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Ostprignitz-Ruppin Claus Neumanns Strandkino
Lokales Ostprignitz-Ruppin Claus Neumanns Strandkino
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00:18 30.07.2016
Claus Neumann denkt mit 72 Jahren nicht ans Aufhören. Quelle: Regine Buddeke
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Flecken Zechlin

Beruflich jeden Tag Filme schauen? Für viele eine verlockende Idee. Claus Neumann hat in seinem Leben schon etliche Streifen gesehen – vom historischen Stummfilm bis zum taufrischen Hollywood-Blockbuster. Claus Neumann betreibt neben dem Autokino in Zempow auch das kleine Strandkino in Flecken Zechlin – eine Ausnahmeerscheinung, denn welcher Ort im Ruppiner Land kann sich noch rühmen, ein Kino zu haben?

Schon zu DDR-Zeiten gab es die Stahlbauhalle, die wie eine riesige halbe Konservendose am Ende des Ortes liegt. Früher gab es hier Kinderferienlager ohne Ende – schon dafür war ein Kino eine lohnenswerte Anschaffung für einen Ferienort. Und auch heute noch hat die Region viele Touristen – Grund genug für den Kino-Chef, das Filmtheater nach der Wende zu kaufen. Zumal er am Neubau 1985 mitgearbeitet hat und seitdem dort als Angestellter tätig war. Seit der Wende ist Claus Neumann Alleineigentümer. Sein Sohn Mike hilft dem 72-Jährigen beim Geschäft. „Er hat Anteile - am Kino und an der Arbeit“, schmunzelt der Vater.

Neumann kam früh zum Film. „Ich habe als Kind schon im Wittstocker Kino geholfen – dafür durften wir die Filme umsonst gucken“, erinnert er sich. Irgendwann konnte er die Technik bedienen, die damals „Landfilm TK 35“ hieß. Mit der tingelte er durch den Altkreis Wittstock – von Dorf zu Dorf, als Urlaubsvertretung für die Filmvorführer. Bis 1961 hat er Kfz-Schlosser für Landwirtschaft in Heiligengrabe gelernt. Später lernte er im Fernstudium „Filmwiedergabetechnik“. Das Kino-Virus hatte ihn schon zu fest im Griff. 1966/67 hat er dann noch den „Filmtheaterleiter-Meister“ obenauf gepackt.

Das Strandkino in Flecken Zechlin, dicht am Ufer des Schwarzen Sees, hatte früher mal 200 Sitze. Die sind noch da, trotzdem hat Neumann, weil er das nicht vollkriegt, einen Raum in die Halle eingebaut. 40 Klappsitze, schummerig-nostalgisch ausgeleuchtet. Die Decke ist mit Filmplakaten tapeziert. „Die hatten wir übrig – die Filme haben wir hier alle gezeigt“, erzählt der Kinochef. Etwa „Otto – Der Film“. „Der war fast immer ausverkauft“, erinnert sich Neumann. Sein Lieblingsstreifen ist die Titanic-Verfilmung mit Sybille Schmitz – aus dem Jahr 1943.

Zwei-, dreimal die Woche zeigt Claus Neumann einen Film – meist für Kinder und Familien. „Was grade in Zempow vor Ort ist“, sagt er. „Die Miete für die Filme kostet ja ’nen Haufen Geld.“ Manchmal reichen die 40 Sitze auch nicht aus. „Bei Ice Age musste ich mehrfach spielen.“ Auch wenn die Flecken Zechliner Schulklassen kommen, muss er zwei Vorstellungen ansetzen. Für die gut vier Meter breite Leinwand reicht auch noch der kleine Videoprojektor. Einen großen hat er auch – aber dafür müsste er den Saal wieder vergrößern. Das scheint so unrealistisch nicht – immerhin überlegt Neumann, ab 2017 auf 3D-Technik aufzurüsten. Es sei eigentlich schon alles da – vom Projektor bis hin zur perforierten Silberriffelwand, bei der der Ton durch die Leinwand kommt. Dann wäre es allerdings zwingend, die Halle wieder in voller Größe zu beflimmern – 32 mal 12 Meter ist das Kino groß. „Wenn die Finanzen stimmen, wird noch mal umgebaut“, sagt Claus Neumann.

Viertel vor vier, die ersten Urlauberkinder drängeln sich vor der Kasse. Claus Neumann sitzt lächelnd im Kassenhäuschen und reißt die Billets von der Rolle. „Robinson Crusoe“ wird gezeigt – der Trickfilm vom Schiffbrüchigen, der es sich auf seiner Insel behaglich einrichtet. So wie Claus Neumann auf seiner Kino-Insel heimisch geworden ist und nicht ans Aufhören denkt. „Warum sollte ich? Ich bin ja schon mein ganzes Leben hier.“

Von Regine Buddeke

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