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Ostprignitz-Ruppin Corinna Harfouch liest Christa Wolfs Kassandra
Lokales Ostprignitz-Ruppin Corinna Harfouch liest Christa Wolfs Kassandra
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00:17 01.03.2017
Corinna Harfouch lieh Christa Wolfs Kassandra ihre Stimme: es war die Finissage der Ausstellung „Kassandra Medea Leibhaftig. Quelle: Regine Buddeke
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Rheinsberg

Die Bühne liegt im Dunkeln. Auf der riesigen Leinwand erscheint eine dünne weiße Linie, die wächst, zu Buchstaben wird. Spröden Lettern, dornig-spitz, kein bisschen gefällig. K-A-S-S-A-N-D-R-A ist da zu lesen. Kassandra, die trojanische Königstochter und Seherin. Die Priesterin, die ihrem Volk die Niederlage im Krieg vorhersagte. Die Frau, die Äneas liebte. Und das Leben. Und die sterben musste, weil keiner ihre Wahrheit wissen wollte und ihr die Schuld am Geschehen gab. Die noch kurz vor ihrem Tode die Wahrheit aus sich herausschrie. Ohne Hoffnung – aber sie konnte einfach nicht anders.

Die bekannte Autorin Christa Wolf (1929-2011) hat Kassandra in ihrem gleichnamigen Roman von 1983 eine Stimme gegeben. Eine, die viele Künstler in Ost und West inspirierte, das Thema bildnerisch zu bearbeiten. Bis zum Sonntag hing im Rheinsberger Kurt-Tucholsky-Museum eine Ausstellung mit 96 Werken renommierter Maler, Grafiker und Bildhauer. „Durch Worte hervorgerufene Bilder“, hat Museumsleiter Peter Böthig es zur Vernissage von „Christa Wolf Kassandra Medea Leibhaftig“ erklärt.

Helge Leiberg malt am Overhead-Projektor. Quelle: Regine Buddeke

Für Christa Wolfs Kassandra waren die Bilder immer wichtiger gewesen als Worte. So gibt es auch zur Finissage am Freitagabend beides: Bilder und Worte. Die Worte spricht die bekannte Schauspielerin Corinna Harfouch – die Bilder zaubert Helge Leiberg, einer der Künstler der Ausstellung, per Live-Malerei an die Leinwand. Zur Performance gehören auch Gitarrist Lothar Fiedler und Heiner Reinhardt an der Bassklarinette. Das Quartett lässt Kassandra lebendig werden. Mehr als 200 Gäste sind ins Schlosstheater gekommen, um ihr zuzuhören.

Die Kassandra, der Corinna Harfouch ihre Stimme leiht, ist ruhig und unaufgeregt – obwohl sie ihrem Tod wissend ins Auge schaut. Still und nahezu emotionslos, fast monoton lässt Harfouch die Seherin erzählen. Wenn in ihr etwas brodelt – man spürt nichts davon. Die Frau hat viel erlebt – und scheinbar ihren Frieden damit gemacht. Nichts kann sie mehr aufregen, nichts ihr Gemüt erschüttern. Selbst wenn sie von Äneas spricht, den sie liebte und dennoch verließ, klingt ihre Stimme unerschütterlich – sie spricht, als wäre es das Leben einer anderen, das sie erzählt. Immer wieder werden Kassandras Worte von Musik unterbrochen, Notensplittern und Sequenzen – mal gequält, mal spitz, mal bitter, mal dissonant. Hier kommt die Emotion, die in der Stimme fehlt. Noten als Spiegel der Seele. Kassandras Seele.

Seelenwelten der Kassandra. Quelle: Regine Buddeke

Im Hintergrund entstehen die Bilder – ein stetiger Fluss: schwarze Linien und farbige – mal mit Feder, mal mit Pinsel gezeichnet – man kann es auf der Leinwand miterleben. Die Linien werden wieder ausgelöscht, Neues entsteht. Mal abstrakt, mal figürlich. Gestalten und Landschaften, ein offenes Fenster – ins Leben? In den Tod? Die Farben verschwimmen, die Linien zerfasern. Nackte Frauenkörper begleiten die Szene, in der Kassandra auf Äneas trifft. Tiere und Gesichte erscheinen. Es ist ein ganzes Leben, das da auf der Leinwand abrollt – Kassandras Leben.

„Ich habe immer mehr an Bildern gehangen als an Worten ... Das Letzte wird ein Bild sein, kein Wort. Vor den Bildern sterben die Wörter“, lässt Christa Wolf ihre Kassandra sagen. Helge Leiberg und all die anderen Künstler der zurückliegenden Ausstellung haben dies plastisch gemacht. Wenngleich auch Christa Wolfs Wörter noch lange nach ihrem Tod nachhallen.

Die Musiker geben noch eine besondere Note in die Performance. Quelle: Regine Buddeke

„Ich kannte das Buch. Aber ich wusste nicht, wie Helge Leiberg malt“, sagt Zuhörerin Jane Zahn. „Das war ein spannungsreiches Zusammenwirken.“ Auch die improvisierte Musik habe den Inhalt gut unterstrichen. Ihr Mann, der Komponist Hans-Karsten Raecke zeigt sich ebenfalls angetan. „Die Malerei war perfekt. Die Musik professionell.“ Schon die Kombination von Bassklarinette und Gitarre sei ein spannendes Experiment. „Was mich weniger überzeugt hat, war die Lesung. Ich kenne es von Schauspielern, dass sie der Figur eine persönliche Note geben. Die hat mir gefehlt. Die Malerei war deutlich spannender.“ Leiberg habe mit seiner Live-Malerei schöne dramaturgische Akzente gesetzt.

Am Ende gibt es viel Applaus für die Akteure. Man darf gespannt sein, was die gerade gestartete Zusammenarbeit des Tucholsky-Museums und der Musikkultur Rheinsberg als nächstes bereit hält.

Von Regine Buddeke

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