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Darum müssen die Bäume weg

Stadtverwaltung glättet Wogen Darum müssen die Bäume weg

Harter Kahlschlag in Neuruppin: Dort sind jüngst 30 Rotdornen gefällt worden. Bei den Bewohnern kam das nicht gut an und schlug hohe Wellen in der Stadt. Uns hat die Stadtverwaltung erklärt, wieso die Bäume weichen mussten. Doch das waren längst noch nicht alle Abholzungen.

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Die Rotdorne in der Friedrich-Engels-Straße wurden am Donnerstag gefällt.

Quelle: Mischa Karth

Neuruppin. Die Wellen der Empörung über die Abholzung von 30 Bäumen in der Neuruppiner Friedrich-Engels-Straße waren auch am Freitag noch zu spüren. „Jetzt hat die Stadt das letzte bisschen Charme verloren“, kommentierte eine Nutzerin im sozialen Netzwerk Facebook den Vorgang. Ein anderer schrieb: „Es tut mir im Herzen weh zu sehen, wie die so schlauen Leute, die sich Stadtplaner nennen, Neuruppin verschandeln.“

Die Stadtverwaltung war bemüht, die Wogen zu glätten. Die gefällten Rotdorne seien 55 bis 65 Jahre alt gewesen, sagte Arne Krohn, stellvertretender Bürgermeister. „Sie hatten ihren Lebenszenit überschritten.“ Bei optimalen Bedingungen würden die Bäume bis zu 80 Jahre alt, doch die Bausituation sorge für zusätzlichen Stress. „In den nächsten zehn bis 15 Jahren wären sie ohnehin abgängig gewesen“, sagte Krohn. Deshalb habe sich die Stadt bei der Planung entschieden, alle Bäume zu fällen. Um deutlich mehr Parkbuchten in der Friedrich-Engels-Straße zu schaffen, würden neue Rotdorne nun versetzt gepflanzt. „Die Neupflanzung lässt sich besser mit dem neuen Profil vereinbaren“, so Krohn. Für die Friedrich-Engels-Straße seien 21 junge Bäume vorgesehen, weitere würden zum Ausgleich in den Nachbarstraßen gepflanzt.

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Am Donnerstag wurden in der Friedrich-Engels-Straße in Neuruppin rund 30 Bäume gefällt. Viele Passanten waren vom Anblick schockiert. Grund für die Abholzung ist die Sanierung der Straße.

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Krohn sagte, dass die Bilder der gefällten Bäume auch ihm nahe gingen. „Das sieht schon nach einem mittleren Massaker aus“, so Krohn. Ihn hätten viele Anrufe von Bürgern erreicht. „Es ist erstaunlich und erfreulich, dass vielen Menschen die Bäume in Neuruppin am Herzen liegen“, betonte Krohn. Zugleich verwies er darauf, dass die Pläne in einer Anwohnerversammlung vor Längerem bekanntgegeben worden seien. „Ich ärgere mich, dass das in der Versammlung nicht noch offensiver diskutiert wurde“, sagte Krohn.

Allerdings räumte der Baudezernent ein, dass der Beginn der Baumfällarbeiten in der Friedrich-Engels-Straße in der Vorwoche noch einmal offensiv hätte angekündigt werden sollen. Der Vorschlag, die Bäume zu versetzen, sei indes nicht realisierbar gewesen. „In dem Alter geht das nicht mehr“, sagte Krohn. An anderer Stelle seien ausgewachsene Birken verpflanzt worden. „Die sind alle eingegangen“, ergänzte Uta Pirk aus dem Baudezernat.

Pirk hatte unterdessen auch Neuigkeiten zur Situation in der Fehrbelliner Straße zu überbringen. Dort waren in diesem Jahr alle Bäume auf ihre Standfestigkeit geprüft worden. Rund 20 Eichen und Linden, und damit ein Großteil des Bestandes, seien nicht mehr sicher und müssten gefällt werden. Die Mitarbeiter des Baudezernates hoffen, dass die Fällungen in vier Wochen beginnen können. Um den Alleecharakter zu wahren, sollen junge Bäume nachgepflanzt werden. „Die Situation in der Fehrbelliner Straße schmerzt mich ex­trem“, so Krohn. „Das sind prächtige Bäume.“ Doch die einzige Alternative, die Straße dauerhaft zu sperren und einen Zaun zu ziehen, sei keine.

Auch an der Allee nach Nietwerder müssen Bäume gefällt werden

Auch an der Allee nach Nietwerder müssen Bäume gefällt werden.

Quelle: Peter Geisler

Ebenfalls schlecht steht es laut Rathaus um die Bäume in der Allee nach Nietwerder. Ein Teil der Bäume sei nicht mehr standsicher, auch die verbleibenden Bäume hätten lediglich noch eine Lebensdauer von acht bis zehn Jahren, so Pirk. Hinzu komme, dass dort – wie auch in der Alt Ruppiner Allee – der so genannte B randkrustenpilz wüte. „Das ist einer der gefährlichsten Schädlinge überhaupt“, sagte Pirk. Der Pilz, der den Baumfuß befalle, sei oft erst auszumachen, wenn es zu spät sei. Die Stadt sei sich mit dem Landkreis einig, dass nur die Fällung Sinn mache. Allerdings soll der Vorgang in drei Abschnitten erfolgen, um nicht alle Bäume auf einmal zu roden. Da die brandenburgischen Alleen unter Denkmalschutz stehen, sei das Genehmigungsverfahren schwieriger. Uta Pirk hofft jedoch, dass auch hier die Arbeiten zügig beginnen können – bis Ende des Jahres. Dass gerade jetzt so viele Bäume gefällt werden müssen, sei den wesentlich umfangreicheren Baumkontrollen geschuldet, so Pirk.

Bei all den schlechten Nachrichten für das Grün in der Fontanestadt versuchte Arne Krohn trotzdem einen positiven Blick in die Zukunft zu werfen. „Neuruppin hat ein Image als grüne Stadt“, sagte Krohn. „Und es wird sein Image als Stadt, in der sich viele Bäume befinden, nicht einbüßen.“

Von Mischa Karth

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