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Clearingstelle Wittstock stellt sich vor

Wo junge Flüchtlinge ankommen Clearingstelle Wittstock stellt sich vor

Die Clearingstelle für unbegleitete minderjährige geflüchtete Jugendliche zog kürzlich vom Schullandheim in Schweinrich ins B3-Center nach Wittstock. Um sich den Einheimischen vorzustellen, lädt die Clearingstelle am 29. Mai zu einem Frühlingsfest.

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Betreuer Erik Rudolph mit dem 15-jährigen Samir in der Küche der Erstaufnahmeeinrichtung.

Quelle: Björn Wagener

Wittstock. Menschenleer und fast ein wenig einsam ist es an diesem Freitagvormittag. Nur der 15-jährige Samir aus Afghanistan streift über den leeren Flur: „Hallo, guten Tag, wie geht es?“, sagt er im Vorbeigehen und fügt im nächsten Moment schon ein „Tschüs“ an. Samir ist vorübergehend der einzige Bewohner der Clearingstelle im B3-Center in der Rheinsberger Straße in Wittstock. „In der vergangenen Woche war hier volles Haus, und es wird in einigen Tagen auch wieder voll“, kündigt Erik Rudolph an. Der stellvertretende Leiter der Erstaufnahmeeinrichtung zeigt bereitwillig, wie das Haus für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge auf die Ankunft neuer Jugendlicher vorbereitet ist. Es gibt Zimmer mit Doppelstockbetten, einen Waschraum mit Waschmaschinen und Trocknern, ein Lager mit gespendeter Kleidung, einen Aufenthaltsraum, eine Küche, eine Computerecke und eine Terrasse, wo man sich gern zum Grillen trifft. Es ist sauber, und es herrscht Ordnung. Das Ganze hat den gewissen Charme einer Jugendherberge.

Für den Kontakt zwischen Einheimischen und Flüchtlingen

Erst im April zog die Clearingstelle vom Schullandheim in Schweinrich ins B3-Center nach Wittstock. Bei den Einheimischen hat es sich zwar herumgesprochen, dass im B3-Center Flüchtlinge leben, aber wie es dort tatsächlich zugeht, blieb den meisten bisher verborgen. Das soll sich nun ändern. Am Sonntag, 29. Mai, lädt die Einrichtung zu einem Frühlingsfest. Los geht es um 12 Uhr. Dann können sich Besucher zu einem Fußballturnier anmelden, das um 14 Uhr beginnt. Um 16 Uhr findet die Siegerehrung statt, und es wird gegrillt. Außerdem lädt eine offene Bühne zum Karaoke. Unterstützt wird das Ganze von Musikern der „Bühne 11“ aus Wittstock. „Wir wollen, dass die Bewohner Kontakt zu den Einheimischen bekommen“, sagt Erik Rudolph von der Firma Navitas, die die Einrichtung im Auftrag des Landkreises OPR betreibt und die jungen Flüchtlinge mit einem achtköpfigen Team betreut, darunter ist auch eine Kollegin aus dem Iran und ein Kollege aus Afghanistan. Sie alle wollen zeigen, dass sie nichts zu verbergen haben.

Hoffen auf Patenschaften

Und vielleicht ergeben sich durch das Fest auch Patenschaften. Das würde das Navitas-Team besonders freuen, sagt Erik Rudolph, der sich auch für die Sachspenden bedankt und darauf verweist, dass Supermärkte Unterstützung bei Einkäufen leisteten. Schließlich sind es neben der deutschen Sprache vor allem die kleinen Dinge des täglichen Lebens, die mit Hilfe von deutschen Paten am besten vermittelt werden könnten - worauf ist beim Einkauf zu achten? Wie wird eine Waschmaschine bedient? Welche Umgangsformen und Gepflogenheiten gilt es zu beachten? Je schneller und sicherer sich die Jugendlichen im deutschen Alltag zurechtfinden, umso leichter falle die Eingliederung, sagt Rudolph. Deshalb würden die Flüchtlinge auch in Sachen Gleichstellung von Mann und Frau oder Sexualkunde unterrichtet. Für die „sehr intensive Betreuung“ stünden Psychologen, Sozialarbeiter und Erzieher bereit. Sie berichteten dem zuständigen Jugendamt, wie gut die jungen Menschen im Alter bis zu 17 Jahren – meist Jungen und junge Männer – bereits auf ein eigenständiges Leben vorbereitet sind. Denn von der Erstaufnahmestelle würden sie dann auf den gesamten Landkreis verteilt, mitunter auch in Wohneinrichtungen, die zwar ebenfalls betreut werden, aber weniger intensiv als in der Clearingstelle. In letzterer bleiben sie nur so lange, bis sie registriert sind und ihr Status geklärt ist.

Sport hilft sehr

„Wir sind keine Therapieeinrichtung, aber wir achten dennoch sehr auf die Entwicklung und Bedürfnisse der jungen Geflüchteten“, sagt Rudolph. Schließlich hätten viele der Jugendlichen Wochen, Monate und mitunter sogar Jahre auf der Flucht zugebracht. Da sei es wichtig, ihnen einen Ort „zum Runterkommen“ zu bieten. „Sport hilft da sehr – um sich abzureagieren oder einfach auf andere Gedanken zu kommen.“ Rudolph ist deshalb froh, dass der Sportplatz der Förderschule gleich gegenüber ebenso wie die Schwimmhalle nebenan genutzt werden kann. Außerdem gebe es gute Kontakte zum örtlichen Taekwondo-Verein. Probleme wie etwa Schlägereien oder Diebstähle habe es bisher nicht gegeben. Die Jugendlichen seien zwar durchweg Muslime und essen daher kein Schweinefleisch, aber nur wenige würden auch tatsächlich oft beten.

Von Björn Wagener

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