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Daniel Bax las aus „Angst ums Abendland“

Buchvorstellung in Neuruppin Daniel Bax las aus „Angst ums Abendland“

Die übersteigerte Angst vor Muslimen stärkt rechtspopulistische Bewegungen und totalitäre Denkweisen. In seinem Buch „Angst ums Abendland“ analysiert der Journalist Daniel Bax die wachsende Islamfeindlichkeit in Deutschland. Am Dienstag las er in der Neuruppiner Klosterkirche aus seinem 2015 erschienenen Buch.

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Auf Einladung von Esta und der Böll-Stiftung in Neuruppin: Buchautor Daniel Bax.

Quelle: Frauke Herweg

Neuruppin. Daniel Bax ist ein Mann feiner Ironie. Sein Buch „Angst ums Abendland. Warum wir uns nicht vor den Muslimen, sondern vor den Islamfeinden fürchten müssen“ erschien just an dem Tag, an dem Angela Merkel angesichts der Massenflucht nach Deutschland mit einem „Wir schaffen das“ reagierte. Ein für das Erscheinen seines Buches „denkbar schlechter Tag“, findet Bax. Der Taz- Redakteur und Islamwissenschaftler hatte sein Buch unter dem Eindruck von Pegida und den Massendemonstrationen in Dresden geschrieben. Merkels zur Schau getragener Optimismus schien so gar nicht zu seiner Analyse rechtspopulistischer und islamfeindlicher Argumentationsmuster zu passen.

Angesichts der AfD-Wahlergebnisse ist sein Buch allerdings längst wieder aktuell. Am Dienstagabend stellte Bax, Jahrgang 1970, sein Buch im vollbesetzen Gemeinderaum der Klosterkirche vor. Der Begriff des Abendlands stamme eigentlich aus einer christlich-konservativen Tradition, so Bax zu Beginn der von Esta und der Böll-Stiftung organisierten Lesung. Pegida wurde jedoch im weitgehend atheistischen Sachsen gegründet. „Es ist eigentlich absurd, dass eine säkulare Bewegung sich einen Begriff wie Abendland krallt.“

Völlig überzogene Überfremdungsängste

Pegida wie auch die AfD warnen vor der vermeintlichen Islamisierung Deutschlands. „Mit der Realität haben Überfremdungsängste nichts zu tun“, sagt Bax. Fünf Prozent der in Deutschland lebenden Menschen kommen aus muslimischen Ländern. „Damit ist noch nichts darüber gesagt, wie religiös sie tatsächlich sind“, sagt Bax. „Nichts spricht dafür, dass sie heimlich einen islamischen Staat anstreben.“ Europaweit – Russland mit eingeschlossen – könne der Anteil der Muslime bis 2050 vielleicht auf zehn Prozent wachsen. „Die Einwanderer sind eine Minderheit und sie werden es auch in Zukunft bleiben.“

Gleichwohl ist das gemeinsame Feindbild Islam das einende Moment aller rechtspopulistischen Bewegungen in Europa. Der Anspruch auf freie Religionsausübung würde von Rechtspopulisten als dreiste Landnahme denunziert, so Bax. Mitunter präsentiert sich die Ablehnung des Islam gar im demokratischen Gewand. So hatte die AfD angesichts geplanter Moscheebauten Volksentscheide gefordert. Für Bax kein demokratischer Gewinn. „Die Mehrheit entscheidet, ob eine Minderheit ihre Religion ausüben darf.“

Daniel Bax will die AfD nicht überbewerten

Im anschließenden Publikumsgespräch warnt Bax davor, die AfD überzubewerten. „Wir machen AfD und Pegida viel größer als sie sind.“ Der Journalist kann rechtspopulistischen Bewegungen sogar etwas Positives abgewinnen – sie zwingen eine Gesellschaft, ihre Werte zu verteidigen. Einigen Zuhörern ist anzumerken, dass sie Bax’ entspannte Haltung nicht teilen. Wie begegnet man einer Bewegung, die Ängste schürt und sich einer argumentativen Auseinandersetzung entzieht? will einer der Zuhörer wissen. „Man kann Angst doch nicht mit Argumenten besiegen.“ Eine Antwort bleibt Bax schuldig.

Zum Erfolg rechtspopulistischer Bewegungen tragen auch die Medien bei. „Stereotype und Angstbilder werden von Medien transportiert.“ Suggestive Fragen wie „Wie viel Islam verträgt Deutschland?“ würden hohe Nachfrage versprechen. Eine offene Auseinandersetzung mit dem Thema sei jedoch kaum noch möglich. Doch auch AfD-kritische Berichterstattung sei mitunter übertrieben. So hatte die Beleidigung von Jerome Boateng durch AfD-Vorstandsvize Alexander Gauland für mediale Aufregung gesorgt. AfD-Chefin Frauke Petry nutzte die Gelegenheit, sich als vermeintlich liberal zu präsentieren. Man hätte Gaulands Satz auch ignorieren können, so Bax. „Aber man nimmt die Extreme.“

Von Frauke Herweg

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