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Corinna Harfouch spielt Don Giovanni

Rheinsberg Corinna Harfouch spielt Don Giovanni

Die Pianistin Hideyo Harada hat eine Geschichte E.T.A. Hoffmanns und die Mozart-Oper „Don Giovanni“ zu einer Text-Musik-Collage verwoben und sich die Schauspielerin Corinna Harfouch ins Boot geholt. Harada gibt das Orchester, Harfouch das Bühnengeschehen. Das wunderbare Werk wurde im Rheinsberger Schlosstheater gezeigt.

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Corinna Harfouch im fulminant gespielt-gesungenen Duett.

Quelle: Regine Buddeke

Rheinsberg. Ein Mund? Fehlanzeige. Bis auf den gemeuchelten Komtur, der seinen im grotesken Schrei weit aufreißt, sind alle anderen ohne Mund: Sie brauchen ihn nicht. Denn die Schauspielerin Corinna Harfouch verleiht allen Protagonisten ihre eigene Stimme: der sanftäugigen Donna Anna, der zornigen, hochschwangeren Mahnerin Donna Elvira, dem schelmisch-zagenden Leporello, dem lächerlichen Don Ottavio, der wie ein dünnstieliger Pilz mit Brille und eitlen Lackschuhen daherkommt. Und natürlich ihm, Don Giovanni, dem großen Verführer, dem Getriebenen, dessen Seele keine Ruhe findet, bis er nicht jede Frau erobert hat, die ihm vor die Augen springt. Und der eigentlich auf der Suche nach Größerem ist, die Frauen sind nur Opfer und Irrtümer.

Ihr Gesicht spricht Bände, ihr Mund in vielen Stimmen

„Die Kunst der Klapperschlange“ heißt die szenische Collage aus einer Erzählung des von der „Oper aller Opern“ besessenen Dichters E.T.A. Hoffmann und Teilen des Mozart’schen Librettos: Erdacht und zusammengestellt hat sie die preisgekrönte Pianistin Hideyo Harada, die am Samstagabend im Rheinsberger Schlosstheater den musikalischen Part am Flügel innehat. Zur Mozart-Oper, die sie genial improvisiert, verleiht Corinna Harfouch den Pappmache-Figuren, die sie auf der Bühne platziert, Stimme und Gestus. Es ist ein Naturereignis, die Harfouch zwischen den Figuren switchen zu sehen. Sie haucht und kokettiert, zwitschert oder schluchzt, lamentiert oder verführt mit cool-männlichem Charme, donnert und grollt. Zack, boxt sie dem Komtur das Herz aus der Brust. Ihr Gesicht spricht Bände, ihr Mund in vielen Stimmen.

Corinna Harfouch singt in dieser Szene allein das berühmte Duett

Eine Glanzszene ist die Verführung der Braut Zerlina: ein weißwehender Plastiktüten-Schleier über Harfouchs rechtem Arm. Die becirct sie, umgarnt sie, überzeugt sie, fasst ihr schlussendlich untern Rock, zerreißt sie in einem Vergewaltigungsakt in tausend Fetzen, die sie sich am Ende à la Revolverheld von den Fingerkuppen pustet. Dramatischer kann man es nicht darstellen: Die 120 Gäste sind totenstill. Auch wenn sie in anderen Szenen oft zu lachen haben. Der Clou: Corinna Harfouch singt in dieser Szene allein das berühmte Duett „Reich mir die Hand mein Leben“. Das macht sie wunderbar in hoch und tief, auch wenn sie im anschließenden Podiumsgespräch gesteht, dass man sie oft für ihren Gesang gescholten habe und sie seither nur noch „zitierend singe“.

Im Gespräch verrät sie auch, wie die Figuren entstanden: in einer nächtlich fröhlichen Aktion mit der Schwiegertochter. „Wir haben sie alle signiert, mit dem Namenszug einer ausgedachten holländischen Künstlerin“, sagt sie und lacht. Was es mit der Kunst der Klapperschlange auf sich hätte, fragt eine Frau. Harfouch klärt auf: E.T.A. Hoffmann hätte das Bild erfunden, weil Don Giovanni die Gabe hätte, dass alle Frauen ihm letztlich ausgeliefert seien – wie erstarrte Kaninchen vor der Schlange. Genauso ausgeliefert waren die Zuschauer den beiden Künstlerinnen.

Von Regine Buddeke

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