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Cannabis im Keller

Kyritz Cannabis im Keller

Offenbar kann Sven S. die Finger nicht von den Drogen lassen. Er saß bereits wegen Drogenhandels im Gefängnis, ist eigentlich auf Bewährung draußen. Doch er nutzte die Freiheit, um erneut eine Cannabisplantage zu betreiben – und steht deshalb seit Dienstag erneut vor Gericht.

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Illegale Cannabisplantage im Keller eines Einfamilienhauses.

Quelle: dpa

Kyritz. Als der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl den Ostdeutschen 1990 blühende Landschaften versprach, hatte er sicherlich nicht solche vor Augen, die die Polizei am 6. September vergangenen Jahres in einem Kyritzer Ortsteil entdeckte: Eine blühende Cannabisplantage. Die soll laut Staatsanwaltschaft der 34-jährige Sven S. aus Dreetz von Januar bis September 2016 betrieben haben.

Wegen Drogenhandels muss sich der gebürtige Kyritzer seit Dienstag vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Er räumte die Vorwürfe voll und ganz ein.

Am 6. September durchsuchte die Polizei das Grundstück des Angeklagten in Kyritz, nachdem sie Hinweisen nachgegangen war, dass dort Cannabis angebaut werde. So hatte sich ein Nachbar über die Installation einer Kamera beschwert, sagte der Kriminalbeamten René F..

Cannabisgeruch lockte Beamte an

Bei einem ersten Besuch am Grundstück trafen die Beamten dort niemanden an. Dann rief Cannabisgeruch die Polizei wieder auf die Spur. Die Polizei überflog daraufhin das Anwesen mit einem Hubschrauber. Die dabei aufgezeichnete Wärmeabstrahlung erhärtete den Verdacht. Außerdem befand sich auf dem Grundstück ein auf den Angeklagten zugelassenes Fahrzeug, das Haus gehört laut Grundbuch Sven S. Im September erfolgte der Zugriff, an den der Beamte noch gute Erinnerungen hatte. Am Tor wurden sie von zwei Hunden aufgehalten. Vergeblich klopften sie an den zur Straße hin gekippten Fenstern, die plötzlich wie von Geisterhand geschlossen waren. Es gelang den Polizisten, aufs Grundstück zu gelangen. „Im Keller in einem Versteck fanden wir Sven S.“, so René F. Und eine Cannabiszuchtanlage. Die Polizei stellte zwei Kilogramm abgeerntetes Cannabis, 628 Cannabispflanzen und Bargeld sicher.

Polizist: Es geht noch besser

„Die Anlage war weder dilettantisch noch professionell“, sagte der Kripobeamte. Dem widersprach der Staatsanwalt: „ Auf mich wirkt das professionell.“ Keine Frage, räumte der Beamte ein, „Es ist gut gemacht, aber es geht besser“.

Ob sich die Anlage im Auf- oder Abbau befand, konnte der Beamte nicht einschätzen. Es gab leere Zimmer, die lediglich mit Folie ausgekleidet waren. In diese hätte man sofort Pflanzen setzen können. Der Angeklagte hatte davon gesprochen, in der Etage eine Mietwohnung herrichten zu wollen. Dazu wollte sich der Beamte nicht eindeutig positionieren. Sie hätten Werkzeug und USB-Platten entdeckt. Für ihn sahen die Räume allerdings eher nach einer Anlage aus.

In seiner polizeilichen Vernehmung hatte Sven S. einen Christian T. belastet. Auch bei diesem wurde die Polizei fündig, fand aber dort nicht soviel Drogen wie beim Angeklagten. Verteidiger Thomas Penneke legte Wert darauf, die Kooperationsbereitschaft seines Mandanten von Beginn an herauszustellen. „Außer, dass er sich im Ofen versteckt hat, war er kooperativ“, stimmte René F. zu.

Keine geringe Menge Drogen

Die bei dem Angeklagten in Kyritz und an seinem Wohnort Dreetz festgestellten Drogen weisen einen Wirkstoffgehalt auf, der weit über der gesetzlich festgeschriebenen geringen Menge liegt. Diese beginnt bei 7,5 Gramm Tetrahydrocannabinol (THC). Der Sachverständige des Landeskriminalamtes Brandenburg kam bei einer Gesamtmenge von 4221 Gramm Cannabis auf einen THC- Gehalt von 238,32 Gramm.

Sven S. wurde am Tag der Durchsuchung festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Der Angeklagte ist kein unbeschriebenes Blatt. Er hat schon einmal eine längere Haftstrafe wegen Drogenhandels abgesessen. Zurzeit steht er unter Bewährung. Nach einer Entlassung aus dem Gefängnis 2010 arbeitete er drei Jahre lang als Dachdecker. Nach zwei Motorradunfällen ist er nur noch eingeschränkt arbeitsfähig, wie er am Dienstag sagte. Bis zu seiner erneuten Festnahme lebte er nach eigenen Angaben vom Ersparten, vom Verkauf seines Motorrades und der Auszahlung einer Unfallversicherung.

Die Verhandlung wird am Donnerstag, 23. Februar, fort gesetzt.

Von Dagmar Simons

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