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Dagmar Manzel las Agota Kristof

Netzeband Dagmar Manzel las Agota Kristof

Agota Kristofs Novellen sind fein gesponnene Wort-Miniaturen. Die Geschichten der Schriftstellerin loten die Seele aus und muten teilweise surreal an. Die Schauspielerin Dagmar Manzel hat sich mit den Texten beschäftigt und verleiht ihnen ihre Stimme. Am Sonnabend las sie daraus in der Temnitzkirche Netzeband, musikalisch begleitet.

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Dagmar Manzel tauchte tief in Agota Kristofs Bildwelten ein.

Quelle: Regine Buddeke

Netzeband. Er habe seinen Hund getötet, bekennt der alte Mann. Er habe ihn zuletzt umarmt und das Tier sei an seinem Hals zu Stein geworden. Warum? Das kann man allenfalls erahnen.

„Ein Zug nach Norden“ – so heißt die erste Novelle, mit der Dagmar Manzel die Lesung eröffnet und eintaucht in die skurrilen Geschichten des Novellenbändchens „Irgendwo“, geschrieben von der preisge Autorin Agota Kristof. Wenn man die lautmalerischen Wortwelten denn überhaupt skurril nennen kann. Dunkle Spiegelbilder der Seele, Traumfetzen, Reisen ins Innerste und in die Erinnerung, Gedankenspielereien. Nichts, was sich auf den ersten Blick erschließt. Man lässt sich entweder darauf ein oder bleibt vor verschlossener Tür stehen. Dagmar Manzel hat sich darauf eingelassen. Und fast 100 Zuhörer – Fans der Schauspielerin oder der Autorin oder von beidem – sind am Sonnabend in die Netzebander Temnitzkirche gekommen, um der musikalischen Lesung zu lauschen – einem Benefizabend zugunsten des Theatersommers Netzeband.

Felix Kroll setzt musikalische Akzente

Für die musikalischen Akzente sorgt Akkordeonist Felix Kroll, der in Netzeband bereits mehrfach mit Sabina Matthus-Bébié musizierte – letztere war es auch, die die Lesung im Rahmen der Kammermusiken „Vier Jahreszeiten“ initiierte. Die Musik, die Kroll als zusätzliches Element den Kristofschen Klangbildern zufügt, sind Kompositionen des Komponisten Helmut Oehring: „Gestopfte Leere“ und „Agota? Die Analphabetin“. Letzteres ein Werk, das direkt durch Agota Kristofs Autobiografie inspiriert und als vokalinstrumentales Melodram für eine Schauspielerin geschrieben wurde. Mit diesem Stück stand Dagmar Manzel im Staatstheater Wiesbaden auf der Bühne. Und auch Hörbücher gibt es von Agota Kristof, gelesen von Dagmar Manzel. Die Schauspielerin ist also sattelfest in den Gedankenwelten der Autorin, die von Abschied und Verlust, Sehnsucht und Heimatlosigkeit schreibt – sie schrieb all das im französischen Exil – in einer Sprache, die nicht die ihre war.

Ein Puma, das Seelen frisst – das klingt schon surreal. Ein Kind, das seine Lehrer liebt und „Unmengen an Kreide konsumierte“ – fast drängt sich einem da das Grimmsche Märchen auf, vom Wolf, der Kreise frisst, um eine zarte Stimme zu bekommen. Hat Agota Kristof so etwas im Sinn gehabt, als sie das schrieb? Die Zuhörer in der Temnitzkirche lachen ein ums andere Mal über den trocken-hintergründigen Humor, der zwischen den Zeilen lauert – egal ob die Miniaturen melancholisch, traurig, brutal, bizarr oder bedrohlich sind. Etwa über den Schriftsteller, den keiner kennt, da er nicht schreibt: weil kein Thema ihm groß genug und seines Talentes würdig wäre.

Geschichten mit Nachgeschmack

Geschichten von zarter Bitterkeit, Geschichten mit Nachgeschmack. Geschichten mit emotionalem Tiefgang. Dagmar Manzel kniet sich hinein – mit Mimik, mit Gestik, mit dem Klang ihrer Stimme.

Besonders gut kommt die Novelle „Die falsche Nummer an“ – wunderbar gezeichnet ist der arbeitslose Mann, der sich in seiner Bude verkriecht und angesichts eines fehlgeleiteten Telefonats ein blind date eingeht. Das natürlich prompt in die Hose geht – trotz frisch gefärbter Haare und neuer Jeans des demoralisierten Pechvogels.

Mit der Frage einer Frau, wie die Axt in den Kopf ihres Mannes kommt, endet die Lesung. Und wird mit viel Applaus bedacht. „Sehr schöne Geschichten, mit viel Herzenswärme geschrieben“, sagt Margit Soika am Ende. „Ich werde mir das Buch kaufen.“

Von Regine Buddeke

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