie sich. „Da bin ich streng.“ Gegen ein Schälchen auf dem Tisch, in das alle greifen, hat sie allerdings nichts.

Ein kleines Geheimnis gibt es dann doch. „Da ist ein Schlüsselanhänger mit einer Eule. Das ist ein Geschenk zu meinem Amtsantritt gewesen.“ Er ist nun ihr Talisman.

Roland-Statuen im Zimmer und draußen vor dem Fenster

Dass der Roland im Arbeitszimmer der Bürgermeisterin der Rolandstadt allgegenwärtig ist, überrascht nicht. Da hängt ein Foto, das der Maler Hans Seiler ihr geschenkt hat. Zu sehen ist eine Szene auf dem Großen Markt. Die im Original dreimal vier Meter große Wandmalerei befindet sich im Gästehaus an der Pritzwalker Straße. Eine Kopie des Stadtsiegels von 1349, die der Beigeordneten Max Viereck 1930 in Auftrag gegeben hatte, hängt gerahmt an der Wand. Unverzichtbar für ihr Arbeitszimmer hält die Bürgermeisterin eine kleine Rolandstatue, obwohl sie von ihren Fenstern einen hervorragenden Blick auf das Original hat. Schulklassen, die sie besuchen,

Doch das Alte hat Annett Jura aus ihrem Dienstzimmer nicht vollständig verbannt. Eine Standuhr hat sie aufarbeiten lassen, die Malerei auf der Holzdecke nennt sie „wunderschön“. Und dann steht da noch ein altertümlicher Tresor. „Dafür gibt es nur einen Schlüssel. Und den habe ich“, verrät Annett Jura. Der Goldschatz von Perleberg wird dort allerdings nicht verwahrt. „Da liegen Dienstakten drin.“

Von Michael Beeskow

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