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Da geht ein Maler an die Decke

Heiko Gürtler repariert sein Werk in Schönbergs Kirche Da geht ein Maler an die Decke

Im Sommer 2011 hatten ungewöhnlich heftige Regenfälle einem schweren Wasserschaden in der Schönberger Kirche verursacht. Mehr als zwei Jahre später ist die Sanierung der 324 Jahre alten Kirche fast abgeschlossen. Nun repariert Heiko Gürtler sein Werk von vor 25 Jahren: die prächtig verzierte Kirchendecke.

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Heiko Gürtler grundiert die Decke mit einer schimmelvernichtenden Farbe. Die Schablone kommt später zum Einsatz.

Quelle: Peter Geisler

Schönberg.  25 Jahre sind vergangen, und Heiko Gürtler steht wieder da, wo er mit 22 Jahren angefangen hat: 20 Zentimeter unter der Decke der Schönberger Dorfkirche. Wie damals hält er einen Pinsel und arbeitet über Kopf an den filigranen Mustern der handbemalten Kirchendecke.

Im Sommer 2011 hatten ungewöhnlich heftige Regenfälle einem schweren Wasserschaden verursacht. Das Dach der Kirche war zu diesem Zeitpunkt abgedeckt und nur mit Planen gesichert. Die hielten dem Wolkenbruch bei Windstärke 8 nicht stand. Ein Teil der alten Deckenmalerei verschimmelte.

Mehr als zwei Jahre später ist die Sanierung der 324 Jahre alten Kirche fast abgeschlossen. In dieser Woche haben Heiko Gürtler (47) und sein Vater Hans-Dieter (70) endlich damit begonnen, die Decke im Kirchenschiff zu restaurieren. "Ärgerlich" sei das Ganze schon, sagt Heiko Gürtler. Schließlich ist es seine eigene Arbeit, die zerstört wurde. Die Reparaturkosten in sechsstelliger Höhe habe die Dachdeckerfirma immerhin schon überwiesen, sagt Pfarrer Ulrich Baller.

Die Gürtlers haben eine Malerfirma in Wolfsruh bei Gransee (Oberhavel). Im Jahr 1988 hatten Vater und Sohn die gesamte Kirchendecke in Schönberg restauriert. Drei Monate lang haben sie damals mit Pinsel und Schablone gearbeitet. Die Schablonen hat er zum Glück aufgehoben.

Das Bindemittel aus Acryl, mit dem Vater Gürtler die Farben aus Trockenpigmenten anrührt, war schon 1988 das Gleiche. Eine Kirchengemeinde aus dem Westen hatte es ebenso besorgt wie das Blattgold, das die Gürtlers auf dem Altar auftrugen. Es glänzt noch immer wie vor 25Jahren.

Das in Weiß-, Blau- und Ockertönen gestaltete Deckenmuster besteht aus mehr Farben als man auf den ersten Blick denkt. Die Schönberger verdanken es der Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren. Der Berliner Kunstmaler Erich Kistenmacher musste damals durch die Dörfer fahren, um über die Runden zu kommen. Für Kost, Logis und geringen Lohn gestaltete er zahlreiche Kirchendecken, darunter auch die in Wolfsruh, dem Heimatort der Gürtlers. Das war Zufall. Kein Zufall ist es, dass die Wolfsruher nun die Farben auf dem 100Jahre alten Holz in Schönberg ausbessern. Die Firma hat sich auf Denkmalschutz spezialisiert und war auch schon in Herzberg und Löwenberg tätig. Zu DDR-Zeiten haben die Maler fast nur an Kirchen gearbeitet. Bis zum Beginn der Adventszeit wollen Heiko Gürtler und sein Vater in Schönberg fertig werden. Im Dezember ist eine Taufe geplant, und den Heiligabend-Gottesdienst möchte Ulrich Baller auch in Schönberg halten ‒ zur Feier der dann fast fertig sanierten Kirche. Für 2014 bleiben nur kleine Restarbeiten in der Sakristei, an den Türen und an den Gaubenfenstern, für die es kein Geld mehr gibt. Der Pfarrer ist sich aber sicher, dass die Gemeindeglieder das dann in Eigenleistung stemmen können.

Von Christian Kranz

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