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Ostprignitz-Ruppin Chancen jenseits des Rezeptblocks bei MS
Lokales Ostprignitz-Ruppin Chancen jenseits des Rezeptblocks bei MS
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00:18 02.05.2016
Andreas Bitsch, Chefarzt für Neurologie an den Ruppiner ­Kliniken. Quelle: Mischa Karth
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Neuruppin

Welche Erfolgsaussichten haben unkonventionelle Therapien bei der Behandlung von Multipler Sklerose (MS)? Dieser Frage ging Andreas Bitsch, Chefarzt für Neurologie an den Ruppiner Kliniken, am Mittwoch nach. „,Schulmedizin’ ist ja mittlerweile fast ein Schimpfwort geworden für den ein oder anderen“, leitete der Arzt seinen Vortrag ein, dem rund 70 Zuhörer im kleinen Festsaal der Ruppiner Kliniken folgten. Es sei gerade deshalb wichtig, sich mit Homöopathie, Yoga, Osteopathie und anderen Therapieansätzen auch aus Sicht des Schulmediziners auseinanderzusetzen. Immerhin gäben die Deutschen im Jahr insgesamt rund neun ­Milliarden Euro für komplementäre und alternative ­Behandlungsmethoden aus – eine Zahl nur für Multiple Sklerose liegt nicht vor.

Oft übernähmen die ­Krankenkassen die Kosten nicht, so Bitsch. Deshalb überrasche es nicht, dass sich einer dänischen Studie zufolge oft die finanziell besser gestellten Patienten offen für eine Ergänzung zur Schulmedizin zeigten. Es sei nachvoll­ziehbar, dass Betroffene „nach Möglichkeiten jenseits des Rezeptscheins suchen, um ihre Krankheit positiv zu beeinflussen“, so Bitsch.

Der Erfolg ist wissenschaftlich nicht belegt

Der Erfolg vieler unkonventioneller Behandlungsmethoden sei wissenschaftlich nicht belegt, sagte Bitsch, obwohl dies grundsätzlich möglich sei. „Aber Studien kosten viel Geld“, so der Neurologe. Während die Gabe von Interferonen – ein Medikament aus der Schulmedizin – einen nachgewiesenen Nutzen habe, sei dies bei Vitamin D beispielsweise umstritten. Ob die Einnahme von Vitamin D gerade in der kalten Jahreszeit helfe, „wird ganz heiß diskutiert“, so der Mediziner. Als durch Studien als „wahrscheinlich wirksam“ klassifiziert gelten die Gabe von Cannabis-Extrakt gegen Spastiken oder die Magnetfeld-Therapie gegen Müdigkeit. „Vermehrte Ermüdbarkeit, Fatigue, ist ein Symptom, da hat die Schulmedizin so gar nichts zu bieten“, sagte Bitsch. Yoga scheine einen positiven Effekt gegen Müdigkeit zu haben – der sei allerdings in etwa genauso groß wie bei Betroffenen, die regelmäßig anderen Sport trieben.

Gemeinsam sei allen Ansätzen, dass sie im Idealfall Symptome lindern beziehungsweise das Wohlbefinden steigern, nicht jedoch den Krankheitsverlauf beeinflussen könnten. Von einigen Ansätzen riet Andreas Bitsch explizit ab. Das Einsetzen von „Stents“ in das Gehirn beispielsweise sei mittlerweile „als Ente entlarvt“. Auch ein Effekt durch das Entfernen von Amalgamfüllungen aus den Zähnen sei nicht bewiesen. Bei der Einnahme von Kräutern sei auf Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu achten. Das Gespräch mit dem Therapeuten sei wichtig. Unter dem Strich hielt Bitsch fest, dass unkonventionelle Therapien unter drei Bedingungen unproblematisch seien: Der finanzielle Aufwand müsse im Rahmen bleiben, die Therapie dürfe nicht schädlich sein und die Lebensqualität nicht einschränken und die konventionelle Behandlung gelte es aufrechtzuerhalten.

Von Mischa Karth

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