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Das Geheimnis vom Ganzer Ganzmeilenstein

Funktioniert auch ohne Inschrift Das Geheimnis vom Ganzer Ganzmeilenstein

Seit einiger Zeit nun steht der sogenannte Ganzmeilenstein am Ortsrand von Ganzer (Gemeinde Wusterhausen) an der B 167 wieder so frisch da wie schon im Jahr 1803. Doch auf den ersten Blick scheint etwas an ihm zu fehlen. Mancher Dorfbewohner fragt sich, wann der Stein denn nun endlich seine Inschrift bekommt. Gar nicht, sagt ein Experte – und klärt auf.

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An jeder preußischen Meile, sprich alle 7,52 Kilometer, stand einst ein solcher Ganzmeilenstein.

Quelle: Matthias Anke

Ganzer. Gut eineinhalb Jahre ist es her, dass der sogenannte Ganzmeilenstein bei Ganzer (Gemeinde Wusterhausen) an der B 167 restauriert und neu aufgestellt wurde. Doch noch immer sieht er unfertig aus, da die Schrift fehlt, wie sie an Meilensteinen doch typisch ist. Vorbeifahrende dürften sich darüber wundern. Doch vieles hat bekanntlich seinen Grund: „Weil alle Ganzmeilensteine entlang der Hamburger Poststraße so aussehen, bleibt auch dieses Exemplar ohne Schrift“, erklärt Rolf Zimmermann vom bundesweit aktiven Verein „Forschungsgruppe Meilensteine.

Der Standort an sich besage ja, dass es bis zum nächsten Stein nur noch eine Meile ist. Steine mit Inschriften hingegen, die es in der Region zahlreich gibt, würden schlicht aus anderer Zeit stammen oder die Schrift für sich wurde später hinzugefügt. Und es gebe beschriftete Ganzmeilensteine, doch die stünden wiederum in anderen Regionen. Ähnlich gelte das für die Unterschiede bei Halb- und Viertelmeilensteinen.

Aufstelldatum der Ganzmeilensteine ist bekannt

Die alte Berlin-Hamburger Poststraße verlief bis 1830 über ein Teilstück der heutigen B 167. Später wurde die B 5, die Hamburger Chaussee, zur Hauptverkehrsader. Dabei lässt sich heute noch sagen, wann die glatten Obelisken wie in Ganzer aufgestellt wurden: 1803 bis 1805. „1803 wurde die Poststrecke zwischen Berlin und Hamburg vermessen. In der Regel fertigten ortsansässige Maurermeister daraufhin die Fundamente. Die Bauteile aus sächsischem Sandstein wurden angeliefert und zusammengesetzt.“ Dass keine Schrift gemeißelt wurde, erinnere zudem an den Spardruck der damaligen Zeit im Gegensatz zu pompöseren Steinen vorhergehender Jahrzehnte, Jahrhunderte, als noch farbige Wappen oder Banner aufgebracht wurden.

Kaum Vorbeifahrende, weil die Straße unter Sperrung gebaut wird

Der Forschergruppe um Zimmermann war es zu verdanken, dass die Reste des ursprünglichen Steins bei der Straßenmeisterei eingelagert wurden. Wohl in den 1980er Jahren lag er schon in Einzelteilen unbeachtet neben der Fahrbahn. „Zwar entspricht sein heutiger Platz nicht exakt dem Originalstandort, aber um drei, vier Meter wollen wir mal nicht streiten“, spaßt Rolf Zimmermann.

Vorbeifahrenden dürfte das vermutlich erst recht egal sein. Aus dem Augenwinkel fällt er noch mehr Kraftfahrern ohnehin erst auf, wenn die Bundesstraße, an der nun schon im dritten Jahr gebaut wird, von Bückwitz bis zum Autobahnanschluss hinter Dabergotz irgendwann mal wieder durchgehend befahrbar ist.

Zum Abschätzen der Reisezeit und Portoberechnung

Die Meile war einst ein römisches Wegemaß: 1000 Schritte aus jeweils fünf römischen Fuß. Im Laufe der Jahrhunderte veränderte es sich stark, bildeten sich regionale Besonderheiten.

Ab dem 18. Jahrhundert näherte man sich wieder an. Meilen, die ungefähr 7,5 Kilometern entsprachen, waren seither etwa 10 000 Schritte. Der Post diente das zur Portoberechnung. Und es ließen sich Reisezeiten abschätzen: Zu Fuß beträgt eine Meile etwa zwei Wegstunden, mit Postkutsche oder Pferd konnte sie in einer Stunde zurückgelegt werden.

Von Matthias Anke

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