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Ostprignitz-Ruppin Chemie-Alarm im Doppelpack
Lokales Ostprignitz-Ruppin Chemie-Alarm im Doppelpack
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16:45 11.03.2018
Der Großeinsatz bei Atotech fiel am Donnerstagvormittag kleiner aus als erwartet. Quelle: Peter Geisler
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Werder/Lindow

Für Sebastian Giesert, den Feuerwehrchef des Amtes Temnitz, war es der zweite große Chemieunfall in kurzer Zeit. Im vergangenen Jahr musste er den Großeinsatz mit einem Säuretanker an der Autobahn leiten. Am Donnerstag ging es erneut um ätzende Flüssigkeiten: Feuerwehren aus dem halben Landkreis rückten nach einem simulierten Chemieunfall im Temnitzpark bei Werder an. Besser: Sie sollten anrücken. Tatsächlich kamen weit weniger Einsatzkräfte als erwartet.

Der Großeinsatz auf dem Gelände der Chemiefirma Atotech war lange geplant. Die Übung sollte zeigen, wie sicher die Feuerwehren aus verschiedenen Orten bei einem solchen Einsatz zusammenarbeiten und wie gut die Führung funktioniert.

Gefährliche Flüssigkeit und ein vermisster Mensch in Werder

Der simulierte Unfall: Bei Arbeiten in einem Lager soll ein Fass mit einer unbekannten Flüssigkeit umgestürzt sein, aus dem etwa fünf Liter der Substanz ausliefen. Menschen mussten in Sicherheit gebracht, das Fass gesichert, die Flüssigkeit analysiert und unschädlich gemacht werden.

Was die Organisatoren der Übung nicht wussten: Zeitgleich gab es einen echten Einsatz für die Feuerwehren des Kreises. In Lindow war Öl in den Gudelacksee gelaufen. Ein Teil der Feuerwehrleute, die eigentlich in Werder erwartet wurden, musste dorthin ausrücken.

Die Leitstelle alarmierte neben der Lindower Feuerwehr die aus Neuruppin und Alt Ruppin. Mit mehreren Booten auf Anhängern und einer mobilen Ölsperre rückten die Wehren an. Stundenlang mussten sie in der Kälte warten – und zogen dann wieder ab.

Es ist kurz vor zehn Uhr. Sirenen heulen, kurz darauf flackert Blaulicht durch die Straßen, Feuerwehrfahrzeuge jagen über die Bundesstraße 167 in Richtung Werder bei Neuruppin. Kurz darauf wird klar: Zum Glück gibt er keinen Unfall beim Spezialchemikalienhersteller Atotech im Gewerbegebiet Temnitzpark. Mit einer Einsatzübung bereiten sich Feuerwehrleute auf den Ernstfall vor.

Mitarbeiter des Umweltamtes hatten die Feuerwehr alarmiert. Aus einem Einfamilienhaus war ein Gemisch von Heizöl und Wasser in die Kanalisation geleitet worden, so Polizeisprecherin Dörte Röhrs. Das passierte schon am Mittwochabend. Ob absichtlich oder aus Versehen, sei noch unklar. Das müssen jetzt die Spezialisten des Landeskriminalamtes untersuchen, die für solche Umweltvergehen in aller Regel zuständig sind. Das Fatale: Ein Teil des Öls gelangte durch die Kanalisation in den See.

Öl breitet sich auf dem Gudelacksee unterm Eis aus

Dort breitete sich der Film in der Nähe der alten Fischerei unter der Eisschicht im Wasser aus. Die Feuerwehr sah keine Chance, das Öl mit vertretbarem Aufwand zu stoppen oder irgendwie aufzufangen. Für Neuruppins Zugführer Mario Bartel wäre ein Einsatz der Retter auf dem See zu gefährlich gewesen. Der Gudelacksee war weitgehend zugefroren, doch das Eis an dem betroffenen Steg schon brüchig: „Ich schick da keinen raus.“

Mit Booten war die Feuerwehr in Lindow angerückt. Doch der See ist weitgehend zugefroren, die Boote hätten den Rettern wenig genützt. Ebenso wie die schwimmenden Ölsperren. Quelle: Peter Geisler

Mitarbeiter der Unteren Wasserbehörde der Kreisverwaltung haben versucht, sich ein Bild zu machen, wie gefährlich die Situation ist. Sagen will die Behörde dazu aber nichts. „Die Polizei hat die Ermittlungen übernommen. Deshalb äußern wir uns nicht dazu“, so Kreissprecherin Britta Avantario.

Das Amt Lindow und die Wasserbehörde wollen den Fall jetzt weiter beobachten. Sobald das Eis taut, wollen sie entscheiden, ob ein erneuter Einsatz gegen den Ölfilm nötig ist, sagt Lindows Ordnungsamtsleiterin Carmen Noack. Möglich wäre auch, dass sich das Öl bis dahin weitgehend aufgelöst hat.

Nach etwa zwei Stunden rückten die 28 Feuerwehrleute mit all ihrer Technik Donnerstagmittag vom Yachhafen am Lindower Gudelacksee wieder ab.

Gefährliche Chemie

Atotech ist einer der weltweit führenden Hersteller von Spezialchemikalien und Ablagen für die Halbleiter- und Chipindustrie. Weltweit hat das Unternehmen mit Hauptsitz in Berlin etwa 4000 Mitarbeiter.

In Werder verarbeiten 58 Mitarbeiter teilweise hochgefährliche Chemikalien, darunter auch etliche ätzende und giftige Stoffe.

Regelmäßig üben die Feuerwehren aus der Region Einsätze auf dem Firmengelände.

Fast zeitgleich war auch die Übung im Temnitzpark beendet. Amtsdirektorin Susanne Dorn hatte noch am Morgen nachgefragt, ob es angesichts des realen Notfalls in Lindow nicht sinnvoll sei, die Übung zu verschieben, doch die Organisatoren vom Landkreis war dagegen: Zwei Einsätze zur selben Zeit können auch an anderen Tage vorkommen. Damit müssen die Feuerwehren umgehen können. Auch das muss geübt werden.

Das Ziel der Übung war am Mittag erreicht: Die Feuerwehrleute hatten die angeblich vermisste Person in der Atotech-Lagerhalle sicher gefunden und retten können. Die ausgelaufene Flüssigkeit wurde gesichert. Atotech hält alle nötigen Stoffe für solche Notfälle bereit.

Von Reyk Grunow

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