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Ostprignitz-Ruppin Comeback der "Freien Heide" möglich
Lokales Ostprignitz-Ruppin Comeback der "Freien Heide" möglich
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09:13 19.08.2014
Roland Vogt Quelle: Andreas Vogel

Der Held von einst ist grau geworden. Vor mehr als 20 Jahren war das anders, erinnert sich Roland Vogt. „Ich hatte einen langen schwarzen Bart und meine Haare waren nicht so grau“, sagt der Pazifist. Er steht am Dienstag dort, wo es ihn 1992 auch hintrieb und wo er Rat suchte. Damals, als die Diskussionen rund um den Truppenübungsplatz in der Kyritz-Ruppiner Heide, dem Bombodrom, losgingen. Vogt steht in der Kirche im kleinen Dorf Zechlin an der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern. Dort, in diesem kleinen Gotteshaus, in dem das Dach am Eingang undicht ist und das Wasser hineintropft, plaudert Vogt aus dem Nähkästchen. Wie es damals mit der Bürgerinitiative „Freie Heide“ losging und die Bewegung zu einem Erfolg wurde.

„Ich ging zu Pfarrer Lampe“, erzählt der mittlerweile 73-Jährige. Er hoffte auf einen Geistesblitz, auf eine Idee, wie man das Bombodrom verhindern konnte, und setzte alles auf den Rat des örtlichen Pfarrers. „Ich hatte die Idee, eine Bürgeriniative zu gründen“, sagt Vogt vor den gut 25 Zuhörern Anfang August in der evangelischen Kirche. Er ist bei einer Aktion des Vereins „Friedensscheune“ als Redner zu Gast und steht den Zuhörern Rede und Antwort.

1992 weiß Vogt, gelernter Jurist und Politikwissenschaftler, dass es dauern wird, bis die Thematik um Bombenabwürfe in dem Gebiet erledigt sein könnte. „Mir war damals schon bewusst, dass es wirklich zäh werden kann.“ Und er behielt Recht. Erst 2009 war das Thema endgültig vom Tisch. Doch bis es soweit kommen konnte, vergingen kräftezehrende Tage und Jahre. Allen voran für Vogt, den Initiator der Bewegung, die in Brandenburg immer mehr Befürworter und Unterstützer bis hoch in die Regierungskreise bekam.

"Bundeswehr gibt Ruhe in der Heide" titelte die MAZ am 10. Juli 2009. Quelle: MAZ-Archiv

Roland Vogt steckt damals in einem inneren Zwist. Er ist gegen das Bombodrom – arbeitet aber beim brandenburgischen Wirtschaftsministerium. „Das hätte auch zur Kündigung führen können“, reflektiert er heute. Einige Kollegen hätten ihn sogar gemieden und kein Wort mehr mit ihm gewechselt. Doch das musste er aushalten, sagt er rückblickend. „Wenn ich irgendwie kann, werde ich das verhindern, obwohl ich eigentlich im Wirtschaftsministerium nicht dafür zuständig bin.“ Das sei damals seine Devise gewesen. Im Ministerium in Potsdam war der ehemalige Bundestagsabgeordnete für die Konversion, also die zivile Umwandlung von Militärliegenschaften, zuständig. Konversion sei die „Schwester der Abrüstung“, sagt er heute. Nur gewaltfrei war es damals möglich, den Widerstand gegen das Vorhaben der Landes- und Bundesregierung durchzusetzen. 2004 gab es dann einen Erfolg für Vogt. Das Wirtschaftsministerium sah ein, dass das Bombodrom nicht wirtschaftlich effizient sei. „Hier hat Minister Ulrich Junghans Zivilcourage gezeigt und gesagt, dass es sich nicht lohnt. Obwohl das Ministerium lange für die Nutzung des Bombodroms war“, sagt Vogt und sieht dabei stolz aus.

Vor der Keimzelle seiner bewegten Lebensgeschichte – auf der Bank vor der Kirche – nimmt Vogt nach seiner Rede erst mal Platz, atmet tief durch und genießt die Sonnenstrahlen. Auch heute, fünf Jahre nach dem Verzicht der Bundesregierung, das Gelände zu nutzen, ist er ein gefragter Mann, rast von einer Veranstaltung zur nächsten und berichtet seine Geschichte. „Heute muss ich noch ein Radio-Interview geben“, sagt er. Sein Terminkalender scheint wirklich voll zu sein.

Ex-Truppenübungsplatz Bombodrom

  • Die rund 12.000 Hektar große Kyritz-Ruppiner Heide im Norden Brandenburgs unweit der Tourismusregion Mecklenburgische Seenplatte diente der Roten Armee nach 1945 als Übungsgelände. Hier trainierten Piloten und fuhren lautstarke Panzer.
  • Die Bundeswehr wollte das Gelände nach Abzug der Russen weiter nutzen. Der größte Tiefflugübungsplatz Europas sollte entstehen. Nach Bürgerprotesten und jahrelangem juristischen Tauziehen verzichtete die Bundeswehr 2009. 2011 verließen die letzten Soldaten das Gelände.
  • Im weniger belasteten Nordteil soll nun der Tourismus ausgebaut werden. Andere Flächen sollen ein Naturparadies werden. Auch die Installation von Solaranlagen ist geplant. Zuvor muss aber Munition aus dem Boden geräumt werden.

Wiederauferstehung der Bürgerbeweung
Hans-Peter Laubenthal, Vorstandsmitglied des Vereins "Friedensscheune", sagt über die Bürgerinitiative, die sich 2012 auflöste: "Die Heide ist eben nicht frei. Sie hätten weiterkämpfen müssen". Eine Idee, mit der Vogt sympathisiert.

Eine wiederbelebte Freie Heide soll nun nach dem Willen von Vogt für einen freien Zugang zur Kyritz-Ruppiner Heide kämpfen. "Es ist eine Schande, dass die Leute, die jahrelang gelitten haben, jetzt wieder vor dem Sperrgebiet stehen." Da der 73-Jährige mittlerweile wieder in Rheinland-Pfalz lebt, will er aber nicht die Führung übernehmen. Renate Schüler, Freie-Heide-Aktivistin der ersten Stunde, zeigte sich wenig optimistisch. "Diejenigen, die so sehr gekämpft haben, sind jetzt alt und müde, und das junge Volk ist weg."

Die Kosten der Munitionsbeseitigung werden auf bis zu 600 Millionen Euro geschätzt. Vogt wirft dem Bund vor, sich nicht genügend zu engagieren. Zwar sei der Bund formal nur für die Beseitigung von Munition deutscher Armeen vor 1945 zuständig und nicht für solche aus Beständen der Westalliierten oder der früheren Sowjetunion. Deren Räumung gehe zulasten von Ländern, Kommunen und Bürgern. "Aber dann brauchen wir ein Gesetz, das die Übernahme der Munitionsbergungskosten durch den Bund regelt", sagte Vogt. Anläufe der Bundesländer dazu seien vom Bundestag abgelehnt wurden.

Vogt gibt sich trotz der Skepsis seiner einstigen Mitstreiter kämpferisch. Sein Lebensprinzip sei es immer gewesen, einen Vorschlag zu machen und abzuwarten: "Ich habe einen Impuls gesetzt, und jetzt warte ich auf Resonanz."

Auch heute noch glaubt Roland Vogt an das Gute im Menschen, er ist ein Pazifist durch und durch. Er glaubt nicht, dass dauerhafte Konflikte mit der Sprache von Kanonen, Bomben und Gewehren gelöst werden können. „Wenn Bundespräsident Joachim Gauck sagt, dass Deutschland mehr Präsenz in der Welt zeigen soll, dann denken alle, es gehe immer nur um Waffen und Krieg“, sagt Vogt mit Blick auf die Krisenherde der Region. Es könne auch zivilgesellschaftliches Engagement geben. „Wir haben das Personal und die Ressourcen und könnten zivilen Friedensdienst leisten“, glaubt er. Doch darum kümmern sich nun andere. Roland Vogts Thema ist und bleibt das Bombodrom. Auch fünf Jahre nach dem Ende der Debatte lässt ihn die Heide einfach nicht los.

Von Marcel Jarjour und MAZonline

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