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Das Duo Acuerdo gastiert in Neuruppin

Die tiefe Traurigkeit des Tango Das Duo Acuerdo gastiert in Neuruppin

Tanzmusik zum Träumen: so das Rezept des Berliner Duos Acuerdo. Ob argentinischer Tango, französische Musette oder Klezmer aus Jerusalem oder dem Balkan: Anja Dolak am Akkordeon und Cellist Bernhard Hariolf Suhm nahmen das Publikum mit auf eine Reise, die eher zum Fallenlassen als zum Tanzen animierte. Die Gäste schwelgten gern im dunklen Moll.

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Anja Dolak am Akkordeon.

Quelle: Buddeke

Neuruppin. Acuerdo – so erklärt es Gastgeberin Gabi Lettow – setzt sich aus „Ac“ für Akkordeon und „cuerda“ für Saite zusammen. Was Anja Dolak am Akkordeon gemeinsam mit Bernhard Hariolf Suhm am Cello zum Klingen bringt, lässt indes noch eine andere Vermutung zu: Acuerdo bedeutet auch „in Übereinstimmung“. Wenn man den beiden lauscht – 85 Gäste sind am Sonnabend in der Neuruppiner Siechenhauskapelle – spürt man: das Duo hat seinen Namen zu Recht gewählt.

Bernhard Hariolf Suhm

Bernhard Hariolf Suhm.

Quelle: Buddeke

Tango, Klezmer und Musette stehen auf dem Programm und mit einem Tango beginnt der Reigen auch, der im Großen und Ganzen zum wonnigen Bad in tiefster Melancholie werden soll. Während das Akkordeon bei Tangokapellen zum Standard gehört, ist das Cello als Solist dabei eher ungewöhnlich. Nichtsdestotrotz ist es spannend, wie Bernhard Hariolf Suhm teils die Melodiestimme übernimmt, teils den hintergründigen Rhythmus, der den Tango ausmacht. Mal hoch wie eine Geige, mal grummelnd wie ein Kontrabass ist er immer im spannenden Kontrast zu seiner Partnerin – ob beim Vorstadtromanzen-Valse von Anibal Troilo, dem berühmten Bandoneonspieler und Tangokomponisten, oder der Musik von Tangolegende Astor Piazzolla , der per se schon die tiefe Traurigkeit des Tangos für sich gepachtet zu haben scheint. Spannend auch, weil der seinen ureigenen Stil des „Tango Nuevo“ vom klassischen Tango der argentinischen Rotlicht- und Hafenkneipen weitertrieb, indem er Jazz und Bach einfließen ließ, die ihn während seines Studiums in Paris nachhaltig fasziniert haben. Erst dann bläst Acuerdo zum Genrewechsel in den Klezmer. Immerhin, das „Leben in Palästina“ scheint spritzig-temperamentvoll zu sein – wenn auch ebenso in Moll. Ein Musettewalzer lädt ins verträumte Frankreich ein, dann geht es auf den Balkan. „Ein Brauttanz“, verspricht Anja Dolak. Verhalten und düster, ein wenig orientalisch klingt er – in Bulgarien scheint die Hochzeit eine todernste Angelegenheit zu sein – zumindest für die Braut. Das Publikum sitz teils mit geschlossenen Augen und lässt sich genussvoll auf dies Klangreise ein. Und schon geht es wieder gen Buenos Aires – ein „Fuge in Tango“ rauscht wie der Ozean, das Cello geht auf Extremtour in die Höhen und Tiefen seiner Möglichkeiten.

Gastgeberin Gabi Lettow war am Ende sehr angetan

Gastgeberin Gabi Lettow war am Ende sehr angetan: „Das war so richtig zum Wegträumen.“

Quelle: Buddeke

Natürlich sind die Fassungen nicht ursprünglich für Akkordeon und Cello geschrieben, erklärt Anja Dolak. „Wir lassen uns von Tangoorchestern inspirieren und arrangieren die Stücke dann für uns neu“, sagt sie vor einem koketten Valse. Den vielen Tangotänzern im Saal zuckt es in den Füßen, als final eine Milonga ertönt.

Von Regine Buddeke

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