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Dagmar Köppen gestaltet gern neu

Netzeband Dagmar Köppen gestaltet gern neu

Dagmar Köppen lebte einst in der Großstadt Berlin, war dort Lehrerin. Doch die Sehnsucht nach dem Landleben und der Kunst schlummerte die ganze Zeit in ihr. In Netzeband konnte sich beides verwirklichen. Jetzt nennt sie sich selbstbewusst eine Künstlerin.

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Dagmar Köppen mit einigen ihrer Werke in ihrem Atelier in Netzband.

Quelle: Dagmar Simons

Netzeband. Es zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben: Das „ex-
treme Bedürfnis zu gestalten“. Dem kann Dagmar Köppen in ihrem Atelier in Netzeband nachgehen. Ihre Bilder, Skulpturen aus Marmor und Stahl, Plastiken und Bronzefiguren sind dort in einer Vielzahl zu sehen. In dem ehemaligen Schlachthaus kann sie sich ausleben.

Nach Netzeband kam sie durch einen Freund, der den Landschaftsarchitekten Horst Wagenfeld kannte, den Mann, der das Dorf mit zu dem machte, was es heute ist. Der Theatersommer zieht jährlich Tausende von Besuchern an, in der restaurierten Dorfkirche finden Konzerte und andere Veranstaltungen statt, das Hotel „Märkische Höfe“ bietet Ferienidylle fernab des Großstadttrubels.

Netzeband bietet Ruhe und Nähe zu Berlin

Die Ruhe und die Nähe zu Neuruppin und Berlin zog auch Dagmar Köppen nach Netzeband. Die Gegend ist der gebürtigen Berlinerin allerdings nicht fremd. Ihre Großeltern stammten aus Grieben, wo ihnen das Sägewerk gehörte. Aber nicht Grieben, sondern Netzeband wurde ihr zweiter Wohnsitz. Vor elf Jahren kaufte sie dort eine Wohnung, in der sie und ihre Frau die Wochenenden verbringen. Vor zehn Jahren erwarb sie das alte Schlachthaus. Das 1910 als Wohnhaus errichtete Gebäude hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Von 1932 bis 1939 diente es als Schlachthaus für Rinder. Es gab ein eigenes Bahngleis zum Transport nach Berlin. Von 1940 bis 1945 waren dort französische Kriegsgefangene und ihre Aufseher untergebracht. Von 1946 bis 2007 benutzte es die Freiwillige Feuerwehr als Abstellraum. „Das Haus war eine Ruine“, erinnert sich Dagmar Köppen.

Blick aus dem Fenster ihres Ateliers

Blick aus dem Fenster ihres Ateliers.

Quelle: Dagmar Simons

Vier Jahre lang haben sie gebraucht, es bewohnbar zu machen. So wie es heute aussieht, entspricht es genau ihren Vorstellungen. Und ihrer Kreativität. An das Objekt ist sie wie an ein Kunstwerk heran gegangen. „Das teilweise stark verfallene Objekt hat mich skulptural inspiriert“, sagt sie.

Bereits in ihrer Jugend war „das Gestalterische und das Kreieren von Neuem“ ihres. Das künstlerische Element war in ihrem Leben mal mehr, mal weniger bestimmend. „In mir wohnt eine Künstlerseele, die zwischenzeitlich auch mal zu kurz kam“, sagt die 66-Jährige.

In den Schulferien fuhr sie nach Italien

Der Traum der geborenen Berlinerin war es, Psychologie und Kunst zu studieren. Stattdessen wurde sie Lehrerin, unterrichtete unter anderem an einer Kreuzberger Grundschule. Nebenbei schrieb sie, malte und begann, sich bildhauerisch zu betätigen. „Minimalistisch“, wie sie sagt. „In jungen Jahren habe ich sicher 300 Bilder gemalt“, sagt sie. Die lagern noch auf dem Dachboden. Auch, wenn der Beruf sie ganz forderte, fand Dagmar Köppen die Zeit, sich kreativ zu verwirklichen. „Ich habe beide Seiten in mir, die pädagogische und die künstlerische.“ In den Schulferien fuhr sie nach Italien, mietete sich dort in einer Bildhauerwerkstatt ein. Sie ließ sich für das Schuljahr 1989/1990 beurlauben für einen Studienaufenthalt in Italien. Die Zeit verstärkte ihre Liebe zum Rohstoff Marmor, der aus ihrer Sicht nur in der südlichen Sonne den so charakteristischen Glanz entwickelt.

Sulpturenprojekt an der Schule

Zurück in der Heimat hatte sich die Geschichte geändert, die Mauer war gefallen, das Feld für neue Aufgaben groß. „Ich wollte dabei sein,wenn sich etwas Neues gestaltet“, sagt Dagmar Köppen. Zwei Jahre wird sie an das brandenburgische Ministerium für Bildung, Jugend und Sport abgeordnet. Anschließend wird sie Leiterin der Fanny-Hensel-Grundschule in Berlin Friedrichshain-Kreuzberg. „Wo man mich hinsetzt, habe ich gestaltet“, sagt sie. So auch an ihrer neuen Arbeitsstätte. Der hat sie ihren ganz eigenen Stempel aufgesetzt, der, wie kann es anders sein, natürlich etwas mit Kunst zu tun hat. Sie rief ein Bildhauerprojekt ins Leben.

Unter Anleitung eines Bildhauers gestalteten die Sechstklässler jedes Jahr eine Skulptur aus Sandstein für den Schulhof. „Sie sollen Spuren in ihrem Leben hinterlassen“, so die Idee, die offensichtlich großen Anklang fand: 2014 bekam die Schule den Lenné-Preis für den besten Schulgarten. Auch das Schultreppenhaus hat sie künstlerisch gestaltet. „Mir war Kreatives immer wichtig, ein anderer Blickwinkel auf die Dinge und immer etwas weiter voraus.“ Ihre Schule gehörte auch mit zu den ersten Einrichtungen, die arabisch und türkisch anbot.

Den Schulgarten gibt es heute noch

Der Schulgarten besteht immer noch. Dagmar Köppen dagegen ist seit einem Jahr im Ruhestand. Sie will sich wieder mehr der Kunst widmen. Bei ihren letzten Arbeiten ist sie wieder zum Gegenständlichen zurückgekommen. Gleich zwei ihrer Figuren fanden beim Tag des offenen Denkmals, an dem sie erstmalig in diesem Jahr teilgenommen hat, Liebhaber. Inzwischen würde sie sich als Künstlerin bezeichnen. Es hat gedauert, bis sie gemerkt hat, dass das ihr Weg ist: Den gestalterischen Teil in sich auszuleben. Das kann sie in Netzeband.

Von Dagmar Simons

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