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Ostprignitz-Ruppin Christhard Läpple liest Netzebands Geschichte
Lokales Ostprignitz-Ruppin Christhard Läpple liest Netzebands Geschichte
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13:52 22.02.2018
Christhard Läpple las aus "So viel Anfang war nie" in der Fontanebuchhandlung Neuruppin Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

Wieso die Lesung in Neuruppin und nicht in Netzeband stattfinde? So die etwas ketzerische Frage, die am Ende von Fontanebuchhändler Alexander Fries in den Raum gestellt wurde, in dem rund 40 Zuhörer der Lesung Christhard Läpples lauschten. Der Autor lacht. Er habe auch schon drei Mal aus seinem Buch „So viel Anfang war nie“ in Netzeband gelesen – das erste Mal für alle im Buch beteiligten Personen, das zweite Mal im Rahmen des Festakts anlässlich des 20-jährigen Theatersommer-Bestehens. „Das waren Schauspieler – die haben so toll gelesen, dass auch mir das Herz aufging“, so der ZDF-Journalist und Autor, der als Teilzeit-Netzebander eng mit dem Dorf verwurzelt ist. 2017 ist sein Buch über das Theaterdorf veröffentlicht worden – er hat 10 Jahre daran gearbeitet. Sein Trost: „Dylan Thomas hat 20 Jahre am ’Milchwald’ gefeilt – ich habe nur zehn gebraucht“, erklärt er.20 Jahre Netzeband - Festakt mit Horst und Johanna Wagenfeld (2. und 3. v.l.) und Christhard Läpple (2.v.r.)Regine Buddeke

Die Idee zum Buch kam ihm aus drei Gründen. Erstens verstarb der „Vater“ des Theatersommers Jürgen Heidenreich in Läpples Haus. Zweitens wollte Läpple dem Ehepaar Wagenfeld ein Denkmal setzen, das alles in diesem Dorf wagte und verlor. „Es ging einfach zu schnell“, sagt er über den steilen Aufstieg der Investoren mit den großen Plänen, die Netzeband immerhin zum Expo-Dorf machten. „Man hat einander nicht genug zugehört. Viele fühlten sich überrollt.“ Und drittens war da noch der Amtsdirektor – auch ein „Wessi“. Auch dessen Geschichte kommt im Buch zu Wort. „2000 war der Stand: Künstler tot. Amtsdirektor im Knast. Investoren pleite“, sagt Läpple. „Das ist Shakespeare. Mehr als Fontane. Ich stellte fest: Netzeband ist ein ganz kleines Dorf mit ganz großer Geschichte.“ Die wollte er aufschreiben.

38 Interviews hat er geführt. „Um einige musste ich ringen. Auf eines habe ich zwei Jahre gewartet.“ Sein Buch ist nun ein Kaleidoskop der Wahrheiten, Erfahrungen, Dorfgeschichten. Die Geschichte des Theatersommers, des Feuerwehrchefs, des Ex-Kommandant des Truppenübungsplatzes. Die des Bürgermeisters und des Dorfchronisten, des Kneipers. „Ich habe allen zugehört – auf Augenhöhe, ohne zu werten“, sagt er. Er zeigt ein Dorf, das nach der Wende etwas wurde – stellvertretend für das ganze Land, das in der Dorfkneipe spätabends „liebevoll-lallend unsere Zone genannt wurde“. Und in nüchternem Zustand: Das letzte Loch vor der Hölle.

Mit dem „Milchwald“ begann die Erfolgsgeschichte des Theatersommers. Quelle: Regine Buddeke

Läpple liest etliche Kapitel: über den Traum des Bürgermeisters, 1991 endlich die ruinöse Kirche zu retten. Über die Retter, die im Buch Hans und Linda Blumental heißen – die Passion des Landschaftsarchitekten, ein blühendes Dorf zu schaffen. Er liest über die Geschichte, wie der Milchwald ins Dorf kam.

Im Buch heißt der 200-Seelen-Ort Herzdorf. „Um meine Protagonisten zu schützen“, erklärt Läpple. Und weil es einst ein winziges Stück Land dieses Namens gab, das zu Ostzeiten dem Schweinricher Truppenübungsplatz geopfert und gefressen wurde. Das wollte ich so wieder aufleben lassen“, sagt er und freut sich über diesen Geistesblitz.

Brechts Stück „Der gute Mensch von Sezuan“ war Theatersommerstück im Jahr 2017. Quelle: Regine Buddeke

Wie das Buch denn ankomme bei seinen Buchgestalten, fragt jemand nach der Lesung. „Ich kam in die Kneipe, mit einem Freund aus Berlin“, erzählt Läpple. „Der Kneiper sagte schnell: Ich habs noch nicht gelesen, aber meine Tochter hats verschlungen.“ Er sei nervös gewesen. Der Kneiper sagte zu den zwei Einheimischen am Tresen: ’Das isser.’ „Die drehten sich um – der Blick war okay“, erinnert sich Läpple. „Mehr geht nicht. Ich bekam mein Bier.“

„Danke, dass Sie das Buch geschrieben haben – ich habe mir das schon damals gewünscht, dass da mal einer drüber schreibt“, sagt eine Frau, die in jener Zeit in Netzeband gearbeitet hat. Und eine andere: „Ich hatte große Freude beim Lesen. So eine ehrliche Bilanz. Ich konnte gar nicht wieder aufhören. Und habe so viel Neues erfahren.“

Von Regine Buddeke

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