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Das Familienunternehmen Halbeck

Rheinsberg Das Familienunternehmen Halbeck

Mit einem Trabi, einem Lada und der Fahrschule fing die Unternehmerlaufbahn Eberhard Halbecks an. In den 26 Jahren, in denen er sein Geschäft aufbaute, kamen drei Ausflugsdampfer, ein Busreiseunternehmen und ein Yachthafen dazu. Mittlerweile ist sein Sohn mit ins Geschäft eingestiegen – Familie Halbeck kurbelt den Rheinsberger Tourismus kräftig an.

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Eberhard und Stefan Halbeck an der Dampferanlegestelle am Grienericksee.

Quelle: Regine Buddeke

Rheinsberg. Der Tourismus in Rheinsberg boomt – nicht erst seit Fontanes Wanderungen oder Tucholskys Rheinsberg-Novelle. Und er boomt auch heute noch. Viele Akteure wirken daran mit, dass die Urlauber sich in der Prinzenstadt wohlfühlen. Einer von ihnen ist Eberhard Halbeck. Wenn die Kammeroper-Gäste es sich auf dem Ausflugsdampfer gemütlich machen, ist es höchstwahrscheinlich einer von der Reederei Halbeck. Wenn Charteryachten oder auch Paddelboote über den Grienericksee gleiten, ist es gut möglich, dass es Halbeck’sche sind. Spuckt ein Reisebus eine Ladung Berliner Touristen vor dem Schloss aus, kann es einer von Halbeck-Reisen sein. Auch ganz normale Autos finden sich im Fuhrpark der Familie – die allerdings dienen nicht unbedingt dem Transport, sondern gehören zur Fahrschule Halbeck.

Mit einem Trabi und einem Lada fing es an

Eigentlich ist Eberhard Hal­beck gelernter Maurer und Zimmermann. „Montagebau-Facharbeiter hieß das damals“, erzählt er. Aber im Grunde wollte er lieber eine Fahrschule aufmachen. Das war indes zu DDR-Zeiten nicht so einfach. „Ich habe 1989 zehn Mal die nötigen Unterlagen bei den Behörden eingereicht. Und immer sind die auf geheimnisvolle Weise verschwunden“, erinnert er sich. Er wollte schon die Flinte ins Korn werfen – dann kam die Wende. Und auf einmal klappte es mit der privaten Fahrschule. „Im April 1990 haben meine Frau und ich angefangen. Mit ’nem Trabi und ’nem Lada.“ Der Nachholbedarf der fahrfreudigen Ossis sei so groß gewesen, dass er 20 Stunden am Tag gearbeitet habe. Irgendwann entdeckte er auf einer seiner Touren von der Seestraße aus die MS Remus, damals noch vom FDGB-Feriendienst bewirtschaftet. „Die haben das aber nur halbherzig gemacht“, bemerkte der Rheinsberger schnell und bewarb sich 1991 mit Konzept und Finanzierungsplan um das Fahrgastschiff. Er erhielt den Zuschlag, musste sich jedoch wegen eines Formfehlers in der Ausschreibung noch einmal bewerben. Die Mitbewerber, die auf ein Schnäppchen hofften, trieben den Preis noch in die Höhe, so dass Eberhard Halbeck am Ende 100 000 Euro mehr als den Taxpreis bezahlen musste, ehe die MS Remus sein Eigentum wurde. 1992 startete er – mit den Urlaubern des FDGB-Feriendienstes, den es damals noch gab. Es lief so gut, dass Halbeck ziemlich bald in der Werft Malz ein neues Schiff bauen ließ: 1993 war Stapellauf für die MS Rheinsberg. Kurz danach machte der FDGB-Feriendienst dicht. „Wir hatten zwei Schiffe und keine Fahrgäste mehr“, sagt Halbeck, der indes schnell reagierte und mit Busunternehmen kooperierte. Als 1995 Goldgräberstimmung aufkam, die Ortsteile Kagar, Flecken und Co. mit großen Ferienanlagen zu bebauen, orderte Halbeck einen dritten Dampfer – die MS Rhinperle, um den Verkehr in Richtung Flecken Zechlin abzudecken. „Aber die Investoren waren irgendwann alle weg. Und wir mussten schauen, wie wir drei Schiffe füllen.“

Drei Dampfer fahren für die Reederei Halbeck

So begann 1999 die Ära Bus-Unternehmen. „Irgendwie mussten wir ja die Berliner nach Rheinsberg bekommen“, erklärt Eberhard Halbeck, der die Busse auch selber fährt. 1997 erwarb die Familie den Yachthafen am Café Tucholsky, mit Gastliegeplätzen, Bootsverleih und Yacht-Charter. Sogar das Café selbst betrieben die Halbecks vier Jahre lang – kündigten den Vertrag indes wegen Unstimmigkeiten mit dem Verpächter.

Eberhard Halbeck ist mittlerweile 66 Jahre alt. Trotzdem ist er manchmal 36 Stunden am Stück auf Tour – mit nur kleinen Pausen dazwischen. Das zehrt – auch wenn er mittlerweile 36 Mitarbeiter hat und die Arbeit auch ein Stück weit an seinen Sohn Stefan weiterreicht. Für den kam ohnehin kein anderer Beruf infrage: „Ich habe schon als Schüler im Unternehmen mitgeholfen“, sagt er. Er habe alles entstehen und wachsen gesehen – mit Blick in die Zukunft. „Wir sind jetzt seit 26 Jahren am Markt“, sagt sein Vater stolz. „Man hat uns nichts geschenkt. Fördergelder sind immer nur an uns vorbeigeflossen.“

Was die Familie hier aufgebaut habe, sei das Resultat von sehr viel Aufwand, sehr viel Fleiß, und weit mehr als nur Achtstunden-Tagen. „Feierabend ist, wenn alles fertig ist“, sagt Halbeck Senior, der in all den Jahren viel erlebt hat. Und viele Promis als Fahrgast hatte. „Ex-Kanzler Schröder, Berlins Ex-Bürgermeister Diepgen, Platzeck, Stolpe, Theo Waigel.“ Selbst Altkanzler Helmut Schmidt habe einst mit seinem Privatboot in Hal­becks Hafen angelegt. „Wir haben ihn zwei Tage lang ‚bedient‘“, erinnert sich Eberhard Halbeck.

Von Regine Buddeke

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