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Ostprignitz-Ruppin Bürgermeisterwahl: Kandidaten stellten sich vor
Lokales Ostprignitz-Ruppin Bürgermeisterwahl: Kandidaten stellten sich vor
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15:32 06.09.2017
Mit dem Bonus des Amtsinhabers: Jan-Pieter Rau will ein zweites Mal Bürgermeister von Rheinsberg werden. Quelle: Peter Geisler
Rheinsberg

Jan-Pieter Rau hört am liebsten die Hamburger Hip-Hop-Formation „Deichkind“. Freke Over und Sven Alisch halten „Ton, Steine, Scherben“ (Over) und „AC/DC“ (Alisch) die Treue. Und für Frank-Rudi Schwochow spielt Musik keine Rolle. Die vier Rheinsberger Bürgermeisterkandidaten haben sich am Dienstagabend im Jugendclub Pavillon in einer mal persönlichen, mal politischen Fragerunde vorgestellt. Knapp drei Wochen vor der Wahl am 24. September präsentierten sie sich einig bei den Themen Integration und Zukunft des Jugendklubs. Differenzen gab es dagegen bei der Sanierung der Mühlenstraße.

So schnell wie möglich müsse Rheinsbergs älteste und engste Straße saniert werden, forderte Frank-Rudi Schwochow, der als CDU-Mann von der Wählervereinigung BVB/Freie Wähler nominiert worden ist. Zwar weiß auch der 30-jährige Verwaltungsfachangestellte, dass die Straße derzeit nicht im Sanierungsprogramm des Landes steht. Dennoch dürfe Rheinberg nicht aufhören beim Land zu drängeln. Linken-Kandidat Freke Over würde sich dagegen wünschen, dass zunächst einmal die südliche Umgehungsstraße gebaut wird. „Ich muss die Straße doch erstmal entlasten“, sagte er. Schließlich würde die Sanierung der Mühlenstraße nach dem Bau einer Umgehungsstraße ganz anders ausfallen als vor einem solchen Bau.

B-Plan bis Ende 2018

Die nächsten Schritte auf dem Weg zur lange geforderten Umgehungsstraße sind klar. Bis Ende 2018 wolle die Stadt einen B-Plan vorlegen, der Voraussetzung für alle weiteren Schritte ist, sagte Jan-Pieter Rau (CDU), der seit 2010 das Rathaus führt. Erst dann könnten mit dem Land weitere Gespräche über die Finanzierung und Planung geführt werden. Die Zukunftsvision nach dem Bau der Umgehung: die Verkehrsberuhigung am Triangelplatz.

Auch die Integration der Geflüchteten beschäftigt viele Rheinsberger. Bewohner des Neubaugebietes und Spielplatzbesucher ärgern sich über Müll und Fälle von Vandalismus, die sie den Asylbewerbern zuschreiben. Alle Kandidaten warben für den Dialog. „Integration heißt Kommunikation“, sagte Sven Alisch, der als Ortsvorsteher für die SPD ins Rennen geht. „Wir dürfen Ärger nicht in uns reinfressen.“

Integration ist ein „unheimlich anstrengend“

Amtsinhaber Rau weiß aus Erfahrung, dass Integration „unheimlich anstrengend“ ist. Auch er hat schon auf russisch deutsche Mülltrennung erläutert. „Man muss immer wieder Regeln erklären.“ Zugleich müsse es die Nichteinhaltung von Regeln sanktioniert werden.

Ein klares Bekenntnis lieferten die Kandidaten zudem zur Zukunft des Jugendklubs ab. Der Pavillon mache eine „absolut hervorragende Arbeit“, attestierte Alisch. Auch Rau bekannte sich klar zum Club. „Der Pavillon funktioniert ohne die Einmischung der Politik.“ Vor zwei Jahren war ein Streit um den Klub eskaliert. Die Stadt hatte nicht pauschal alle Kosten übernehmen und die Betreibung des Klubs neu ausschreiben wollen – worauf die Jugendlichen und auch der Träger, die „Falken“, sauer reagierten. Die Kommunikation zwischen den Beteiligten sei damals „grottig“ gewesen, gibt Rau heute unumwunden zu.

Bonus des Amtsinhabers

In einer zweiten Amtsperiode wolle er ernten, was er gesät habe, hatte der 51-jährige Diplomverwaltungswirt zuvor gesagt. Bei seinen Zuhörern versuchte Rau unter anderem damit zu punkten, dass es dem zuvor hoch verschuldeten Rheinsberg unter seiner Amtsführung gelungen sei, einen ausgeglichenen Haushalt zu präsentieren. Investitionen in Feuerwehr und Kitas ließen sich dennoch stemmen.

Schwochow, sein Kontrahent im Rennen ums Bürgermeisteramt, würde sich dennoch eine andere Haushaltsdisziplin wünschen. „Wir leisten uns Dinge, die wir uns eigentlich nicht leisten können“, kritisierte er. Die Stelle des Bürgermeisterreferenten ist ihm seit Langem ein Dorn im Auge. Das Geld dafür würde der Dorf Zechliner lieber in die Entwicklung der Ortsteile stecken. In die Sanierung der Kitas von Linow und Dorf Zechlin etwa. „Wir müssen die enormen Betriebskosten dort senken.“

Forderung: Winterzug nach Berlin

Ironisch hatte Over auf die Frage reagiert, warum er Bürgermeister werden wolle. „Ich bin unzufrieden damit, wie Jan-Pieter Rau mein Parteiprogramm umgesetzt“, antwortete 49-jährige Betreiber des Ferienlands Luhme grinsend. Seine Ziele als Bürgermeister unter anderem: ein Winterzug nach Berlin und besseres Klima in der oft so zerstrittenen Stadtverordnetenversammlung.

Emotional wurde es am Schluss, als die Kandidaten selbst Fragen ans Publikum stellen durften. Wie viele der Jugendlichen in Rheinsberg bleiben oder nach der Ausbildung dorthin zurückkommen wollen, fragte Rau. Viele melden sich. Spontanes Klatschen im Publikum. Lächeln auf dem Podium.

Von Frauke Herweg

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