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Bunter Kreide-Protest in Neuruppin

Buntes Ende einer Behördenposse Bunter Kreide-Protest in Neuruppin

Mit Kreide wird man doch noch malen dürfen – vor dem Rathaus Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) haben am Donnerstag rund 200 Kinder und Erwachsene bei einem Flashmob für straffreies Kreidemalen auf der Straße protestiert. Die Stadt steht seit Tagen im Mittelpunkt einer Kreideposse. Der Bürgermeister reagierte auf den Flashmob auf ganz eigene Art.

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Mit Kreide haben mehr als 100 Kinder für straffreies Malen demonstriert.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Ein buntes Ende hat am Donnerstag die Kreide-Posse von Neuruppin genommen, über die seit Tagen halb Deutschland den Kopf schüttelt. Mehr als 200 Kinder und Erwachsene malten vor dem Rathaus der Stadt farbige Blumen, Sonnen und andere Motive aufs Pflaster – angeführt von Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin). „Wir haben nichts gegen malende Kinder auf Spielstraßen“, betonte Golde.

Gleichwohl hatte das Ordnungsamt der Stadt ein Bußgeldverfahren gegen eine Familie eingeleitet, weil deren siebenjährige Tochter mit bunter Kreide Parkplatzbuchten auf die Straße vor dem elterlichen Haus gemalt hatte.

Vielleicht sei das Verfahren überzogen gewesen, räumte der Bürgermeister am Donnerstag ein. Jedoch sei die Behörde dem Hinweis eines Bürgers nachgegangen, der das Amt von den Markierungen auf der Straße sogar ein Foto geschickt hatte. „Wenn wir nicht gehandelt hätten, wäre das auch verkehrt gewesen.“

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19. Mai, Neuruppin: Wegen einer Kinderzeichnung auf der Straße hatte das Neuruppiner Ordnungsamt ein Bußgeldverfahren eingeleitet und sich damit dem Spott der Menschen ausgesetzt. Das Verfahren ist eingestellt und am Donnerstag durfte das Pflaster vor dem Rathaus sogar mit offizieller Genehmigung bemalt werden. Auch die Rathausmitarbeiter machten mit.

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Wegen des Vorfalls, der Neuruppin bundesweit ins Licht rückte, hat das Rathaus seine Mitarbeiter inzwischen nochmals darauf hingewiesen, stets sensibel zu reagieren und die Verhältnismäßigkeit zu wahren. Das Bußgeldverfahren gegen die Familie wurde am Mittwoch eingestellt.

120 Kinder und 100 Erwachsene kommen zum Flashmob

Auf den angekündigten Kreide-Flashmob vor dem Rathaus hatte der Bürgermeister Golde auf seine Weise reagiert: Er hatte bereits zwei Stunden vorher städtische Kitas eingeladen, mit dem Bemalen einer extra abgesperrten Fläche vor dem Rathaus zu beginnen – und dafür sogar Kreide besorgt. Mehr als 120 Mädchen und Jungen aus drei Kitas ließen sich nicht lange bitten.

Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde musste einem Fernsehteam zum Kreide-Gate Rede und Antwort stehen

Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde musste einem Fernsehteam zum Kreide-Gate Rede und Antwort stehen.

Quelle: Peter Geisler

Zum eigentlichen Flashmob gegen 13 Uhr versammelten sich dort dann mehr als 100 Erwachsene, meist mit ihren Kindern, sowie mehr als 30 Mitarbeiter des Rathauses. „Die Verwaltung will auch ein Zeichen setzen, dass Neuruppin bunt ist“, sagte Golde.

Eine „Sauerei“

Darüber waren längst nicht alle erfreut. „Es ist eine Sauerei, dass das Rathaus versucht, aus der Aktion noch für sich Profit zu schlagen“, sagte Melanie Saul. Die 36-jährige Neuruppinerin war mit ihren Töchtern Gina (9) und Chantal (12) zum Kreide-Flashmob gekommen. Sie kritisierte zudem, dass die Stadt zu wenig für die Spielplätze mache.

„Außer dem Bauspielplatz gibt es überhaupt keinen richtigen Spielplatz in Neuruppin“, stimmte Christiane Schröder zu. Sie wollte am Donnerstag ohnehin ins Bürgerbüro. Als sie vom Flashmob erfuhr, holte sie ihren dreieinhalbjährigen Sohn Kilian vorzeitig aus der Kita ab, damit er vor dem Rathaus malen kann. „Kilian malt immer. Deshalb habe ich stets Kreide dabei“, so Schröder.

Mit dabei waren ebenfalls die 22 Schüler der neuen Erzieherklasse an der Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe (Agus) in Neuruppin. Sie hatten wegen des Kreide-Flashmobs ihren Unterrichtsplan, auf dem „pädagogische Handlungskonzepte“ standen, kurzfristig geändert. „Wir wollen die Kinder unterstützen und malen Neuruppin bunt“, sagte Nancy Köllner (30) aus Kyritz. Wenig Verständnis hat sie sowohl für das Agieren der Politesse, die mit dem übereilten Einleiten des Bußgeldverfahrens die Kreide-Posse ausgelöst hat, als auch für die teils deftigen Beschimpfungen des Rathauses, die über die sozialen Netzwerke ausgeschüttet wurden.

Nicht mit dabei beim bunten Kreide-Protest waren Yvonne Lorenz und ihre siebenjährige Tochter, durch deren Malerei auf einer Spielstraße das Ordnungsamt auf den Plan gerufen wurde. Die Mutter musste arbeiten, das Kind war noch in der Schule. „Ich finde die Aktion aber schön und den großen Zuspruch gut“, sagte Lorenz.

Bürgermeister Golde konnte übrigens auch nicht mitmalen: Sein rechter Arm ist bandagiert und soll nächste Woche operiert werden.

Von Andreas Vogel

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